Diebo war Teil des Corona-Krisenstabs in Kairo

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Michael Diebold lebt in Ägypten. Wegen Corona hat sich dort einiges verändert. Zum Beispiel die Touristen-Hotspots: keine Besucherschlangen mehr vor den Pyramiden.

Michael Diebold erlebt die Pandemie als Diplomat in Kairo. Mit "Live und dreggad" hält er seine Fans auf Facebook bei Laune.

Aalen

Auf der Ostalb, da war Michael "Diebo" Diebold schon länger nicht mehr. Der Diplomat, Autor und Musiker lebt seit 2016 in Kairo. Im Ländle trifft man ihn, wenn er auf Stippvisite ist und mit seiner Band "Herr Diebold ond Kollega" musiziert. Das ist wegen Corona bereits seit Längerem nicht möglich. Denn die Pandemie hat auch Ägypten im Griff.

Wie hat sich das Leben dort verändert? Diebold hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Per Videoanruf beschreibt er die Lage. "Das war spannend, als die Pandemie Mitte März 2020 begonnen hat", erinnert sich der 60-Jährige zurück. Europa hat die Grenzen geschlossen und in der Botschaft, Diebolds Arbeitsplatz, ging es heiß her. "Ich war Teil des Krisenstabs in Kairo, der sich darum gekümmert hat, dass 20 000 Touristen wieder zurück nach Deutschland können."

Das ist nun fast ein Jahr her. Was ist seither geschehen? "Ägypten hatte eine kurze Lockdown-Phase, mit Ausgangsbeschränkung über die Nacht, Schließungen des Einzelhandels und der Schulen", zählt Diebo auf. Das sei zum Höhepunkt der ersten Welle zwischen April und Juni gewesen.

Und aktuell? "Hier wurde schnell alles wieder aufgemacht, bis heute haben wir ein fast uneingeschränktes Leben", erklärt er. Alle Geschäfte hätten auf, man könne ins Kino gehen, ins Restaurant oder Sport treiben. Alleine an den Schulen und Unis sei der Präsenzunterricht ausgesetzt – und es gebe mehr und mehr Menschen, die von daheim arbeiten. "Eine Maskenpflicht gibt es, aber man bekommt keinen Ärger, wenn man keine trägt", sagt er weiter. Auch die Lieferdienste hätten, wie in Deutschland, Konjunktur, und trotz der lockeren Handhabung hätten viele Ägypter ihr Leben eingeschränkt. Aber: "Zahlreiche Menschen leben in Großfamilien, da kann man sich schlecht aus dem Weg gehen", gibt der Diplomat zu bedenken.

Heute haben wir in Kairo wieder ein fast uneingeschränktes Leben.

Michael Diebold Diplomat, Autor und Musiker

Als Mitglied der Deutschen Botschaft hat Diebold immer den direkten Vergleich zu seiner Heimat. "Wir werfen ein Auge auf beide Länder", sagt er. Die Konsequenz aus der Pandemie: Diebold arbeite nur jeden zweiten Tag vor Ort, man trage Maske und halte den Abstand ein. Auch das soziale Leben hat sich für den Diplomaten geändert. Er trifft sich nicht mehr mit Bekannten, hält sich an die Regeln seines Heimatlandes. "In meinem privaten Umfeld sind Menschen gestorben oder heftig von Corona erwischt worden", sagt er.

Und was macht die Band "Herr Diebold ond Kollega"? "Vergangenen Sommer war ich für zwei Konzerte in Deutschland, unter anderem auf dem Rathausdach in Aalen", erinnert er sich. Da die Band seit den 1970ern besteht und Diebo bereits seit rund 25 Jahren nicht mehr in Aalen wohnt, könne jedes der Bandmitglieder das Repertoire. "Wenn neue Songs entstehen, bekommt die Band die Texte, die ich schreibe, und die Melodie – so kann jeder für sich proben."

Aber könnte man denn nicht über einen Livestream jammen? "Das hab ich den Kollegen mal vorgeschlagen", gibt er zu. Aber durch die Tücken des Internets mit Zeitverzögerung & Co., wurde das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt.

Damit Diebo in Übung bleibt, nimmt er kleine Videos für Facebook auf. "Live und dreggad", seien die Songs, die dafür gedacht sind den Fans, die ebenfalls auf Kultur verzichten müssen, Freude zu machen.

Der "Urschwoab" ist Diplomat in Kairo

Michael "Diebo" Diebold ist 60 Jahre alt und lebt seit rund 25 Jahren im Ausland. Aktuell wohnt und arbeitet er als Diplomat in Kairo. Im Ländle ist er mit seiner Band "Herr Diebold ond Kollega" bekannt, für die er die Texte schreibt, Gitarre spielt und singt. Trotz der langen Auslandsaufenthalte hat er den schwäbischen Dialekt nie abgelegt.

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