Ein Jahr OB Brütting: die Tops und Flops

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Frederick Brütting bei seiner Amtseinsetzung Anfang Oktober 2021. An diesem Samstag, 1. Oktober, ist er genau ein Jahr lang Aalener Oberbürgermeister.
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Seit dem 1. Oktober 2021 ist Frederick Brütting Aalener Oberbürgermeister. Was in seinem ersten Jahr im Amt gut lief und wofür er Kritik erntete.

Aalen

Er muss zu Ende bringen, was ein anderer begonnen hat. Kombibad, Steg, Rathaussanierung und noch viele weitere Großprojekte gehen nicht auf Frederick Brüttings Initiative zurück, sondern wurden noch in der Amtszeit seines Vorgängers Thilo Rentschler begonnen. Dennoch ist Brüttings Amtszeit bisher von diesen Baustellen und ihren Problemen geprägt. Bevor diese Projekte nicht fertiggestellt und finanziert sind, bleibt kaum Raum für große neue Investitionen. Auch der Ukraine-Krieg macht die finanzielle Situation der Stadt nicht einfacher.

Brütting ist es trotzdem gelungen, in seinem ersten Jahr im Amt als Aalener Oberbürgermeister eigene Akzente zu setzen. Auch große Projekte ist er angegangen. Eben solche, die keine Millionen von Euro verschlingen, die aber trotzdem viel bewirken können. Viel Lob hat Brütting in seinem ersten Jahr bekommen. In ein paar Fällen hat er aber auch Kritik einstecken müssen. Das sind die Tops und Flops im ersten Jahr seiner Amtszeit.

Tops

1 Wohnen: Das Aalener Modell ist keine Idee Brüttings. Doch er möchte das Wohnungsprogramm seines Vorgängers nun weiter ausbauen. Wenn der Gemeinderat Ende Oktober zustimmt, wird die Quote im sozialen Wohnungsbau erhöht. Sowohl die städtische Wohnungsbau wie auch private Investoren sind nun verpflichtet, mehr geförderten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Solche Wohnungen müssen 30 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete angeboten werden. Zum Handlungsprogramm Wohnen gehört außerdem, dass die Aalener Wohnungsbau als eine Art Zwischenmieterin fungiert und Wohnungen anmietet, die bisher leer stehen. So soll Immobiliensitzern die Angst genommen werden. Für etwaige Mietausfälle oder Schäden kommt die Stadt auf. Auch für Sanierungen kann es Zuschüsse geben.

2 Albaufstieg: Von vorne beginnt die Diskussion um den Albaufstieg. Gesucht wird eine neue Trasse, die die B 19 bei Unterkochen mit der A 7 auf dem Härtsfeld verbindet. Brütting legte dazu auch die Planung für einen Kreisel an der Kreuzung beim ehemaligen Schützen auf Eis. Viele Unterkochenerinnen und Unterkochener hatten darin bereits einen Vorgriff auf den Ausbau der Ebnater Steige gesehen. Etwas, das die Mehrheit im Ort ablehnt. Stattdessen soll die neue Trasse den Ort und die Ebnater Steige entlasten. Viel Lob hat Brütting dafür bekommen, den Prozess neu aufzurollen und Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen. Manchen in Unterkochen geht es allerdings nicht schnell genug. Weil sich der Zeitplan zur Trassenfindung verzögert hat, äußert eine Bürgerinitiative Kritik.

3 Mountainbike: Der OB macht gerne Sport. Auch den Aalenerinnen und Aalenern will er mehr Möglichkeiten bieten, Sport zu treiben. Dazu hat er zum Beispiel zwei Mountainbike-Manager eingestellt. Sie kümmern sich um legale Wege, auf denen der Sport betrieben werden kann. Im Sommer wurde ein Mountainbike-Weltcup in der Aalener Innenstadt ausgetragen.

