Ein göttliches Versprechen

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Bernhard Richter, evangelischer Pfarrer, Aalen

Jahreslosung 2022: Christus spricht: wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Was das für unser Leben bedeutet.

Aalen

Was für eine Botschaft für das neue Jahr 2022!: keiner wird weggeschickt, keine wird abgewiesen. Niemand bleibt außen vor. Wie gut tut diese Nachricht in diesen Tagen, in denen wir doch eher das Gegenteil spüren und erfahren: Häuser dichtmachen, Mauern bauen, Brücken abbrechen, Grenzen sichern, Abwehr stärken.

Wie gut tut da ein Wort aus der Bibel, das uns über ein langes Jahr Wegbegleiter sein will, uns Hoffnung macht, ja letztlich helfen möchte, damit Leben gelingt.

Diese Jahreslosung mischt sich ein in den aktuellen Jammer dieser Welt und in die Erfahrungen meines eigenen kleinen Lebens. Steht immer wieder auch heilsam quer zur allgemeinen Stimmungslage, stört vielleicht sogar mich selbst in dem, was ich schon immer dachte und zu wissen meinte.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Christus. Diese Übersetzung verwischt, was er eigentlich sagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“. Ein abgewendeter Rauswurf. An diesem Ort im Johannesevangelium ein klares Wort an diejenigen, die bereits „drin“ sind und sich in seiner Nähe sicher wähnen, gewissermaßen „seine Leute“. Ein Wort an uns, die wir am Beginn eines neuen Jahres seine Nähe suchen.

Der Blick zurück auf ein zu Ende gegangenes Jahr prägt die Ausschau auf das, was kommen mag; jeder Versuch einer Antwort wirft neue Fragen auf den Plan. Auch Fragen nach Gott, Fragen an Gott, Krankheit und Tod, Endlichkeit und Ohnmacht und Schuld. Sie können schon lange nicht mehr als tragische Abweichung vom „Normalen“ begriffen werden. Sie toben sich aus in der Mitte unseres Lebens und rücken uns hautnah auf den Leib. Täglich.

Und dagegen stimmt die Jahreslosung eine völlig andere Tonart an: „Wer zu mir kommt“. Dieses Wort meint Sie und mich, wie wir am Beginn eines neuen Jahres zu Christus kommen: gezeichnet und zerrupft, erschöpft und ungeduldig, vielleicht auch im Glauben erschüttert.

Und plötzlich wird mir bewusst: Er sagt es tatsächlich zu mir. Er macht mir klar: Du bist hier, bei mir, weil ich dich hier will. Immer noch oder jetzt erst recht. Du fliegst nicht raus, weil ich das Entscheidende für Dich und diese Welt längst getan habe. Du darfst hier bleiben trotz deines rastlosen Eilens von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, mitunter so elend unbeholfen, so erschütternd ratlos und bisweilen auch reichlich selbstverliebt. Dennoch oder gerade deswegen: „Ich werde dich nicht hinausstoßen.“

Dieses göttliche Versprechen stellt mich aufrecht und wach in die Gegenwart. Denn wenn ich tatsächlich da bleiben darf, bei Christus, dann gehen mir die Augen dafür auf, wobei es in dieser Welt um Gottes und der Menschen willen nicht bleiben darf. Ich kann und darf den nüchternen Blick wagen. Und muss beherzte Taten und Zeichen riskieren: Türen aufmachen, auf die Straße gehen, bei denen sein, die keiner mag, den Stummen eine Stimme geben, aller Hetze und jedem Hassgeschrei entschieden entgegentreten. Darauf wird es neuen Jahr ankommen! Machen Sie mit?

Gott schenke uns allen ein gesegnetes neues Jahr 2022.

Die Jahreslosung 2022 bedeutet auch: keiner wird weggeschickt, keiner bleibt außen vor. Pfarrer Bernhard Richter findet: Diese Nachricht tut gut in diesen Tagen, in denen wir oft das Gegenteil erfahren.

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