Die Ziele des „neuen“ Rötenbergs

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Der Treffpunkt Rötenberg mit Spiel- und Bolzplatz ist seither vor allem ein Begegnungsort für Kinder und Jugendliche. Foto: opo
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Mit welchen Angeboten der Treffpunkt Rötenberg unter seinem neuen Leiter Sven Mielke nicht nur Kinder- und Jugendliche, sondern alle Bewohnerinnen und Bewohner ansprechen will.

Aalen

Seit einem Jahr leitet der ausgebildete Heim- und Jugenderzieher Sven Mielke den Treffpunkt Rötenberg - eine seit beinahe 50 Jahren gewachsene Institution, die nicht mehr wegzudenken ist aus dem immer noch stigmatisierten Wohnquartier zwischen der Düsseldorfer Straße und der Aalener Heide. Der Treff ist eine Begegnungsstätte mit vernetzten sozialen Angeboten. Er hat sich entwickelt aus der „Arbeitsgruppe Rötenberg“, die 1973 auf Anregung von Brigitte Geßler entstand, um Kinder aus benachteiligten Milieus bzw. aus Migrantenfamilien mit Hausaufgaben- und Spielplatzbetreuung zusätzlich zu fördern.

Neue soziale „Durchmischung“: Seit wenigen Jahren sind die sieben neuen Punkthäuser der Aalener Wohnungsbau mit rund 70 neuen Wohnungen an Rötenbergstraße und Saumweg fertiggestellt und bezogen. 25 Prozent sind Sozialmietwohnungen, weitere Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt oder normal vermietet. Diese soziale „Durchmischung“ der Bewohner ist beabsichtigt, um das Viertel vom Stigma zu befreien.

Die Ziele des neuen Treffpunkt-Leiters: In der jüngsten Sitzung des Kultur- und Bildungsausschusses des Gemeinderats hat Sven Mielke vorgestellt, welche Themenschwerpunkte er in den nächsten Jahren setzen will. Als langfristiges Ziel nannte er: „Die Bewohner sollen keine Diskriminierungen mehr erfahren, nur weil sie Rötenberger sind.“

Bunt gemischt: Die Bevölkerungszusammensetzung des Wohnquartiers spiegelt die Vielfalt des Stadtteils: Von den aktuell 997 Bewohnerinnen und Bewohnern sind 584 Deutsche, 412 sind Ausländer. Heißt: ihre erste Staatsangehörigkeit ist nicht deutsch. In dem Quartier leben neben der arbeitenden Bevölkerung immer noch viele sozial benachteiligte Menschen - Flüchtlinge, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und auch obdachlosenrechtlich eingewiesene Menschen.

Zwei Schwerpunkte: Zahlenmäßige Schwerpunkte bilden Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahre sowie die der 35- bis 65-Jährigen. Daher, so Mielke, wolle sich der Treff weiterhin auf die Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren, aber zudem auch die Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen im Auge behalten. Dazu plane man in Kooperation mit dem ökumenischen Gemeindezentrum Peter und Paul unter dem Motto „Aufbruch Quartier“ ein Modellprojekt.

Ein offenes Haus der Begegnung soll der Treffpunkt Rötenberg werden, dessen Angebote auf vier Säulen stehen: Bildung, Sozialberatung, Begegnung und Beteiligung. Ganz wichtig ist Mielke, mit generationsübergreifenden Angeboten alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers zu erreichen. Um die Besucherzahlen zu erhöhen, wolle man die Öffnung des Treffpunkts ausweiten, mehr Feste initiieren, Räume für Kursangebote stellen und weitere Generationen übergreifende Treffs anbieten wie Krabbelgruppen, Beratung für Eltern oder Begegnungen für Alleinerziehende.

Der Mittagstisch im Treffpunkt Rötenberg - derzeit dienstags und donnerstags von 12 bis 13 Uhr - soll zentrale Anlaufstelle und weiter ausgebaut werden. Beispielsweise denke man an kind- und jugendgerechte Kochkurse und an interkulturelle Kochkurse für Erwachsene.

Müllproblematik und Medienkompetenz: Kinder und Jugendliche für den Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren angesichts der Müllproblematik im Außenbereich des Treffpunkts ist Sven Mielke wichtig. Gleiches gilt für den Umgang mit den neuen Medien.

Die Mitglieder des Kultur- und Bildungsausschusses haben den Vorhabenkatalog anerkennend zur Kenntnis genommen. Eva-Maria Markert (SPD) ist ein Angebot für Senioren wichtig. „Denn Einsamkeit und Armut im Alter nehmen zu.“ Die Arbeit des Treffpunkts Rötenberg ist für sie ein „Vorzeigebeispiel für professionelle Quartiersarbeit“.

Bernhard Ritter (FW) nutzte die Gelegenheit, um die Pionierarbeit von Brigitte Geßler in den frühen 1970er Jahren zu würdigen. „Ihr ist es gelungen, Kinder- und Jugendliche zu fördern in einem Aalener Stadtgebiet, das nicht immer den besten Namen hatte.“ Heute, 50 Jahre später, findet Bernhard Ritter es „toll“, dass Sven Mielke, der aktuelle Leiter des Treffpunkts, das Ziel verfolgt, nicht nur Kinder und Jugendliche mit Angeboten anzusprechen, sondern alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers.

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