4 Jugendgemeinderat: Die Aalener Jusos haben es bereits 2005 gefordert. Brütting war damals deren Vorsitzender. 17 Jahre später ist er Aalener OB und darf noch diesen Herbst erleben, wie in der Stadt zum ersten Mal ein Jugendgemeinderat gewählt wird.

5 Straßennamen: Die Frauenbewegung hält es für wichtig, dass Frauen in der Öffentlichkeit sichtbar sind und ihre Leistungen anerkannt werden. Dazu zählt auch, Straßen nach Frauen zu benennen. Brütting hat sich starkgemacht dafür, das in Aalen umzusetzen. Zwei neue Straßen im neuen Baugebiet Tannenwäldle hat der Gemeinderat darauf hin nach Frieda Heilbron und Annemarie Tugendhat benannt.

6 Details: Brütting findet, dass auch kleine Veränderungen einen großen Unterschied machen können. So sind in der Aalener Innenstadt Spielgeräte und Sitzbänke repariert, aufgehübscht oder erneuert worden. Brunnen laufen wieder, die Pflanzen in der Stadthalle sind wieder grün und ein buntes Kunstwerk ziert den Eingang am Rathaus.

7 Stil: Der Aalener Gemeinderat gilt schon lange als diskussionsfreudig. Das ist er auch nach einem Jahr mit dem neuen Vorsitzenden noch. Doch die Stimmung hat sich gewandelt. Die Diskussionen sind sachlicher und weniger aufgeregt geworden. Das ist Brütting zu verdanken, der immer ruhig bleibt und Kritik niemals persönlich nimmt. Über sachliche Diskussionen freut er sich, fordert sie sogar ein, wie zum Beispiel zum Thema Gewerbegebiet Streichhoffeld im Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft.

8 Keine Schulden: Trotz großer Bauprojekte, steigender Baupreise und Krisen erwartet die Stadtverwaltung am Ende des Jahres die schwarze Null im Haushalt. Neue Schulden sollen 2022 nicht gemacht werden.

Flops

1 Stegplätze: Die Meinungen zum Sobek-Steg über die Bahngleise gehen auseinander. Einigkeit sollte aber darüber herrschen, dass die Stadtverwaltung den Gemeinderat und die Bürgerschaft offen über Kosten informiert. Dass für die Plätze auf beiden Seiten des Stegs aber noch 430 000 Euro fällig werden, zusätzlich zu den Kosten für den Steg in Höhe von 10,39 Millionen Euro, lief im Haushalt unter einer anderen Investitionsnummer und im Gemeinderat unter einer anderen Überschrift. „Baubeschluss für die Flächen südlich der Grünen Mitte und zwischen dem Gebäude Bahnhof 8 und dem P & R Parkhaus“, war auf der Tagesordnung zu lesen.

2 Bürgergespräch: Gar nicht glücklich war der Gemeinderat, dass OB Brütting zuerst in einem Bürgergespräch beim Hirschbachclub über Probleme mit dem Steg und dem Kombibad informiert hatte. Viele im Gremium hätten es lieber gehabt, wenn sie zuerst Bescheid bekommen hätten, dass das Fördergeld vom Land für den Steg vielleicht gar nicht fließt und dass eine Ausschreibung fürs Kombibad nicht so lief wie gewünscht. Bürgerinnen und Bürger dagegen werden es gut gefunden haben, dass ihnen der OB offen und ehrlich auf ihre Fragen zu den beiden Themen geantwortet hat.

3 OB-Büro: Kritik von Bürgerinnen und Bürgern hat Brütting wegen seines Büros einstecken müssen. Das Rathaus soll generalsaniert werden. Auch das OB-Büro. Zunächst hatte die Verwaltung vorgeschlagen, 635 000 Euro dafür auszugeben. Darin eingeschlossen ist die Sanierung des eigentlichen OB-Amtszimmers, des Vorzimmers, eines Besprechungsraums und einer Teeküche für alle Mitarbeitende im ersten Stock. Nach Kritik an den hohen Kosten setzte Brütting den Rotstift an. Die Sanierung soll nun höchstens 450 000 Euro kosten.

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