Digitales Semester: Fluch oder Segen?

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Studierende berichten über ihr erstes Semester an der Hochschule Aalen.

Aalen. Dass das Studium derzeit (fast) nur online stattfindet, sehen die Erstsemester mit gemischten Gefühlen. Auch wenn der digitale Lehrbetrieb aus ihrer Sicht gut gelingt, vermissen sie den Austausch vor Ort mit Lehrenden und Studierenden.

Reisen, andere Kulturen und Länder kennenlernen, Sprachkenntnisse verbessern, Auslandserfahrungen sammeln oder direkt mit einem praxisorientierten Studium beginnen, diese Ziele verfolgen jährlich viele nach dem Schulabschluss.

In der Pandemiesituation ist es schwierig, solche Träume zu verwirklichen. Einige stellen sich daher die Frage: Soll ich ein Studium mit digitalem Studienstart beginnen? Wie läuft das Online-Studium ab und welche Erfahrungen machen Studienanfänger damit?

Ein Gespräch mit Erstsemestern des Bachelors Internationale Betriebswirtschaft der Hochschule Aalen zum Online-Studium zeigt, dass vor Studienbeginn einige Sorgen vorhanden waren, sich jedoch schnell in Luft auflösten. Viele fürchteten wie die 19-jährige Mara Müller, dass man sich nicht richtig vernetzen kann oder keinen Anschluss findet.

„Ich glaube, dass wir auch in Zukunft viel von zu Hause arbeiten werden. Ich sehe die aktuelle Situation daher als Chance, mich im Studium den schwierigen Bedingungen zu stellen, auch um in Zukunft gut mit solchen Herausforderungen umzugehen“, so Robert Götz. Manche haben wie die 20-jährige Annalena Frieß zudem die letzten Zweifel durch den Besuch von virtuellen Infoveranstaltungen oder Probevorlesungen an der Hochschule Aalen aus-geräumt.

Inzwischen läuft das Studium nach Angaben der Erstsemester bei allen gut bis sehr gut. Dies liegt nicht zuletzt auch an der Unterstützung der Studierenden durch die Hochschule und den Studiengang. „Wir wurden von Anfang an die Hand genommen, was das 'Socializing' angeht. Die Professorinnen und Professoren nehmen große Rücksicht und geben sich besonders Mühe, weil alle nachfühlen, dass eine reine Online-Lehre anstrengender ist als Präsenz“, berichtet Studienanfängerin Philomena Meles.

Online-Lehre als Chance

Die ausgeprägte digitale Lehre in der Pandemie bringt einige positive Effekte für Studienanfänger, aber auch negative Seiten mit sich. Götz, der Erfahrungen aus drei Semester Universitätsstudium mitbringt, tut sich sehr schwer zwischen Studium und Freizeit zu trennen, da die räumliche Trennung fehlt. Auch für Kommilitone Elias Biontino gibt es Schattenseiten des Digital-Studiums. Dazu zählt, dass „die Erlebnisse eines „Erstis“ stark reduziert werden und nur virtuell stattfinden. „Man muss aufpassen, dass man sich während der Vorlesungen nicht zu leicht ablenken lässt. Das Lernen mit Online-Vorlesungen ist nicht für jeden die Lieblingsmethode“, so der 21-Jährige.

Besonders positiv empfinden die Erstsemester die zeitlichen Einsparungen und die örtliche Flexibilität: „Heute im Homeofficelernen, morgen bei einem Freund und übermorgen in einem Airbnb in Berlin, wenn es die Corona-Situation zulässt“, erklärt Meles.

Für Freude sorgt auch, dass einige Kosten wie die Miete eingespart werden können und man im gewohnten Umfeld weiterwohnen kann. „Jedem Einzelnen wird zudem die Digitalisierung noch ein Stück nähergebracht und in den Alltag integriert“, ergänzt Annalena Frieß.

Die befragten Erstsemester halten den Umgang mit Office Anwendungen, Videokommunikation, sowie Online-Lernplattformen für eine Grundlage für den digitalisierten Berufsalltag. „Wir sind die erste Generation, die schon im Studium lernt, damit umzugehen, das ist ein großer Vorteil“, sagt Götz.

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