Die Ungewissheit ist zermürbend

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Zusammen soll es wieder einen Schritt nach vorne gehen, finden Meral Emir (rechts) und ihr Team. Den wichtigen Schritt zur Öffnung, jenen Schritt, der über Existenzen entscheiden kann.
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Je länger der Lockdown dauert, umso schlimmer wird die Situation für einige Branchen. Friseurunternehmerin Meral Emir macht darauf aufmerksam, wie brenzlig die Lage wirklich ist.

Aalen

Es ist eine besonders zermürbende Situation für all diejenigen, die ihr Geschäft seit Dezember erneut schließen mussten. Auf Lockdown eins, folgt Lockdown zwei. Einnahmen seit 16. Dezember 2020? Null. Ausgaben? Laufende Fixkosten wie Miete oder Mitarbeitergehälter. Die vom Bund versprochenen Hilfen? Zu gering und deutlich zu spät.

"Wir wollen wieder arbeiten", sagt Meral Emir entschlossen. Die Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons ist enttäuscht. Enttäuscht von der Politik. Enttäuscht, dass da eine Branche langsam aber sicher zugrunde geht. Enttäuscht, weil sie sich und ihre Kollegen allein gelassen fühlt.

Deshalb hat sie sich entschlossen, selbst die Initiative zu ergreifen und macht mit Plakaten auf die Situation aufmerksam. "Wir gehen mit voran" steht da in großen Lettern über einem durchgestrichenen "Wir gehen mit unter". Emir ist überzeugt: "Die kleinen und mittelständischen Unternehmen, Einzelhändler und Gastronomen müssen von der Politik gehört werden."

Da sind Existenzängste und schlaflose Nächte. Wie soll es weitergehen? Und wann werden wir wieder öffnen können? Meral Emir macht sich große Sorgen. In ihrem Unternehmen arbeiten drei weitere Familienmitglieder, die auf ihre Arbeit und Einnahmen angewiesen sind. Die vom Bund versprochenen finanziellen Hilfen aus den Monaten November und Dezember sind in dieser Woche angekommen – lange Zeit, nachdem Emir in den Topf ihrer hart ersparten privaten Rücklagen griff. "Das war ein sehr emotionaler Moment", erinnert sie sich.

Die Politik muss uns zuhören.

Meral Emir Inhaberin eines Friseursalons

Warum ausgerechnet Friseure schließen müssen, ist für sie auch nicht ganz nachvollziehbar und fühle sich an, wie ein Schlag ins Gesicht. "Wir haben so viel in die Hygienemaßnahmen investiert, können aufgrund von Abstandsregeln sowieso schon weniger Kunden gleichzeitig bedienen." Zudem kommt: "Der Friseurberuf beruht auf Hygiene. Schon, wenn ein Kunde zur Tür hereinkommt, das Auftreten, der Platz, der Umgang mit dem Kunden." Und trotzdem kam die Schließung – in jenem Monat, der erfahrungsgemäß der umsatzstärkste des ganzen Jahres ist. "Es ist bis dahin alles super gelaufen. Da tut eine Schließung weh."

Dass das Coronavirus eine ernste Angelegenheit ist, bestreitet Meral Emir nicht. Doch sie wünscht sich von der Politik mehr Einigkeit. Und einen Plan. Denn die Ungewissheit sei besonders zermürbend. Sie wünscht sich, ab dem 15. Februar wieder loslegen zu können. Oder dann Antworten auf die große Frage zu bekommen: Wann können wir öffnen? Sollte der Lockdown noch bis Ostern gehen, dann sieht sie einige Friseure von der Insolvenz betroffen.

Doch eines verlässt Meral Emir nicht: der Mut. "Wir halten durch", sagt sie entschlossen. Denn schließlich sitzen alle in einem Boot und müssen gemeinsam durch diese Zeit kommen. Meral Emir ist überzeugt: "Gemeinsam sind wir stark."

Stark sind auch ihre Kunden, wie Emir betont. "Wir schätzen es sehr, dass sie aus Loyalität auf uns warten und sich nicht selber zu Hause die Haare schneiden. Das ist pure Wertschätzung für uns und unseren Beruf."

Die Aktion "Wir machen auf_merksam"

Das Aktionsbündnis steht für alle kleinen, mittleren, großen und nicht organisierten Händler. Die Kampagne ist offen gewählt, damit jeder Einzelhändler, Gastronom, Lebensmittelladen, Eventveranstalter, Künstler und Selbstständige, die in Not geraten sind, sich beteiligen können.

Die Forderungen sind schnelle Hilfe durch Vorabzahlungen, unbürokratischer Antrags- und Genehmigungsprozess, faire und angemessene Ausgleichszahlungen, ein konkretes Wiedereröffnungsszenario. sas

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