Die Stadt Aalen ringt um mehr Personal für ihre Kitas

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Kinderbetreuung: Wie andere Kommunen hat auch die Stadt Aalen aktuell mit großen Herausforderungen zu kämpfen.
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Die Kita-Landschaft wächst in den nächsten Jahren rasant. Die Kocherstadt steht vor dem Dilemma, nicht ausreichend Fachpersonal zu finden.

Aalen

Die städtischen Kindertageseinrichtungen in Aalen stehen - wie viele andere Kitas deutschlandweit - vor einer „wahnsinnigen Herausforderung“ (O-Ton Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann). Und das liegt nicht etwa an Corona. Sondern am großen Dilemma, nicht ausreichend Fachpersonal für die rasant wachsende Zahl an Kitas zu finden.

Katja Stark, Amtsleiterin für Soziales, Jugend und Familie legte gemeinsam mit Abteilungsleiterin Ramona Sorg den Gemeinderatsmitgliedern des Finanzausschusses in öffentlicher Sitzung die Fakten auf den Tisch. „Noch gelingt es uns, Fachkräfte zu gewinnen“, sagte Ramona Sorg. Gleichzeitig aber räumte sie ein: „Unsere Maßnahmen sind ausgeschöpft.“

Was Amtsleiterin Katja Stark beschäftigt, ist die Konkurrenz anderer Gemeinden im Ostalbkreis. „Denn keine andere Gemeinde bildet so viele Erzieherinnen und Erzieher aus wie die Stadt Aalen. Und das tut dann sehr weh, wenn diese Erzieherinnen und Erzieher dann abgezogen werden von einer Gemeinde, die nicht ausbildet.“

Bürgermeister Ehrmann sieht jetzt vor allem den Landkreis als Träger der Jugendhilfe in der Pflicht. „In den nächsten Jahren rollt eine ordentliche Bedarfslawine auf uns zu. Wir müssen deshalb an einem Strang ziehen, damit wir die Sozialberufe attraktiv machen.“

Fakten und Zahlen: Seit 2015 unterliegt die Betreuungssituation in Aalen einer extremen Dynamik, ausgelöst durch Gesetze und Investitionsprogramme der Bundes um den Kita-Ausbau voranzutreiben. Laut Stark waren 2015 noch fünf Kitas in städtischer Trägerschaft, aktuell seien es bereits zehn. „Bis 2024 wird die Stadt insgesamt 13 bis 14 Kitas betreiben.“ Seit 2015 bis zum heutigen Tag habe sich das Personal von 55 Mitarbeitenden auf aktuell 140 bereits verdreifacht. Bis 2024 werde man 240 Mitarbeitende brauchen, rechnete Stark vor.

Die Herausforderungen: Mit dieser Entwicklung hat die Stadt vor sieben Jahren noch nicht gerechnet. Im Gegenteil. „Die Stadt hat damals laut Bevölkerungsprognose nicht auf Wachstum, sondern auf Rückbau von Kita-Plätzen gesetzt“, weiß Stark. Erschwerend hinzu kamen die Pandemiebedingungen in den vergangenen zwei Jahren. Und jetzt stehe man mit dem Zuzug von Flüchtlingskindern vor neuen Herausforderungen.

Großen Respekt und Dank für die bisher geleistete Mammutaufgabe gab es durchweg von allen Fraktionen für das Team um Katja Stark.

Monika Brauch-Siedler (Grüne) meinte: „Die Ausstattung des Kita-Personals mit Laptops und Tablets ist wichtig, aber genauso wichtig ist ausreichend Personal.“ Die Aufgaben der Stadtverwaltung in diesem Bereich seien nur mit personeller Verstärkung leistbar.

Nadine Patzelt (CDU) sagte, dass ihrer Fraktion das Thema Kinderbetreuung sehr am Herzen liege. Sie regte eine Imagekampagne zur Personalgewinnung an, „ähnlich wie für die Hausärzte“. Und erkundigte sich unter anderem nach der Größe der Warteliste für einen Kita-Platz. Die städtische Amtsleiterin antwortete, dass der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen nicht gedeckt sei. „Wir haben natürlich immer noch eine Warteliste.“ Darum könne man auch „nicht so schnell“ Kinder aus der Ukraine mit einbeziehen. Katja Stark: „Wir müssen uns für sie andere Lösungskonzepte überlegen.“

Apropos Imagekampagne: Bürgermeister Ehrmann gibt den Ball weiter an den Landkreis. Ehrmann appelliert, die Kinderbetreuung in die Imagekampagne des Ostalbkreises für soziale Berufe mit aufzunehmen.

Petra Pachner (SPD) zeigte sich schwer beeindruckt vom Engagement der Stadtverwaltung für die städtischen Kindertageseinrichtungen. Ihrer Meinung nach, so Pachner, solle sich der Gemeinderat einmal intern darüber unterhalten, wie er die Stadtverwaltung in dieser Aufgabe unterstützen kann.

Bernhard Ritter (FW) sorgt sich für seine Fraktion, ob es angesichts des steigenden Fachkräftemangels möglich sein werde, bis 2024 weitere 100 Erzieherinnen und Erzieher gewinnen. „Wir hoffen auf den Erfolg des vom Land versprochenen Maßnahmenpakets.“ Hintergrund: Die Landesregierung hatte im Februar dieses Jahres Maßnahmen versprochen, um die Situation zu verbessern; beispielsweise Werbung für den Beruf, Quereinsteiger auszubilden oder Hilfskräfte zuzulassen, die keine ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher sind.

Inge Birkhold (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub) registriert positiv, dass sich Bildung für nachhaltige Entwicklung wie ein roter Faden durch die städtische Bildungsbetreuungslandschaft zieht.

Arian Kriesch (FDP/FW) brachte die Idee ein, möglicherweise mit anderen Gemeinden oder mit freien Trägern zusammenzuarbeiten, um das Personalproblem besser in den Griff zu bekommen.

Wir sehen auch den Landkreis in der Pflicht.“

Karl-Heinz Ehrmann, Bürgermeister

Kita-Eröffnungen bis zum Jahr 2024

Die Kita Waldhausen ist als Interimslösung im April 2022 mit 22 Plätzen gestartet. Ende 2022 wird sie in die neue dreigruppige Kita Waldhausen umziehen.

Die Kita Fachsenfeld startet im Juni 2022 mit einer Interims-Natur-Kita. Das neue Kita-Gebäude in Fachsenfeld wird im Herbst 2023 in Betrieb gehen.

Die Krippe im Rathaus Wasseralfingen geht im Herbst dieses Jahres von der evangelischen Kirchengemeinde in städtische Trägerschaft über.

Die Kita Braunenberg in Wasseralfingen wird im Herbst 2023 mit sechs Gruppen eröffnet.

Die Kita Waldcampus geht mit fünf Gruppen im Frühjahr 2024 in Betrieb.

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