Ein Speeddate mit Azubis

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Acht unterschiedliche Berufe lernen die Schüler an diesem Tag kennen. Berufe, von denen sie vorher nicht wussten, dass es sie gibt. Kontakte wurden geknüpft, Handynummern ausgetauscht. Schüler mit Betrieb (von links nach rechts): hinten: Bubacarr Jama

Jugendliche der AV-dual-Klasse besuchen an einem Samstag freiwillig den Unterricht sie sind Teil eines besonderen Projekts. Was sich dahinter verbirgt.

Aalen

Einen Praktikumsplatz zu finden ist oft nicht einfach. Den passenden Beruf für sich selbst zu finden, gestaltet sich allerdings oft noch viel schwieriger. Ein ungewöhnliches Projekt an der Technischen Schule Aalen eröffnete den Schülern der AV-dual-Klasse neue Perspektiven bei der Berufsfindung.

Samstagmorgen: Eine Gruppe von Schülern schlendert über den sonst leeren Schulhof des Berufsschulzentrums. Die Jugendlichen im Alter von 17 bis 18 Jahren betreten das Schulhaus, unsicher, ob es sich wirklich lohnen wird, auf einen Tag am Wochenende zu verzichten, um die Schulbank zu drücken. Müde setzen sich die Schüler in einen Stuhlkreis in der Aula. Es handelt sich um eine besondere Klasse: Die Schüler sind erst seit ein oder zwei Jahren in Deutschland und haben bei ihrer Ankunft kein Wort Deutsch verstanden. Umso komplizierter ist nun die Suche nach einem Praktikumsplatz.

Plötzlich kommt Leben in die Runde: Durch die Tür treten acht ehemalige Schüler der Technischen Schule und stellen sich anschließend vor. Sie verbreiten trotz früher Stunde gute Laune, und die Schüler erfahren, dass der Unterricht bei Frau Droste mehr bedeutet, als nur die deutsche Sprache zu erlernen. „Ich habe gelernt, was richtig ist und was falsch ist“, sagt einer der Ehemaligen. Später erklärt er noch, dass es bei der Ankunft in Deutschland 2015 schwer gewesen sei, alle Regeln zu verstehen. Deshalb sei es wichtig, sich ein wenig anzupassen und zu motivieren, betont er.

Welche Berufe gibt es überhaupt? Auf einer Tafel sind Berufsbezeichnungen angebracht; auf einer anderen passende Bilder. Die Schüler können natürlich Bäcker und Tischler zuordnen. Aber Betonfertigbauer oder Fachkraft für Lagerlogistik? Da dauert die Suche nach dem passenden Bild schon länger. Schließlich kann sich jeder aber zumindest anhand der Bilder zu den Berufen etwas vorstellen. Dann geht’s ans Raten: Welcher der jungen Männer übt wohl welchen Beruf aus? Wer richtig rät, hat seinen ersten Speed-Dating-Partner gefunden, dem er nun Fragen zu seinem Beruf stellen kann.

Schnell sind die Fragen auf dem Laufzettel durchgearbeitet – schließlich sind die Auszubildenden gerne bereit, zu helfen, und weil sie vor einigen Jahren selbst in dieser Situation waren, können sie genau dort unterstützen, wo es nötig ist. Die Schüler erfahren wertvolle Details über die Ausbildung. „Peace and love“ sei wichtig, wenn man mit den Kollegen gut auskommen wolle. Auch wenn die Ausbildung „easy und chillig“ sei, müsse man sich richtig konzentrieren und hart arbeiten. Die Schüler erfahren aber auch: Leider gibt es keine Ausbildung ohne Mathe. Deshalb sei die Schule wichtig und „ich habe von Frau Droste gelernt: Nie aufgeben, dranbleiben, versuchen, versuchen, versuchen!“, ergänzt ein anderer Ehemaliger.

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