Die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Weihnacht

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Das Naturtheater Heidenheim spielt die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens in der Aalener Stadthalle.
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Das Ensemble des Heidenheimer Naturtheaters reißt mit Dickens Weihnachtsgeschichte rund 250 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Aalener Stadthalle mit.

Aalen

Theater - Amateurtheater? Wohl kaum, denkt man spätestens in den beiden großen Tanzszenen im ersten Traum des Ebenezer Scrooge. Die anspruchsvolle Choreographie sitzt, ist attraktiv und mitreißend, die Kostüme eine Pracht, alles perfekt dargeboten, inszeniert und einstudiert von Regisseur Maximilian Barth, einem Amateur wie sein ganzes Ensemble.

Das Naturtheater Heidenheim zeigte am Sonntag das weltberühmte Dickens-Stück über die Läuterung eines kapitalistischen Schinders in einer klassischen Inszenierung, ohne sentimentalen Druck auf die Drüsen, aber mit viel ausgespieltem Gefühl, mit Humor und Tanz und auch Gesang. Der blieb zwar meist im schrägen Hausgesang stecken, die Tanzchoreographien ließen dagegen ein schönes Musical-Feeling aufkommen.

Auch die schauspielerischen Leistungen waren durchweg bestens. Ingo Schneider macht die moralische Verworfenheit in der Gebrechlichkeit des Scrooges erkennbar, der als brutaler und übelgelaunter Ausbeuterchef durch die Szenen schlurft und schreit. Ihn belästigen drei Träume in einer Nacht, die ihm vergangenes, gegenwärtiges, zukünftiges Weihnachten vor Augen führen. Ingo Schneider lässt seinen Scrooge auch in diesen bunt bewegten und bedrückenden und gespenstischen Aufzügen leiden, um Erlösung von den Bildern flehen und Besserung versprechen. Der geläuterte Wohltäter am Weihnachtsmorgen nach den Träumen gelingt Schneider nicht ganz so souverän wie die anderen Seiten des Ebenizer Scrooge, beeindruckend ist’s allemal.

Das gilt auch für Christian Horn, den Darsteller des Cratchit, des geschundenen Angestellten mit hungernder Großfamilie und bitterarm. Auch in dieser Rolle wird Differenzierung verlangt vom niedergemachten Ladenschwengel über den verzweifelt weihnachtlichen Frohsinn herbeiredenden Vater zum verzeihenden neuen Partner seines bisherigen Unterdrückers. Christian Horn gelingt die Aufgabe hart an der Grenze, aber immer diesseits der Klischees.

Die Geschichte wird eröffnet und kommentiert von der Figur eines Jacob Marley, ein Untoter in fantastischem Outfit und mit Ketten der Sünden um den Körper. Er erzählt, selbst einer der Ausbeuter gewesen zu sein, und führt das – zumeist junge – Publikum kommunikativ durch das gut einstündige Stück. Die „kleineren Rollen“ sind ebenfalls gut besetzt, es wird durchweg gutes Theater gespielt, ein Vergnügen, sicherlich nicht nur für die vielen Kinder im Schulalter und jünger im Publikum.

Die Inszenierung ist in einer mit realistischen Kulissen-Zitaten geschickt gebauten Bühne zunächst vor acht Jahren eingerichtet worden, wurde jetzt wieder aufgenommen und in sechs Wochen für die eigentlich geplante mehrwöchige Tournee geprobt. Der Plan musste wegen Corona eingedampft werden auf das Gastspiel in Aalen und die Aufführungen im Heidenheim Saal des Naturtheaters. Dort ist die Weihnachtsgeschichte noch am kommenden Wochenende zu sehen.

Weitere Aufführungen:: Samstag, 18., und Sonntag, 19. Dezember, jeweils um 15 Uhr im Naturtheater Heidenheim. Infos unter www.naturtheater.de. Wegen der Vormittagsaufführung informieren Sie sich bitte direkt beim Naturtheater: Infos unter www.naturtheater.de.

Das Naturtheater Heidenheim spielt die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens in der Aalener Stadthalle.
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Weihnachtsparty auf der Naturtheater-Bühne
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