Die Stuttgarter Straße neu gestalten

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Die Blumenkübel rechts wurden bereits aufgestellt, um die Fahrspuren auf der Stuttgarter Straße zu reduzieren.
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Der AUST des Gemeinderats diskutiert über Ideen, um den Bereich vom Amtsgericht bis zur Friedrichstraße attraktiver zu gestalten. Diese Überlegungen gibt es.

Aalen

Die Stuttgarter Straße soll grüner werden, der Charakter der ehemaligen B29 soll verschwinden: Die Ziele kamen bei allen Teilnehmern an der jüngsten Ausschusssitzung für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats (AUST) gut an. Die Ratsmitglieder des AUST saßen zusammen, um über die Vorschläge von drei Architektenbüros zur Umgestaltung der Stuttgarter Straße zu beraten.

Ursprünglich hatten Oberbürgermeister Thilo Rentschler und Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle die Idee, der AUST möge sich aktuell schon für einen der drei Vorschläge entscheiden. Und diese Entscheidung könne der Gemeinderat während seiner Sitzung an diesem Donnerstag untermauern. Aber am Ende der Beratungen im AUST war allen klar: Das wäre übereilt.

Den Raum zwischen Rathaus und Landratsamt überdenken

Geschäft der Verwaltung sei es, zum Beispiel die Verkehrsplanung, Fragen der Ökologie und für eine menschenwürdige Stadt laufend im Blick zu haben, erklärte Steidle. Schon in früheren Ratssitzungen sei Konsens gewesen, dass die Stuttgarter Straße längst nicht mehr den Anforderungen ihres Umfelds entspricht. "Deshalb haben wir uns für eine mögliche Umgestaltung die Impulse von drei guten Büros geholt, die mit der Stadt Aalen vertraut sind."

Ihr Hauptaugenmerk sollten die Planer erst mal auf den Straßenabschnitt vom Amtsgericht bis zur Friedrichstraße legen. Die Aufgabenstellungen dabei lauteten etwa: die Stadt der kurzen Wege optisch untermauern, eine Umweltachse schaffen, Grün in die Stadt sowie den Kocher nach oben holen und die Stuttgarter Straße auf weniger Spuren für den Autoverkehr zurückbauen. Steidle: "Die Straße ist seit 2001 keine B29 mehr." Aber sie habe immer noch eine große Trennwirkung zwischen der Innenstadt und dem Aalener Süden.

Drei Büros entwickeln teilweise ähnliche Ideen

"Planstatt Senner", "Zoller Architekten" sowie "Hähnig & Gemmeke Architekten" heißen die drei beauftragten Büros. Übereinstimmend entwickelten sie diese Ziele:

  • Entsiegelung im Bereich des bestehenden Parkplatzes am Rathaus
  • Öffnung des Kochers
  • Reduzierung der Fahrspuren (eine Spur pro Richtung, ausgenommen Kreuzungsbereiche)
  • Temporeduzierung auf 20 bis 30 km/h
  • Gestaltung der Übergänge über die Stuttgarter Straße
  • Aufwertung der Wilhelm-Merz-Straße für den Fuß- und Radverkehr
  • Anbindung nach Osten (Neue Welt) und Westen (Stuttgarter Straße) vornehmlich durch mehr Begrünung.

Schon seit 2001 ist die Stuttgarter Straße keine B29 mehr.

Wolfgang Steidle Erster Bürgermeister

Teilweise, so zeigen die Unterlagen, schlagen die Planer Anbauten für das Rathaus vor, außerdem einen zweiten Eingang für Anlieferer.

Welche unterschiedlichen Schwerpunkte die Büros setzen

Das "Büro Senner" entwickele aus der Historie die Zukunft, meint Steidle. Hervorgehoben werde zum Beispiel das Wohnen am Wasser wie in den 1930er-Jahren am Heuchelbach. Außerdem stehe die Nord-Süd-Überquerung der Stuttgarter Straße an zwei Stellen im Fokus.

"Zoller Architekten" habe eher verkehrsbetont Ideen entwickelt. "Mit vielen Kreiseln Richtung Westen und vielen Querungshilfen."

"Hähnig & Gemmeke Architekten" würden alles sehr vernetzt sehen und Natur in die Stadt holen. "Ihr grünes Band am Kocher ist ein starkes Thema", meint Bürgermeister Steidle. "Das kann zum Wohlfühlen beitragen." Das Rathaus werde zum Bürgerhaus mit hoher Aufenthaltsqualität.

So wollen die Fraktionen das Thema weiterdrehen

Thomas Wagenblast (CDU) merkte an, seine Fraktion gehe bei einer Zielsetzung von mehr Aufenthaltsqualität im Bereich Union-Areal mit. Er plädierte dafür, den jetzigen Westparkplatz des Rathauses bis zur Tiefgarageneinfahrt als Raumvorrat fürs Rathaus zu reservieren.

Michael Fleischer (Grüne) betonte: "Was die Aufenthaltsqualität, die Ökologie und die Reduzierung des Verkehrs betrifft, stehen wir dahinter." Allerdings sei er skeptisch, wie der Individualverkehr so weit reduziert werden könne, dass Tempo 20 bis 30 kein Problem bereite, auch nicht die Reduzierung auf zwei Fahrspuren. "Wen sollen wir mit dem Durchgangsverkehr beglücken, der heute über die Stuttgarter Straße führt?" Durch Corona hätten außerdem die Finanzierung von Bildung, Kinderbetreuung und Sozialem an Bedeutung gewonnen. Die Frage sei, was an Geld dann noch übrig bleibe.

Hermann Schludi (SPD) begrüßte es, wenn die enge Beziehung zwischen Rathaus und Landratsamt auch optisch hervorgehoben würde, auch die Anbindung des Union-Geländes sowie die Öffnung nach Westen. Eine der vielen offenen Fragen aber laute: Wie kriegen wir den Verkehrsdruck zumindest von der Friedrichstraße aus Richtung Heidenheim weg?

Claus Albrecht (Freie Wähler) plädierte dafür, erst mal den Raumbedarf für das Rathaus zu klären und dann das Umfeld zu planen. "Sonst machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten."

Norbert Rehm (FDI) möchte auch erst den Platzbedarf im Rathauses erörtern. "Aber bei einer Ideensammlung den Gemeinderat und seine Ausschüsse rechtzeitig einzubinden, ist wichtig", sagte er.

OB Thilo Rentschler: "Gut Ding will Weile haben."

Die Beauftragung der drei Büros sei vor Corona erfolgt, erklärte OB Rentschler. Da habe sich die Finanzierungsfrage noch nicht so gestellt wie heute.

"Gut Ding will Weile haben", meinte er schließlich und schlug vor, das Thema im Januar 2021 erneut auf die Tagesordnung einer AUST-Sitzung zu nehmen. "Bis dahin stehen wir den Fraktionen für Beratungen zur Verfügung", unterstrich Steidle.

So sieht die Stuttgarter Straße in Richtung Amtsgericht heute aus. Gemeinderat und Verwaltung wünschen sich mehr Grün. Unterschiedlich bewerten sie, ob die Fahrspuren angesichts des aktuellen Verkehrsaufkommens reduziert werden können.

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