Ein Leben im Dauerlockdown

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Manuel Graf in seinem leeren Fitnessstudio. Besonders frustrierend für ihn im Lockdown: Kunden treffen, die durch das fehlende Training körperlich sichtlich abgebaut haben.
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Fitnessstudio-Inhaber Manuel Graf ist wütend: Seine Branche werde von der Politik vergessen und zur Freizeitbranche degradiert.

Aalen

Die Situation ist alles andere als einfach“, sagt Manuel Graf. Er ist Inhaber von Petro Fitness und hat wie alle seiner Branche seit Anfang November sein Studio geschlossen. Zu. Keine Einnahmen. Keine Kunden. Kein Sport, von ein paar Rehasport-Stunden abgesehen. Trotzdem ist er jeden Tag vor Ort. Und wartet auf eine Perspektive. Wartet darauf, dass sich endlich mal etwas tut. Und kann momentan nur gehörig den Kopf schütteln.

„Wir werden von unserer Regierung zur Freizeiteinrichtung degradiert und gelten in der Pandemie nicht mehr als Sportunternehmen“, so Graf. Gesundheit sei doch das höchste Gut, gerade in Pandemiezeiten. „Man soll halt spazieren gehen oder im Garten arbeiten“, wiederholt er die so oft von der Politik gesagten Tipps lapidar. Aber genau das sei der Punkt: Vielen reiche es nicht, mal einen Spaziergang zu machen, viele bräuchten das gezielte Training. „Mehr als 60 Prozent unserer Mitglieder machen bei uns Sport aus gesundheitlichen Gründen“, so der Geschäftsführer. Es sei noch das alte Klischee von der Muckibude in den meisten Köpfen verankert. Doch dem sei nicht so, wiederholt Graf immer wieder: „Wir sind für die Gesundheit unzähliger Menschen essenziell.“

Es tut ihm weh und es macht ihn wütend, wenn er seine Kunden trifft, die körperlich abgebaut haben, sich nur noch schlecht bewegen können – weil ihnen das regelmäßige Training fehlt. Und auch: „Selbst wenn junge Leute heute sich fit halten und etwas für ihren Körper tun, ist das doch auch gut für die Zukunft.“

Zurzeit kann der Fitnessstudio-Inhaber nur Reha-Sport anbieten und eben Onlinevideos, die er an seine Kunden verschickt. Doch er merkt: „Die Motivation geht zurück.“ Vielen fehlen auch die sozialen Kontakte, das Sport treiben in einer Gruppe. Auch die Mitarbeiter gehen auf dem Zahnfleisch, sind seit sechs Monaten im Stillstand. Und sie können nichts tun. „Die Branche hat in der Politik keine Lobby. Deshalb werden wir total übergangen.“

Sein Hygienekonzept steht. „Was ist daran nun schlechter als in einem Supermarkt?“, fragt er. Das Petro-Fitnessstudio erstreckt sich auf 2700 Quadratmeter. Ihm sei klar, dass er nicht sofort wieder auf den Normalbetrieb umsteigen kann, aber was spricht gegen eine geringe Maximalanzahl an Sporttreibenden? „Bei der Größe können sich die Trainierenden problemlos aus dem Weg gehen.“

Am Ein-/Ausgang erfasst ein Check-In-System jeden, der das Studio betritt oder verlässt. Die Daten jedes Mitglieds sind hinterlegt. In Grafs Büro stapeln sich bereits Corona-Selbsttests, die nur auf ihren Einsatz warten. Zudem hat er mehrere 10 000 Euro in das Konzept investiert, um seinen Kunden zum Beispiel durch Luftfiltersysteme oder Hygienestationen höchstmögliche Sicherheit zu bieten.

Forderungen an die Politik

Graf erwartet von der Politik mehr Wertschätzung für eine Branche, die viel für die Gesundheit und die Psyche der Bevölkerung tue und die präventiv zur Erhaltung der Gesundheit beitrage. „Wer gesund ist, führt ein besseres Leben, kann damit mehr leisten und wird im Alter seltener krank sein. Das ist Fakt.“

Deshalb hofft Graf, dass endlich Lösungen gefunden werden, wie solche Unternehmen wie seines, wie eine ganze Branche nicht den Bach runtergeht. Und er erhofft sich von der lokalen Politik eine Stimme, die an die nächsthöhere Instanz weitergegeben wird, jemanden, der sich für seine Branche einsetzt. Schließlich, so Graf, trage auch die Fitness- und Gesundheitsbranche dazu bei, unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Wir sind für die Gesundheit unzähliger Menschen essenziell.“

Manuel Graf, Fitnesstudio-Inhaber

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