Durch den Corona-Irrgarten des Regelwerks

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Endlich wieder ein Bier oder einen Kaffee im Freien genießen! Doch trotz der Lockerungen gibt es viel zu beachten.
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Der erste Öffnungsschritt für Gastronomie und Handel ist flankiert von Beschränkungen und Ausnahmen rund um die Testpflicht, Abstand- und Kontaktregeln. Wir gehen das jetzt gemeinsam durch.

Aalen. Es ist ein Lichtblick in der Corona-Pandemie, wenn an diesem Samstag die Lockerungen in Kraft treten. Doch je tiefer der Blick ins Regelwerk eintaucht, umso mehr wird klar: ganz so einfach wird es – mal wieder – nicht. Wir gehen das jetzt mal zusammen durch. Für unsere geführte Wanderung benötigen Sie einen Taschenrechner, ein Maßband, einen guten und aktuellen Lageplan der Teststationen, einen Impfpass oder Genesenennachweis und natürlich eine Uhr.

Ausgangsbeschränkungen: Die nächtliche Ausgangsbeschränkung entfällt. Allerdings müssen Gastronomen, die ab Samstag erstmals nach sieben Monaten wieder öffnen dürfen, bereits um 21 Uhr schließen. Eine Stunde mehr könnte es dann in zwei Wochen geben, sofern folgende Bedingung erfüllt ist: In den kommenden 14 Tagen muss die Inzidenz für den zweiten Öffnungsschritt im Durchschnitt kleiner sein, als zu Beginn des ersten Öffnungsschritts.

Kontaktbeschränkungen: Jetzt dürfen sich wieder bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten treffen – im privaten, wie im öffentlichen Raum. Ausnahme: vollständig geimpfte oder genesene Personen. Bedeutet: Treffen mit fünf Personen aus zwei Haushalten sind möglich – plus eine beliebige Anzahl vollständig Geimpfter oder Genesener.

Testpflicht: Ein Flickenteppich ist ab Samstag die Regelung rund um die verpflichtenden Schnelltests. Beim Friseurbesuch ist bei diesem Öffnungsschritt kein Test mehr nötig. Ausnahme: Bei einer Rasur, da man dabei die Maske abnehmen muss.

Wer ein Café oder Restaurant besuchen will, benötigt auch einen Test. Egal, ob man drinnen oder draußen sitzt. Ausnahme: vollständig geimpfte oder genesene Personen mit Nachweis und Kinder bis einschließlich fünf Jahren. In jedem Fall gilt drinnen eine Maximalanzahl von einem Gast pro 2,5 Quadratmetern und die Tische müssen in einem Abstand von 1,5 Metern stehen.

Kontaktverfolgung: Trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen müssen übrigens auch wieder die Kontaktzettel ausgefüllt oder die Luca-App verwendet werden. Obwohl im vergangenen Jahr das Gesundheitsamt im Ostalbkreis laut damaliger Aussage nicht ein Mal auf diese Form der Kontaktverfolgung zurückgreifen musste und Experten das Risiko einer Ansteckung im Freien als sehr gering einstufen.

Der Handel: In den Geschäften benötigt man mit einem Termin – den manche auch spontan an der Ladentür vergeben – keinen Test. Konkret bedeutet das: Je 40 Quadratmeter Ladenfläche ist entweder ein Kunde mit Termin und ohne Test möglich. Oder zwei Kunden ohne Termin aber mit Test.

Ausnahmen wieder für Kinder bis fünf Jahren, Personen mit vollem Impfschutz oder Genesene. Allerdings kann eine Einrichtung trotzdem auf einen Test bestehen. Neu ist: Baumärkte dürfen bei einer Inzidenz unter 100 ohne Termin und Test öffnen. Und natürlich weiterhin Geschäfte mit Produkten für den täglichen Bedarf.

Teststationen: Die gute Nachricht ist, dass es vor allem in größeren Städten wie Aalen mittlerweile ein recht gutes Testangebot gibt. Die Tücken stecken allerdings auch hier im Detail. So haben am Sonntag nur sehr wenige Teststationen geöffnet und das auch nur wenige Stunden lang. Wer also am Sonntagnachmittag spontan entscheidet, sich noch auf einen Kaffee oder Abendessen zu treffen, wird es schwer haben, so kurzfristig noch einen negativen Coronatest zu organisieren.

Eine Herausforderung für Gastronomen, wie auch ihre Gäste also schon am zweiten Öffnungstag. Auch unter der Woche nimmt das Testangebot ab dem späten Nachmittag ab.

Vollständig geimpfte oder genesene Personen im Ostalbkreis

Ganz klar: Bei den aktuellen Regelungen haben Menschen mit vollem Impfschutz oder nach überstandener Coronainfektion den Joker in der Hand. Doch wie viele betrifft das? In Baden-Württemberg sind laut Robert Koch-Institut aktuell 16 Prozent aller Einwohner vollständig geimpft. Aufgrund der Impfpriorisierung der größte Teil davon im höchsten Alter. Lediglich neun Prozent aller Einwohner unter 60 haben einen vollen Impfschutz. Auf den Ostalbkreis umgerechnet wären das in dieser Altersgruppe rund 20 000. Hinzu kommen etwa weitere 10 000 Menschen, die im Ostalbkreis im vergangenen halben Jahr eine Coronainfektion durchgemacht haben und sich somit als Genesen zählen dürfen. Über 60 Jahren sind bereits 35 Prozent aller Menschen in Baden-Württemberg geimpft. Für den Ostalbkreis bedeutet diese Zahl: rund 30 000 vollständig Geimpfte ab 60.

Das Fazit des Rundgangs

Haben Sie unsere Wanderung gut überstanden? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Regelwerk in dieser Form praxistauglich ist. Das Risiko, dass man sich unabsichtlich darin verläuft, ist sehr groß.

Wie gehen die Wirte damit um, dass sie ab Samstag, wenn die Gasthäuser wieder geöffnet sind, nur Gäste mit den drei „g“, geimpft, getestet, genesen, bewirten dürfen? Das können Sie hier nachlesen.

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