Dunkles Kapitel von Aalen gezeichnet

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Das kunstvoll bemalte Haus in der Rittergasse 1 – welche Geschichten der Stadt erzählt die Künstlergruppe Kollektiv K?

Aalen

Das Haus in der Rittergasse 1 ist seit September ein Ort, an dem man die Historie Aalens betrachten kann. Fünf Monate lang hat die Künstlergruppe Kollektiv K dafür gearbeitet, dem 150 Jahre alten Gebäude ein neues Gesicht zu geben.

Die Südwand des kunstvoll gestalteten Hauses hat zwar die wenigsten Quadratmeter, allerdings wird hier ein ganz wichtiges Kapitel der Stadt Aalen aufgeschlagen – die Stadtgründung. Tobias Kerger vom Kollektiv K beleuchtet im zweiten Teil der SchwäPo-Serie die Zeit zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert, die auf der Fassade abgebildet ist, und spricht über zwei glückliche Zufälle.

Der Zeitstrahl mit dem Aal als Wappentier

Wie auf jeder Hausseite zieht sich die Bordüre am oberen Drittel der Hausfassade entlang. Staufer wandern von links nach rechts, der Bau von Stadttoren und der Mauer um 1300 nach Christus wird thematisiert. Hier taucht wieder der Aal auf – und damit zum aller ersten Mal als Wappentier und nicht nur als Interpretation, wie auf der Westseite. Übrigens: "Der Beleg zum Wappentier kommt nicht aus Aalen, sondern geht zurück auf Urkunden und Briefe anderer Städte, da es während der Reformationszeit einen verheerenden Brand in Aalen gab", erklärt Tobias Kerger.

Ein Konflikt mit explosiven Folgen

Zwei Musketiere halten Fackeln in der Hand – in ihrer Mitte türmen sich Pulverfässer auf. Das Motiv, entworfen und gemalt von Luka Keresman, zeigt eine Stadt am Rande des Kollaps. Während der Reformationszeit sind die Katholiken gegen das evangelische Aalen gezogen. Eine große Schlacht konnten die Katholiken in Nördlingen für sich entscheiden. "Um dem Feind kein Schießpulver zu lassen, haben sich die Truppen aus Aalen zurückgezogen und ihre Pulverwägen in die Luft gesprengt", erklärt Kerger.

Das war im Jahr 1634. Die Folge: 85 Prozent der Gesamtbevölkerung sterben an Kriegseinwirkungen und Pest – das Stadtarchiv fällt den Flammen zum Opfer. Über den Fässern, gemalt von Mark Keller, schwebt unheilschwanger der Sensenmann triumphierend auf einem Pferd und unterstreicht eines der dunkelsten Kapitel der Stadt.

Das Mosaik zum Stadtbrand aus tausend kleinen Steinen

Die Truppen haben sich aus Aalen zurückgezogen und ihre Pulverwägen in die Luft gesprengt.

Tobias Kerger Künstlergruppe Kollektiv K

Zwischen 15 000 und 17 000 Mosaiksteine verteilen sich auf einer Gesamtfläche von 4,5 Quadratmeter an der Südwand. Das Mosaik zeigt den Stadtbrand selbst. Die Vorlage zum historischen Aalen basiert auf der ältesten bekannten Ansicht der Stadt aus dem Jahr 1528. Viele Kollektiv-K-Mitglieder haben tagelange an dem Motiv gearbeitet, wie Kerger sagt.

Doch wie ist die Idee entstanden, den Brand in Mosaikform darzustellen? "In einer Pause kam Mihrac Gülbahar auf mich zu. In der Heimat seiner Eltern, Antakya – Aalens Partnerstadt, gibt es viel Mosaike."

Inspiriert von dem Hinweis wird der Stadtbrand aus tausend kleinen Steinen zusammengepuzzelt. Doch das sind nicht irgendwelche Steine. "Wir wollten sie im Internet bestellen, aber der Lieferumfang war zu groß", erinnert sich der Projektleiter. Ein Glück für alle Beteiligten, dass im Keller des Café Wunderlich direkt nebenan passende Steine gefunden wurden.

Der Spion – ein historischer Superheld

In einer Rotunde prangt das Bild eines Stadtoriginals – der Spion auf schwarzem Grund. Doch bei der Farbe handelt es sich nicht um irgendeine Grundierung. Nein, es ist die Asche des Stadtbrandes, auf die Bauarbeiter bei Fundamentgrabungen bei der Renovierung eines nahe gelegenen Hauses stießen. "Sie war als dünne Schicht zwischen dem Lehm", weiß Kerger. Das Haus wurde 1609 gebaut und die Echtheit der Asche demnach bestätigt.

Zurück zum Motiv: Rund um den Spion sind Kreise, die die Geschichte hinter Aalens Wahrzeichen erzählen. "Man liest sie im Uhrzeigersinn", sagt Tobias Kerger. Bildlich erklärt werde auf diesem Teil der Hauswand, wie die mutige Sagengestalt den Kaiser davon abgehalten hat, Aalen anzugreifen.

Was auf der dritten Hauswand in der Rittergasse 1 in Aalen erzählt wird, erfahren die SchwäPo-Leserinnen und -Leser im nächsten und letzten Teil der Serie.

Im ersten Teil der Serie haben wir die Westseite des Hauses in der Aalener Rittergasse 1 beschrieben. Den Beitrag finden Sie online unter www.schwaepo.de/ritter0711

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