Ehrenamtlich an der Corona-Front

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Gertrud und Otto Dümmler (vorne, in Schutzanzügen) und Michael Limbach (mit Fieberthermometer) sind drei der Ehrenamtlichen, die beim DRK im Stadtoval Corona-Schnelltests durchführen. Hintere Reihe, von rechts: DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner, Sanitätshelferin Susann Nowak und Lars Lächele vom DRK-Helfer-Verbund Kocher-Rems.
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Abstriche an Weihnachten, Tests bei der Landtagswahl: Die Freiwilligen beim DKR-Kreisverband Aalen kämpfen seit einem Jahr gegen die Pandemie. Die Einsatzbereiche wachsen.

Aalen

Corona-Schnelltests für Lehrer und Erzieher, Eltern und Schüler, neuerdings auch einmal in der Woche für jede Bürgerin und jeden Bürger. Und am kommenden Sonntag obendrein für 500 Wahlhelferinnen und - helfer der Landtagswahl. Die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes im Altkreis Aalen sind seit ziemlich genau einem Jahr an immer mehr Fronten bei der Pandemie-Bekämpfung im Einsatz. Das nahm der DRK-Kreisverband zum Anlass, das vielfältige Engagement der ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer in einem Pressegespräch vorzustellen und zu würdigen.

Einsatzbereiche: Abstriche in den Schnelltestzentren in Aalen, Bopfingen und Ellwangen, Corona-Testungen in Senioren- und Altenpflegeheimen. Einsätze bei Aufbau und Betrieb von Fieberzentrum und Kreisimpfzentrum, zeitweise Unterstützung des Gesundheitsamtes bei der Kontaktnachverfolgung sowie Hilfe in der LEA – "seit einem Jahr sind wir im Dauereinsatz", resümiert DRK-Geschäftsführer Matthias Wagner.

Kurz vor Weihnachten beispielsweise nahmen die Ehrenamtlichen des DRK an insgesamt fünf Tagen 1818 Corona-Tests ab. Klaus-Dieter Sterzik, Bereitschaftsleiter des DRK Aalen, hält die Zahlen nach: "Aufgrund der großen Nachfrage haben wir zusätzlich auch am ersten Weihnachtsfeiertag noch Tests angeboten. Von 8 bis 10 Uhr haben unsere Ehrenamtlichen 120 Leute abgestrichen."

Digitaler Dienstplan: Wer wann wo Dienst tut, organisieren die Mitglieder über eine App auf dem Smartphone. Die gab es schon vor der Pandemie, doch die Digitalisierung habe noch einmal einen echten Schub bekommen, sind sich die Verantwortlichen einig. Dennoch: Kein Ortsverein allein kann die Fülle an Diensten stemmen, so die Erkenntnis der vergangenen Monate. Die Konsequenz: Man organisierte sich in Verbünden. Im DRK-Helfer-Verbund Kocher-Rems sind nun die Bergwacht Aalen, die Zeiss-Sanitätsstaffel und die DRK-Ortsvereine Aalen und Essingen zusammengeschlossen.

Seit einem Jahr sind wir im Dauereinsatz.

Matthias Wagner DRK-Kreisgeschäftsführer Aalen

Wachsende Anforderungen: Kompetenz ist das eine. "Unsere Helfer müssen im Umgang mit allen neuen Tests geschult werden, denn die Verantwortung ist groß", beschreibt Lars Lächele, der den DRK-Helfer-Verbund Kocher-Rems vertritt. Das andere sei die zeitliche Inanspruchnahme durch die Einsätze, die immer mehr wächst. Obendrein ändern sich die Vorgaben der Behörden oft binnen weniger Stunden, weiß Klaus-Dieter Sterzik. Dabei opfern die Freiwilligen ihre Freizeit, stecken viel Kraft und Energie, oft bis zur Belastungsgrenze, in ihren DRK-"Job". Dabei gibt es fast keine Übungen mit den Ehrenamtlichen mehr, keine Bereitschaftsabende, keine geselligen Zusammentreffen wie das Südtiroler Weinfest, wo man Kraft tanken könnte. Susann Nowak kann ein Lied davon singen: Im Arbeitsleben ist sie gut ausgelastete Projektleiterin bei Zeiss. Nach Feierabend und am Wochenende kämpft sie als Sanitätshelferin beim DRK gegen die Pandemie. Freistellung von der Arbeit? Die wäre nur im explizit ausgerufenen Katastrophenfall möglich. Immerhin sei nun gesetzlich verankert, dass die DRK-Helfer in solchen Fällen Feuerwehr und Rettungsdiensten gleichgestellt werden, sagt Matthias Wagner.

Erwartungen an die Politik: Mehr Anerkennung und Wertschätzung wünscht sich das DRK für seine Helfer von der Politik, aber auch mehr Geld für persönliche Schutzausrüstung, Material und Schulungen. In ganz Deutschland, so kritisiert DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner, sei der Seuchenschutz über Jahre hinweg heruntergespart worden, "man war nicht vorbereitet auf eine Pandemie."

Corona: 365 Tage Pandemie – das waren beim DRK-Kreisverband Aalen 1549 Einsätze, insgesamt 9392 ehrenamtliche Stunden, geleistet von 335 Helfern.

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