Eine berührende Seelengeschichte in der Stadtkirche

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Schauspieler Manuel Flach liest in der Aalener Stadtkirche Szenen aus: „Meinen Hass bekommt Ihr nicht“, von Antoine Leiris.
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Das städtische Theater auf Spurensuche: 2015 verlor Antoine Leiris seine Frau bei einem Terroranschlag.

Aalen. „Ich hätte mir gewünscht, dass mein erstes Buch eine Geschichte wäre, aber auf keinen Fall meine. Ich hätte die Wörter gern geliebt, ohne sie fürchten zu müssen.“ So das Fazit des Journalisten im Schlusswort seines Buches „Meinen Hass bekommt ihr nicht.“ Am 13. November 2015 hat Antoine Leiris seine Hélène zum letzten Mal gesehen. Sie wurde mit 89 weiteren Personen im Konzertsaal „Le Bartaclan“ Opfer der Terroranschläge in Paris. Zurück blieb damals sein 17 Monate alter Sohn Melvil.

Das Theater der Stadt Aalen hat sich die schockierende und authentisch verfasste Lebensgeschichte bei der Lesung in der Stadtkirche zur Aufgabe gemacht. Manuel Flach liest nach einer Inszenierung von Tina Brüggemann. Ein Tagebuch der ersten Tage nach dem Terroranschlag. Eine Geschichte zwischen Alltag und Aufbruch.

Spontan hatte Antoine Lauris den Attentätern in einem Aufruf in einem offenen Brief ins Stammbuch geschrieben: „Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes. Aber meinen Hass bekommt ihr nicht.“

Thomas Haller und Alfred Ruth umrahmen die Dramaturgie des schicksalhaften Tagebuchs musikalisch. Manuel Flach schildert die ersten Tage nach dem verheerenden Attentat bewegend, den Alltag, die Herausforderungen, die Szenen im Bestattungsinstitut, die Vorbereitung der Beerdigung den ersten gemeinsamen Besuch mit Söhnchen Melvil am Grab der Ehefrau und Mutter und den Weg zurück ins Leben.

Schlüsselaussage im literarischen Werk: „Wir werden mit unserem eigenen Leben weitermachen.“ Das Buch steht exemplarisch auch dafür, dass es Terroristen niemals schaffen dürfen, Leben zu verhindern und Freiheiten aufzugeben.

Manuel Flach zitiert den Journalisten: „Melvil und ich sind stärker als alle Armeen der Welt.“ Rundum: Eine sensible und tiefgängige Darstellung des Theaters der Stadt Aalen – Blick in die Seelen, ein Tagebuch der Empfindungen und psychologisch facettenreiche Einblicke ins Innenleben betroffener Menschen und ihrer Umwelt. Mit Sicherheit auch ein Hoffnungsmacher, wie Leben weitergehen soll und muss. Eine bewegende Geschichte aus einer Welt von Leid und Hoffnung. Lothar Schell

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