Ein paar Quadratmeter im Trockenen

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Die kleine Küche ist für Herrn Sch. zugleich Wohnzimmer. Es ist der einzige Raum der Hütte, den er mit einem kleinen Holzofen beheizen könnte. Wenn er genügend Geld hätte, um Brennholz zu kaufen.
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Seit Herr Sch. Rentner ist, lebt er in einer kleinen baufälligen Hütte am Waldrand. Warum von seiner Rente kaum Geld für Lebensmittel und Brennholz übrigbleibt.

Aalen

Schwere Regentropfen hängen an den Zweigen über der halb verfallenen Hütte. Irgendwann, wohl kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie hier am Wald, rund fünf Kilometer entfernt vom nächsten Dorf, mit einfachsten Mitteln gebaut: die Wände aus Holz, befüllt und abgedichtet mit Schlacke.

Aus dem maroden Schornstein steigt eine dünne Rauchsäule in den grauen Himmel. Eingemummt in eine Winterjacke, einen dicken Schal und mit einer Deckelmütze auf dem Kopf sitzt Herr Sch. (Name geändert) in der winzigen Küche, die für ihn zugleich Wohnzimmer ist. Im Holzofen knackt es. Für den Besuch hat Herr Sch. extra Feuer gemacht. Doch irgendwie scheint die Wärme gar nicht richtig anzukommen. Die Kälte kriecht von außen durch die Wände.

Für sich selbst heizt der 70-Jährige meistens nicht. Herr Sch. hat kein Geld, um sich Brennholz oder Kohle zu kaufen. „Wenn ich in der Küche kein Feuer mache, sind es hier an kühlen Tagen nicht einmal 13 Grad“, sagt er.

Die einzige Alternative

Nein, hier herein zieht niemand freiwillig. Doch für Herrn Sch. waren die paar überdachten Quadratmeter vor wenigen Jahren die einzige Alternative. Damals, als ihm sein voriger Vermieter wegen Eigenbedarfs gekündigt hatte. Und er sich auf Wohnungssuche begeben musste. „Die erste Frage war immer: Wie alt sind Sie? Die Leute wollen nicht an Alte mit kleiner Rente vermieten“, stellt er fest.

Aber Herr Sch. prangert nicht an, was er nicht verändern kann. „Mir gefällt es eigentlich hier“, meint er klaglos. Obwohl der studierte Forstwirt das Leben früher von der anderen Seite her kannte. In den 1980ern etwa war er für ein weltweit tätiges Unternehmen der Internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung in Afrika tätig. „Wir haben dort Wälder in Wert gesetzt und Aufbauarbeit geleistet, haben den Einheimischen gezeigt, wie man aus dem Holz Möbel herstellt.“

Die Rechnung ging nicht auf

Zurück in Deutschland – es waren die Jahre unmittelbar nach der Wiedervereinigung – verdingte sich Herr Sch. als Immobilienmakler in den neuen Bundesländern. Seine Rechnung ging nicht auf, die Immobilienblase platzte. Obendrauf kam die Scheidung. Das eigene Häusle musste verkauft werden.

Herr Sch. fand einen neuen Job – war jahrelang als Kurzzeitexperte für die Kreditanstalt für Wiederaufbau in China tätig. Was ihm heute auf die Füße fällt: In seinen Jahren als selbstständiger Immobilienmakler und selbstständiger Kurzzeitexperte in China hat Herr Sch. nichts in die Rentenkasse eingezahlt.

500 Euro Rente

Seine Rente beträgt 500 Euro, davon gehen monatlich 250 Euro für die Miete weg. Hinzu kommen Zusatzkosten für Medikamente. Herr Sch. leidet an Grauem Star in fortgeschrittenem Stadium: Ein Auge ist erblindet. Das andere verfügt nur noch über 50 Prozent Sehkraft und müsste dringend operiert werden.

Herr Sch. ist nicht mehr mobil. Früher, als seine Augen noch besser waren, konnte er auf seinem Mofa zum Einkaufen in den fünf Kilometer entfernten Lebensmittelmarkt fahren. Heute schafft er die Strecke auch nicht mehr zu Fuß. Ein schlimmes Bandscheibenleiden bremst ihn aus. „Meine Wirbelsäule ist ziemlich kaputt“, sagt Herr Sch. „Die schweren Stämme aus dem Wald zu tragen – das war meine Leidenschaft.“

Die Caritas ist eingeschaltet

Weil ihm das Geld fehlt, ist Herr Sch. mehrere Monatsmieten im Rückstand. Die Caritas Ost-Württemberg hat sich eingeschaltet. Anträge auf Grundsicherung und auf Pflegeleistung sind bereits gestellt.

Die SchwäPo-Hilfsaktion Advent der guten Tat will dem Vermieter die ausstehenden Monatsmieten überweisen. Mitarbeiter der Caritas werden für Herrn Sch. Lebensmittel einkaufen und sie ihm nach Hause fahren. Advent der guten Tat wird die Einkäufe bezahlen. Bitte helfen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser!

Bitte spenden Sie!

Stichwort: Advent der guten Tat Konto: KSK Ostalb, IBAN: DE 41614500500110050500; oder Konto VR-Bank Ostalb, IBAN: DE 05614901500101010001.

Die Leute wollen nicht an Alte mit kleiner Rente vermieten.“

Herr Sch.

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