Eindrücke vom Kriseneinsatz

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Die Johanniter aus Aalen und Heidenheim waren ein Wochenende lang im vom Hochwasser stark betroffenen Erftstadt im Einsatz.
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Die Aalener Johanniter sind zurück vom Einsatz im Hochwassergebiet. Sie berichten von der dramatischen Lage und über die riesige Dankbarkeit.

Aalen

Ein Wochenende lang waren ehrenamtliche Helfer der Aalener Johanniter im vom Hochwasser stark betroffenen Erftstadt im Einsatz. Bis zu 170 Menschen haben sie gemeinsam mit anderen Johannitern in einer Schule betreut: ihnen einen Schlafplatz, frische Kleidung, Essen oder ein offenes Ohr ermöglicht.

Theresa Ott ist eine der acht Ehrenamtlichen aus Aalen und Heidenheim, die seit Freitag im Einsatz waren. „Je länger es her ist, desto mehr realisieren die Menschen, dass das alles kein Traum ist“, berichtet sie. Dann steige auch der Redebedarf.

Das könne einfach ein Schwank aus dem Leben sein, andere sprechen über schlimme Erfahrungen, die sie während des Hochwassers gemacht haben. Etwa davon, dass der Sohn von den Wassermassen mitgerissen wurde, aber zum Glück noch mithilfe eines Hubschraubers gerettet werden konnte. „Man muss die Leute einfach auffangen ergänzt Ott“, etwa, indem man ihnen zeige, dass sie sich nicht schämen müssen, wenn sie nach frischer Unterwäsche fragen.

Einen Einsatz mit so einem Ausmaß habe ich noch nie erlebt.“

Theresa Ott, Mitglied der Johanniter

Vermisstensuche hält an

Markus Taglieber, Ehrenamtsleiter der Johanniter Ostwürttemberg, erläutert, wie das Hilfskonzept konkret aussieht: „Es ist eine Betreuungsunterkunft in einer Schule, in den Hochzeiten haben wir um die 170 Menschen betreut.“ Wer in das Betreuungszentrum kommt, muss sich registrieren lassen, „auch wegen der Vermisstensuche.“ Dann erhalten die Menschen Zugang zu Verpflegung, einem Sanitätsdienst oder einem Bett.

Denn viele der Menschen wissen nicht, so Taglieber, ob und wann sie wieder in ihre Häuser können, oder ob die Häuser überhaupt noch stehen. „Im Stadtteil Blessem stehen noch Häuser, aber man darf sie nicht betreten“, so Taglieber. Der Fluss befinde sich nun im Untergrund, es könne sein, dass er die Häuser unterspült. Laut dem Erftstadter Bürgermeister müssen zunächst Geologen ihre Einschätzung treffen.

Taglieber und Ott sind sichtlich gerührt von den gesammelten Eindrücken, auch von der „überwältigenden Dankbarkeit“, wie Theresa Ott erzählt. „Da war ein Mann, der hat ein Megafon in die Hand genommen und sich bei allen bedankt“, berichtet sie. Bei den freiwilligen Helfern oder auch der Putzfrau.

Theresa Ott ist seit etwa elf Jahren bei den Johannitern, damals kam sie über den Schülersanitätsdienst dazu. „Aber einen Einsatz mit so einem Ausmaß habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. Die Ehrenamtlichen unter sich reden über die Geschehnisse, stehen zusammen, um alles besser verarbeiten zu können. „Es gibt aber auch professionelle Strukturen, falls jemand psychologische Hilfe braucht“, ergänzt sie.

Gesten der Dankbarkeit

Am Montag, gegen 3.30 Uhr, waren die Helferinnen und Helfer zurück in Aalen. Etwas später als gedacht, denn eines ihrer Fahrzeuge hatte eine Panne. „Der Landrat vom Rhein-Erft-Kreis ist dann zufällig an uns vorbeigeradelt und hat uns seine Hilfe angeboten“, erzählt Markus Taglieber.

Innerhalb weniger Minuten seien zwei Fahrzeuge organisiert worden, die die Ehrenamtlichen zum Kölner Hauptbahnhof brachten. Von dort ging es zurück nach Aalen. „Diese Art von Gesten haben wir öfter erlebt“, berichtet Taglieber.

Die Johanniter in der Region Aalen sind immer auf der Suche nach Zuwachs. Mehr Informationen gibt es auf www.johanniter.de oder unter Tel. (07361) 96300.

Hilfsgüter werden gesammelt und sortiert.
Das Pannenfahrzeug der Ehrenamtlichen.

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