Ein Prinz in Schubarts Bann

  • Weitere
    schließen
+
Die Verehrung des neuen Schubartdenkmals beim Festspiel anlässlich der Einweihung am 22. November 1891. Beim Bühnendenkmal handelt es sich wohl um das Gipsmodell von Curfeß.

In einer dreiteiligen Reihe beleuchtet der Aalener Stadtarchivar die Geschichte des Schubartdenkmals und der Menschen dahinter. Heute: die Einweihung 1891.

Aalen

Am 22. November 1891 war es soweit: Mit sechs Wochen Verspätung durften die Aalener endlich ihr Schubartdenkmal vor dem Gasthaus Harmonie (heute: Bahnhofstraße 36) einweihen. Der Weg dorthin war steinig: Das Schubartdenkmalkomitee musste nicht nur 6000 Mark (heute etwa 40 000 Euro) Spenden sammeln und mit der Stadt mühsam den passenden Standort finden. Auch galt es, einem gefährlichen Eklat mit der Königsfamilie in Stuttgart aus dem Weg zu gehen.

Aber der Reihe nach: Im 1871 gegründeten deutschen Kaiserreich verbreitete sich die Idee, dass die nationale "Größe" Deutschlands auch an den berühmten Dichtern und Denkern bemessen werden könne. In Schwaben benannte man Schulen, Straßen oder Höhen nach Uhland oder Schiller und feierte ausgiebig deren runde Geburts- und Todestage. In dieser Zeit entdeckten auch die Aalener den prominentesten "Sohn" ihrer Stadt wieder. Insbesondere der spätere Generaldirektor der Union A.G., Wilhelm Jakob Schweiker, propagierte die Idee, für Schubart in Aalen ein Denkmal zu errichten. Am 9. Oktober 1890 entschlossen sich einige wohlhabende Schubartianer, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ihr ehrgeiziger Plan: Zum 100. Todestag Schubarts am 10. Oktober 1891 sollte das Denkmal stehen.

Obwohl Stadtschultheiß Julius Bausch die Sache unterstützte, begann für die Initiative nun ein Wettlauf mit der Zeit. Relativ zügig klärte sich die Frage, wer das Denkmal gestalten sollte: Ernst Curfeß, späterer Königlicher Hofbildhauer in Stuttgart und gebürtiger Aalener, erklärte sich am 23. Oktober 1890 bereit, ein Gipsmodell zu entwerfen.

Schwieriger gestaltete sich aber die Festlegung eines Standorts für das Denkmal. Vor dem Amtsgericht? Da hätten Schubart und sein Denkmal wortwörtlich im Schatten der damals dort fest verwurzelten Schillerlinde gestanden. Im damaligen Stadtgarten (heute Fahrradparkhaus)? Zu nah an den Bahnlinien. Am Gmünder Torplatz (heute: Backshop)? Vielleicht! Im November 1890 dichtete die Kocherzeitung zu der damals dort stehenden Linde: "Bald tritt an deine Stelle ein hohes Dichterbild und grüßet alle freundlich und grüßet alle mild. Du kennst ihn ja, den Kämpfer, den Mann der deutschen Art, der Freiheit und des Rechtes, unsterblicher Schubart." Aber zu früh gefreut: Im März 1891 erkannte das Komitee, dass das Denkmal zu groß war für die Fläche am Torplatz. Also entschied man sich im Mai 1891 für den Platz vor dem Gasthaus Harmonie, auch wenn mancher lästerte, dass dies gut zum feucht-fröhlichen Charakter des Dichters passen würde.

Äußerst zäh gestaltete sich auch die Spendensammlung für das Denkmal. Das Kassenbuch des Komitees verrät zwar, dass bis zum Jahreswechsel 1890/91 gut 2500 Mark flossen. Danach tröpfelte es aber nur noch. Die Stadtverwaltung und der König von Württemberg beteiligten sich nur mit je 200 beziehungsweise 100 Mark.

Gerettet wurde das Projekt letztlich durch reich gewordene Exil-Aalener: Allein Carl Stützel aus Boston spendete im August 1891 ganze 500 Mark.

Am 10. Oktober 1891 schien das Denkmal pünktlich eingeweiht werden zu können. Vier Tage zuvor aber verstarb Württembergs König Karl in Stuttgart. Dem Land war Trauerflor verordnet. Zunächst wollten die Aalener pünktlich zum 100. Todestag wenigstens das Denkmal ohne Feier enthüllen. Davor aber warnte Curfeß von Stuttgart aus die Aalener "dringlich": Es würde nicht gut aufgefasst werden am Hofe. Unwillig verschob das Komitee die Einweihung auf das Wochenende vom 20. bis 22. November 1891. Zeuge von Festspiel, Bankett im Spritzenhaussaal und Enthüllung des Denkmals wurde auch Rudolf Duala Manga Bell. Im selben Jahr hatte der Aalener Kolonialbeamte Pahl den Prinzen aus Kamerun mit nach Aalen gebracht. Die Stadt nahm Manga Bell mit Neugier und Begeisterung auf und schmückte sich mit ihm. Kein Zufall also, dass das Schubartdenkmalkomitee ihn im September 1891 offiziell zum Schubartianer kürte und in den Denkmalausschuss mit aufnahm.

Podcast: Sie wollen es genauer wissen? Stadtarchivar Dr. Georg Wendt erzählt im Podcast "Denk mal Schubart" und im neuen Aufsatz für das Aalener Jahrbuch online die ganze Geschichte.

Dr. Georg Wendt

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL