Ersttermine, Zweittermine und die Sache mit den Impfschwänzern

Drei Impftermine, ein Irrweg

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Den Termin für eine zweite Corona-Impfung nach dem 19. Juli in ein näher gelegenes Impfzentrum umzulegen – das erweist sich in der Praxis als schier unmögliches Vorhaben. Symbolfoto: Oliver Giers
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Wie der Versuch, eine Zweitimpfung in das näher gelegene Kreisimpfzentrum in Aalen umzubuchen, zu einem zeit- und nervenaufreibenden Vorhaben wurde.

Aalen

Einmal geimpft – Aufatmen. Der zweite Impftermin: ist noch eine Weile hin, und er ist irgendwo im Ländle, nur nicht im nächstgelegenen Kreisimpfzentrum in Aalen. Für solche Betroffene, deren zweite Impfung nach dem 19. Juli terminiert ist, gebe es die Möglichkeit, die zweite Spritze vorzuziehen und umzubuchen in ein näher gelegenes Impfzentrum, hieß es in der vergangenen Woche aus dem Landes-Sozialministerium. Eine dieser Betroffenen ist auch Uschi Pleus. Beim Versuch, den Termin umzulegen, erlebte sie allerdings einen Hürdenlauf sondergleichen – und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da.

Erster Versuch: Die Service-Hotline des Landes, die 116 117. „Da sagte man mir, diese Termine machen die Kreisimpfzentren selber, vor Ort“, berichtet die 65-Jährige, die in Westhausen wohnt. Sie fackelte nicht lange, setzte sich sofort ins Auto, fuhr nach Aalen zum Kreisimpfzentrum im Greut.

Umbuchen wollte sie den Termin für einen Verwandten sowie für eine Bekannte und deren Mann. Uschi Pleus ist Rentnerin, fit am Computer und hatte angeboten, deren Impftermine zu organisieren. Die drei hätten zur zweiten Impfung von Westhausen nach Rot am See, nach Ulm und nach Ludwigsburg fahren müssen. „Aalen liegt da viel näher, man würde weniger Zeit brauchen. Und alle Welt redet von Klimaschutz, man würde ja auch lange Autofahrten und Benzin sparen“, sagt Uschi Pleus.

Zweiter Versuch: In Aalen im Kreisimpfzentrum die Auskunft: Nein, sie sei hier falsch, vor Ort vergebe man gar keine Termine. „Es war auch gar nicht möglich, mit irgendeinem Verantwortlichen zu sprechen, ich bin am Türsteher nicht vorbeigekommen.“ Also fuhr sie wieder heim.

Dritter Versuch: Noch einmal die 116 117. Am Telefon „eine nette Dame, die mir sagte, sie müsste zwar alle Daten der Impflinge komplett neu aufnehmen, aber dann guckt sie nach einem neuen Termin“. Namen, Vermittlungscodes für die Zweitimpfung – all das hatte Uschi Pleus zur Hand. Passen musste sie bei genauen Anschriften und Geburtsdaten „ihrer“ drei Impflinge. Doch die Seniorin ließ sich nicht entmutigen. Hörer aufgelegt, fix den Verwandten sowie die Bekannte erreicht und die Daten notiert.

Vierter Versuch: Wieder 116 117, in froher Erwartung, dass es jetzt klappt. Diesmal eine andere Mitarbeiterin in der Leitung. „Da hieß es dann: Nein, die Information sei falsch, sie machen solche Termine gar nicht, die gäbe es nur über die Internetseite der Kreis-Impfzentren.“

Fünfter Versuch: Uschi Pleus, inzwischen echt genervt, ging ins Internet, recherchierte auf der Homepage des Kreisimpfzentrums des Ostalbkreises. Und landete am Ende wieder da, wo sie angefangen hatte: „Termine für die zentralen Impfzentren können nur über die 116 117 gebucht werden oder über www.impfterminservice.de.“

Unterm Strich eine frustrierende Erfahrung für die dynamische Frau aus Westhausen: „Ich bin rüstig, ich bin Rentnerin und habe Zeit – aber ein guter ein halber Tag war weg mit Hin- und Herfahren und Telefonieren. Wieder mal, nachdem die Terminbuchung schon eine Katastrophe war. Und am Ende geht nix. Da verstehe ich die Welt nicht mehr!“

Im Berufsleben sei sie im Marketing tätig gewesen, sagt die pensionierte Bankkauffrau. „In der freien Wirtschaft ginge so etwas überhaupt nicht!“

In der freien Wirtschaft ginge so etwas überhaupt nicht!“

Uschi Pleus, wollte Impftermin umlegen

Umbuchen: Ostalbkreis will Hotline anbieten

Aalen. Mehrere Leserinnen und Leser haben sich in der SchwäPo-Redaktion gemeldet und von ähnlichen Erfahrungen berichtet beim Versuch, den Zweittermin für die Corona-Schutzimpfung in ein näher gelegenes Impfzentrum zu verlegen.

Wie geht man denn nun effektiv vor bei einer solchen Umbuchung? Auf diese Frage heißt es aus dem Landratsamt: Entsprechend der Vorgabe des Landes sei man „momentan dabei, dies zu regeln“. Der Ostalbkreis werde „eine Hotline und parallel eine Möglichkeit anbieten, selbst umzubuchen“. Im Laufe dieses Montags, so kündigt das Landratsamt an, werden Einzelheiten bekanntgegeben.

Termine für Erstimpfungen: Trotz weiterer Ausbreitung der aggressiven Deltavirusvariante seien viele Impfzentren im Land nicht ausgelastet, so die Schlagzeilen der vergangenen Woche. Auch im Kreisimpfzentrum (KIZ) in Aalen gibt es aktuell noch Erstimpftermine, heißt es auf SchwäPo-Anfrage aus dem Landratsamt. Die Anzahl der Erstimpfungen hänge von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab. Aktuell werde wöchentlich die Situation anhand der eingetroffenen Lieferung bewertet. Vom 9. bis 14. Juli würden 3100 Erstimpfungen im KIZ durchgeführt. Die Zahl der Impfschwänzer im KIZ Ostalbkreis sei „sehr gering“, detailliertes Zahlenmaterial sei auf die Schnelle nicht verfügbar.bea

Uschi Pleus

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