Eher holperiger Online-Schulstart

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Nicht rund lief nach den Weihnachtsferien der Start in den Fernunterricht für viele Schüler, Eltern und Lehrer. Deren Fazit fällt gemischt aus.
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Schulleitungen im Aalener und Ellwanger Raum beurteilen den Wiedereinstieg nach den Weihnachtsferien unterschiedlich. Unmut kommt vor allem von Eltern.

Aalen

Eigentlich sollte der Unterricht an diesem Montag wieder starten – wenn auch von zu Hause aus. An vielen Schulen im Aalener und im Ellwanger Raum war das allerdings nur eingeschränkt möglich. Die Online-Lernportale kamen an ihre Grenzen. Aalener Schulleitungen: "Seit 7.45 Uhr ist unsere Lernplattform Moodle überlastet, selbst bei sparsamer Anwendung", berichtet am Vormittag Michael Weiler, geschäftsführender Schulleiter für die Gymnasien in Aalen. Lernmaterialien können damit nicht abgeholt werden, auch Unterricht per Videokonferenz kann nicht stattfinden. Das sei allerdings zu erwarten gewesen. Das Kultusministerium habe bereits vor dem Schulstart darauf hingewiesen, weitestgehend Videokonferenzen zu vermeiden. Deshalb, und auch wegen der Serverüberlastung der Lernplattform am Morgen, seien viele Lehrer und Schüler auf den schuleigenen Messenger umgestiegen. "Der ist jetzt auch überlastet", sagt Weiler.

Dabei habe sich das Problem schon seit Wochen angekündigt, "schon vor den Weihnachtsferien, als nur die Kurssstufe die Plattform genutzt hat." Das Problem liege aber nicht in der lokalen Infrastruktur, sondern in den überregionalen Servern, sagt Weiler und weiter: "Ob sich das so schnell beheben lässt, ist fraglich." Dennoch habe man die Schüler über andere Kanäle rasch mit Aufgaben versorgen können. Weiler hoffte, dass die Server entlastet sind – sodass die Schüler ihre Aufgaben hochladen und Rückmeldungen erhalten können.

Anders sieht es an der Aalener Schillerschule aus, wie Schulleiter Karl Frank, geschäftsführender Schulleiter in Aalen, berichtet. "Wir haben keine Probleme", sagt er am Montagmorgen. Der Grund: Die Schule nutze zwar eine Lernplattform, aber eine andere. Und: Den Lehrern stehe es frei, ob sie die Lernplattformen nutzen, oder andere Kanäle, wie etwa E-Mails, erläutert Frank. "Wir arbeiten auch mit Lernpaketen, die sich unter Umständen auch im Briefumschlag an der Schule abholen lassen können", so Frank.

Dabei betont der Rektor, dass er keinesfalls gegen die Digitalisierung sei. "Aber das Entscheidende ist, dass es funktionieren muss." So sei Frontalunterricht per Videokonferenz schwierig. Was er aber durchaus gut finde, seien Einzelgespräche zwischen Lehrern und Eltern, die per Videochat stattfinden.

Der Elternbeirat ist unzufrieden: Wolfgang Schmidt, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats in Aalen, hat das Problem kommen sehen – und möchte einen Brief an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann schreiben, über deren Politik unter vielen Eltern derzeit Unmut herrsche. "Sie hat gesagt, die Voraussetzungen für Online-Unterricht seien geschaffen", erinnert sich Schmidt. Das sei jedoch nicht der Fall. "Das Kultusministerium muss liefern", lautet sein Fazit.

Das Kultusministerium muss liefern.

Wolfgang Schmidt Gesamtelternbeirat in Aalen

Die Situation in Ellwangen: Stella Herden, Rektorin des Ellwanger Peutinger Gymnasiums, meldet keine Probleme mit dem Distanzunterricht. "Wir haben uns entschieden, einen eigenen Server für die Lernplattform anzumieten. Dadurch können wir die Belastung besser steuern." Denn es gelte vor allem, das Datenvolumen im Blick zu behalten, um die Plattform nicht zu überlasten. Nicht besonders glücklich war Herden darüber, dass am Freitag von Seiten des Kultusministeriums noch einmal nachgesteuert wurde. "Dadurch blieben uns im Endeffekt nur zwei Tage Vorbereitung übers Wochenende." Es bleibe leider nur, abzuwarten. "Wir halten uns den Unterricht betreffend an die Vorgaben, aber es ist derzeit einfach schwer zu sagen, was auf uns zukommt."

