Dr. Alfred Geisel wird 90 Jahre alt

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Alfred Geisel Archivfoto: opo

Der Aalener tritt bis heute für Menschlichkeit und soziale Politik ein.

Aalen. Am Mittwoch kann der ehemalige Landtagsvizepräsident Dr. Alfred Geisel den 90. Geburtstag feiern. Seine Überzeugung für eine soziale und von Menschlichkeit geprägte Politik führte Geisel 1965 zur SPD. „Die Allmacht des Marktes, der überall um sich greifende Eigennutz und die ungezügelte Macht der Banken und Konzerne machen ein starkes soziales Gewissen in der Politik heute wichtiger denn je“, sagte er 2013 in Ellwangen bei einer Veranstaltung zu 150 Jahren Sozialdemokratie.

Alfred Geisel, 1931 in Tübingen als Sohn eines Schneidermeisters geboren, studierte in der Geburtsstadt Rechtswissenschaften, promovierte dort 1960 und kam nach dem zweiten Staatsexamen als Staatsanwalt an das Landgericht Ellwangen. Er zog mit der ganzen Familie in die Stadt, wurde 1968 zu einem von zwei SPD-Stadträten gewählt. In dem erzkonservativen Ellwangen Genosse zu sein, war alles andere als einfach. Einer seiner düstersten Tage dürfte Alfred Geisel im Juni 1973 erlebt haben, als der international hoch angesehene Bundeskanzler Willi Brandt auf die Ostalb kam. Den Zugreisenden und seinen Tross empfing am Ellwanger Bahnhof eine pfeifende und buhende Menge. Die Junge Union hatte den bösen Protest eingefädelt, der bundesweit für Aufsehen sorgte.

Doch Geisel hat den Ellwangern längst verziehen, auch wenn er später nach Aalen umgezogen ist. Schließlich schärften die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen sein Profil und waren damit ein Grundstein für seine weitere politische Karriere. Von 1972 bis 1996 war er Landtagsabgeordneter in Stuttgart, seit 1980 Landtagsvizepräsident.

1991 würdigte das Land Geisels unermüdliches politisches Wirken mit der Verdienstmedaille. Aus Protest gegen das scharfe Einschreiten gegen die Stuttgart 21-Protestierenden gab Geisel die Ehrung im Oktober 2010 wieder zurück. Die große Ehrenplakette der Stadt Aalen, die ihm 2008 verliehen worden war, trägt er noch heute.

Bis 2001 war Alfred Geisel noch Mitglied des Kreistags, dann zog er sich aus den öffentlichen Mandaten zurück, trat aber weiterhin für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, gegen Rechtsextremismus und Faschismus ein. Geisel ist immer ein Mann der klaren Worte gewesen, seine klugen Analysen deutscher Geschichte machten ihn zu einem beliebten Redner.

Auch wenn die öffentlichen Auftritte weniger werden, mit seiner Meinung hält er nicht zurück. So hat Geisel auch klar Position im laufenden OB-Wahlkampf bezogen, für seinen Parteigenossen Frederick Brütting. Geisels Leserbriefe in der SchwäPo, ob zu lokalen oder bundespolitischen Themen, sind immer ein Gewinn. gek

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