Ein Lichtmonument als Appell

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Die Veranstaltungswirtschaft steckt in einer Krise. Mehrere Aalener Vertreter der Branche beteiligten sich nun an einer bundesweiten Aktion.

Aalen

Tausende Orte in ganz Deutschland wurden am Montagabend um 22 Uhr in roter Farbe erleuchtet – darunter auch einige in Aalen. Anlass ist die Aktion "Night of Light", die auf die Nöte der Veranstaltungsbranche aufmerksam machen soll. Die bundesweite Initiative ist Appell und Warnung zugleich.

Seit dem Nachmittag treffen Alexander Fischer und sein Team vor der Aalener Stadtkirche Vorbereitungen. Fischer ist Geschäftsführer der Firma UBS Quality Sound, die auf Veranstaltungstechnik spezialisiert ist.

Normalerweise gebe es in diesen Monaten genug zu tun, wie Fischer erzählt. Doch Konzerte und Stadtfeste fallen dieses Jahr aus. "Seit dem 10. März gibt es keine Veranstaltungen mehr", erläutert Fischer. Lediglich dank der wöchentlichen "Musik auf dem Rathausdach" gebe es ein wenig Arbeit.

"Die Eventbranche wurde während Corona vergessen", so Fischer weiter. Zwar erhielt seine Firma eine Soforthilfe zu Beginn der Coronakrise. "Aber davon können wir nicht so lange leben", ergänzt er. Mehrere Mitarbeiter musste er schon entlassen.

Sven Schürle ist Auszubildender bei UBS Quality Sound. Derzeit befindet er sich in Kurzarbeit. "Es tut gut, endlich mal wieder so eine Beleuchtung installieren zu können", sagt er. Die derzeitige Lage besorgt ihn. "Das ist keine Kleinigkeit, die Situation bedroht Existenzen und Firmen", so Schürle. Ursprünglich wollte er seine Ausbildung Ende August abschließen. Aber: "Ob das klappt, ist gerade noch unklar."

Diese und andere Unklarheiten bereiten auch Chef Alexander Fischer Kopfzerbrechen: "Es gibt keine eindeutigen Ansagen. Die Veranstalter können nicht planen." Derzeit sei nur bekannt, dass Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober gestrichen sind – voraussichtlich. "Aber ohne uns gibt es auch nach Corona keine Veranstaltungen", betont Fischer.

Die Situation bedroht Firmen und Existenzen.

Sven Schürle Auszubildender bei UBS

Auch Michael "Flex" Flechsler von der Band "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" beteiligt sich an der Aktion. Das "Haus der Stumpfes" in der Innenstadt wird ebenfalls in Rot getüncht. "Wir sind in beiden Hinsichten betroffen. Als Musiker und als Veranstalter", sagt Flechsler.

Durch die Aktion erhofft er sich unter anderem eine Stärkung der Lobby. Denn auch die Veranstaltungsbranche sei ein starker Wirtschaftsfaktor, so Flechsler weiter: "Würde man bei Daimler sagen, es werden 1000 Leute entlassen, würde es einen ganz anderen Aufschrei geben." Es gehe darum zu zeigen, wie viel die Kunst im wirtschaftlichen Leben ausmacht.

Initiative findet Anklang

Nach fünf Stunden Arbeit ist es soweit: Die Aalener Stadtkirche leuchtet rot. Passanten und Besucher der umliegenden Cafés beobachten den ungewohnten Anblick, machen Fotos. "Von mir aus könnte das immer so aussehen", sagt ein Mann, der sich die Lichtinstallation ansieht. "Das ist eine sehr schöne Art, Aufmerksamkeit zu schaffen, gerade in der jetzigen Zeit", ergänzt er.

Auch eine andere Zuschauerin findet den Anblick schön – zweifelt aber an dem Effekt. "Die Veranstalter und Künstler sind nun mal die letzten, die an der Reihe sind", sagt sie.

Alexander Fischer und seine Kollegen freuen sich dennoch darüber, wie viel Anklang die Aktion findet. "Wir finden es schön, dass so viele Leute stehen bleiben", sagt er. "Also sind wir doch nicht ganz vergessen.

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