Die Schießbahn im Rohrwang

+
So sieht es heute auf dem ehemaligen Remonte-Schießplatz aus. Eine Waldschneiße mit viel wildem Gestrüpp. Foto: -afn-

Kaum jemand weiß heute noch von der Schießanlage der Remonte. Wie später der Pfarrplatz der Salvatorgemeinde daraus wurde.

Aalen

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, haben sich die Stadt und der Geschichtsverein einiges einfallen lassen. Unter anderem wird Stadtarchivar Dr. Georg Wendt eine besondere Exkursion durch den Rohrwang unternehmen, den die Aalener früher Stadtpark nannten.

Ob dabei auch die dortigen Relikte der einstigen Remonte-Garnison in Erinnerung gebracht werden? In der Ankündigung war davon keine Rede. Sicherlich aber wird der Gang an den Relikten der ehemaligen „Muna“ vorbeiführen. Das sind Mauerreste der Munitionsbunker, die sich vom Weg gegenüber des Haupteingangs des Waldfriedhofs bis hinab zur Schießbahn der Schützengilde erstreckten. Am Beginn stand noch bis vor wenigen Jahren das frühere Wachgebäude, in welchem sich nach dem Krieg eine Wohnung und später ein Blumenladen befand.

Wo die Männer des Volkssturms Schießen übten

Kaum mehr jemand weiß indessen, dass an dem parallel zum Waldfriedhof führenden Fußweg die ehemalige, rund hundert Meter lange Schießanlage der Remonte lag: im Osten der Zugang durch ein großes Tor und im Westen der massiv gebaute Kugelfang. Heute ist davon nur noch wenig zu sehen. Immerhin noch die dazwischen liegende mit Gestrüpp bewachsene Schneise, die nur noch Ortskundige finden.

In den letzten Kriegsjahren mussten auf dieser ausgedehnten Schießbahn auch die alten Männer des Volkssturms – Hitlers letztes Aufgebot - antreten und ihre Schießübungen erfüllen. Wie mein Vater, der schwer verwundet mit Glasauge vom Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war und nicht gedacht hätte, wieder ein Gewehr in die Hand nehmen zu müssen. Als Jahrgang 1889 war er übrigens so alt wie Adolf Hitler.

Und wie reagierte mein Vater? Er nahm im Schießstand Position – und feuerte blindlings drauflos. Sein Kommentar: „Ich ziel' doch im Alter nicht plötzlich noch mit links“.

Nach dem Krieg ergatterte der damalige Pfarrer Rudolf Renz eine ausgediente RAD-Baracke und ließ diese auf der alten Schießbahn als Jugendheim aufbauen. Und schon hatte die Pfarrgemeinde einen idyllisch mitten im Wald gelegenen Spielplatz als Treff für Alt und Jung. Zum Beispiel am Nachmittag des Fronleichnamsfestes. Zuvor hatten sich Kolpingssöhne um eine Einzäunung des Platzes gekümmert. Jeden Samstag treiben sie dafür hohe Pfähle mit einer Ramme von Hand in den Boden: Schwerstarbeit.

Dann aber musste die Hütte abgebrochen werden, weil sie angeblich einer geplanten Straße vom Bohl zum Krankenhaus im Weg stand. Daraus wurde freilich nichts. Doch die Hütte war weg. Danach kamen die Georgspfadfinder. Aber das ist eine eigene, brisante Geschichte.

Wo aber lagen weitere Übungsbereiche der Remonte-Soldaten außer den Sandgruben auf der Hirschbacher Heide, wo sie den Remonten beibringen mussten, Steilhänge zu überwinden? Ein ausgedehnter Hindernisparcours für Pferd und Reiter befand sich außerdem am Kälblesrain in Höhe der heutigen Tennisplätze. Doch wer weiß das noch?

Am Sonntag, 11. September, ist der Tag des offenen Denkmals. Aalens Stadtarchivar Dr. Georg Wendt bietet dabei von 14 bis 16 Uhr einen Stadterkundungs-Spaziergang quer durch den Rohrwang an. Die Infos dazu, was an diesem Tag sonst noch alles an historischen Einblicken möglich ist, gibt es unter www.schwaebische-post.de.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Kommentare