Der Schulleiter des Ellwanger Hariolf Gymnasiums, Martin Ries, bestätigte Startschwierigkeiten am Morgen. "Wir hatten Ausfälle zu Beginn, aber auch mehrere Rückfallebenen vorbereitet. Insgesamt lief der Start bei uns gut an." Manche Probleme lägen auch in der individuellen Infrastruktur der Schüler, so Ries. "Aber auch hier sind die Kinder inzwischen recht firm und weichen auf alternative Geräte oder Messenger aus. Und wenn gar nichts geht, kann man immer noch anrufen und den Unterricht akustisch mitverfolgen."

Dabei setze das Hariolf Gymnasium weitgehend auf die Plattformen und Dienste des Landes. "Ich begrüße es sehr, dass das Land die Plattformen anbietet. Es ist mittelfristig der richtige Weg, denn so arbeiten alle mit den gleichen Systemen, was es Schülern und Lehrern insgesamt einfacher macht." Dennoch sollte das Land darauf achten, Leistungsspitzen abzudecken. "Da sollte man dann eben zusätzliche Serverkapazität bei Bedarf dazukaufen."

Insgesamt gut lief der Start in der Rosenberger Karl-Stirner-Schule an. "Wir setzen auf ein eigenes Tool für die Bereitstellung der Inhalte, die Plattform des Landes verwenden wir dafür nicht. Daher konnten wir die Inhalte gut verteilen", berichtete Konrektor Ralf Watzl.

Einzig die Videokonferenz funktionierte anfangs nicht. Dort setzte die Schule auf ein System, das auch vom Land eingesetzt wird. Sein Vertreter Volker Schulz ergänzte: "Es gab vereinzelte Anrufe von Eltern, aber insgesamt sind wir gut durchgekommen." Seit Donnerstag arbeite das Schulteam daran, Inhalte bereitzustellen und Ergänzungen einzupflegen, "...bis einschließlich Sonntag."

Wie es mit dem Präsenzunterricht weitergehe, insbesondere bei den Grundschülern, bleibe abzuwarten. "Wir planen von Woche zu Woche und versuchen, das Beste daraus zu machen", so Ralf Watzl.

Kommentare zum Schulstart

Im Facebook-Auftritt der SchwäPo wurde das Thema kontrovers diskutiert: "Am Anfang waren die Server bei Moodle komplett überlastet, aber seit 10.00 Uhr läuft es zum Glück gut!", schreibt Alexandra. "Wie erwartet, mal wieder volles Chaos", meint hingegen Yvonne. Dieter pflichtet ihr bei: "Lief genau so wie im Lockdown im Frühjahr, nämlich nicht." "Iserv ist komplett down, und wir können keine Konferenzen halten", meint Annika. Katrin bilanziert: "Mehr schlecht als recht. Leider." Und Marianne sagt kurz: "Katastrophe". Es gibt aber auch positive Stimmen: "Sehr gut alles geklappt online!", sagt etwa Sonja. Und Sabi Ne erklärt: "Alles prima". Insgesamt gibt es deutlich mehr kritische als lobende Kommentare.

Wahlkampf: Der Landtagskandidat der Linken, Justin Niebius, kritisierte am Montag Kultusministerin Eisenmann scharf. In einer Mitteilung warf der Lehramtsstudent der Ministerin bei der Vorbereitung des Schulstarts einen Totalausfall vor. Dass die Schülerinnen und Schüler, sowie Lehrkräfte "immer wieder die Fehler Eisenmanns ausbaden müssen, ist eine Katastrophe", so Niebius.

IG Metall setzt auf verbesserte Freistellungen

Aus Sicht der Gewerkschaft befinden sich viele berufstätige Eltern angesichts des Starts in die neue Homeschooling-Phase an der Belastungsgrenze. Diese Einschätzungen erhalte die IG Metall von vielen Mitgliedern aus den Betrieben im Ostalbkreis angesichts des fortgesetzten Lockdowns von Betreuungseinrichtungen, teilt sie mit. Die Corona-Pandemie drohe damit "einen Rückfall in alte Geschlechterrollen zu befördern". Dazu sagt Kai Burmeister, kommissarischer 1. Bevollmächtigte der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd: "Wenn Kitas und Schulen weiterhin nicht besucht werden können, stellt das für berufstätige Eltern eine immer größere Belastung dar. Wir begrüßen deshalb die jetzt beschlossenen Verbesserungen im Kinderkrankengeld, ausreichend sind sie aber nicht." Die IG Metall weist seit Monaten mit Forderungen nach bezahltem Sonderurlaub auf diese Schieflage hin. "Arbeiten im Homeoffice und gleichzeitig Kinderbetreuung oder Homeschooling schließen sich aus", so Gewerkschaftssekretär Alexander Relea-Linder. Hier setze sich die Gewerkschaft für einen Freistellungsanspruch ein, der die Mehrfachbelastung für die Eltern vermindern soll.

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