Eine Ehrfurcht vor der Natur einfordert

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Carmen Stumpf gestaltete einen Märchenabend für Erwachsene im Stadtpark zum Thema Natur.

Aalen. Donnerstagabend, der Aalener Stadtpark platzt aus allen Nähten: jauchzende Kinder unter sprudelnden Fontänen, große und kleine Füße im kühlenden Nass des Kochers, coole Halbwüchsige, die mit Musik im Pavillon einheizen.

Umgeben von babylonischem Stimmengewirr sitzt ein Dutzend Erwachsener auf der Wiese und lauscht der Märchenerzählerin, Carmen Stumpf. Eingeladen hatte der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) Aalen im Rahmen seines Jahresthemas „Wasser ist Leben“.

Carmen Stumpf ist Mitglied in der europäischen Märchengesellschaft und erzählt seit 1999 traditionelle Volksmärchen im süddeutschen Raum. Während der Entstehung der Märchen sei die Zugehörigkeit zur Natur größer gewesen als heute, weil die Menschen auf besondere Weise abhängig von dieser waren. Märchen hätten daher einen angemessenen Umgang mit der Natur eingefordert: In Einklang mit der Natur leben, sich achtsam und dankbar ihr gegenüber verhalten. Die Folgen, die deren Ausbeutung nach sich zogen, sind in den Märchen bis heute erhalten. Somit haben Märchen sozialrealistische oder sozialutopische Züge und sagen viel über gesellschaftliche Bedingungen zur Zeit ihrer Entstehung aus. Märchenerzählen wurde 2016 von der deutschen UNESCO-Kommission ins Bundesweite Verzeichnis der immateriellen Güter aufgenommen.

„Die Tochter der Blumenkönigin“, ein Märchen, das aus Siebenbürgen stammt, weist auf den angemessenen Umgang mit den Grundlagen allen Lebens hin. Ein Königssohn muss beweisen, dass er mit Wasser, Luft und Erde im Einklang lebt, eh er die Tochter der Blumenkönigin heiraten darf.

Das koreanische Märchen „Die Reisquelle“ warnt vor der Ausbeutung der Rohstoffe. Im Kloster gibt es eine Reisquelle. Ein fremder Mönch will den Ertrag dieser Quelle steigern, was dazu führt, dass der Reis versiegt. Maßlosigkeit gefährdet das Überleben vieler.

Im kasachischen Märchen „Der Wundergarten“ wird ein gefundener Goldschatz durch die Herzensgüte mehrerer in einen lebenspendenden Fruchtgarten für alle Bedürftigen umgewandelt. Das stellt einen wohltuenden Gegensatz zu dem dar, was heute mit Boden und auch Wasser geschieht: Wenige schlagen daraus Profit zum Leidwesen vieler.

Das Märchen „Drachenauge“, das aus China stammt, ist ein Gleichnis für die große Duldsamkeit der Natur, aber auch deren Macht. Ein Drache opfert aus Dankbarkeit einen Teil seines Besitzes und sogar eines seiner Augen. Doch dann wird rücksichtslos und aus Gier auch das zweite Auge von ihm gefordert.

Die Überzeugungskraft der Erzählenden, die sie mit der Anschaulichkeit der gewählten Worte, der Melodie ihrer Stimme, ihrer lebhaften Mimik und Gestik erzielte, ließ das Publikum in die Märe eintauchen und forderte zu gemeinsamer Auslegung auf.

Am Freitag, 6. August, kommen Kinder im Rahmen des Kinderferienprogramms in diesen Genuss. Carmen Stumpf wird ab 15 Uhr am Kocher „Wassermärchen“ erzählen. Wasserspiele schließen daran an. Interessierte melden sich bitte an bei: BUND/act for transformation Tel. (07361) 975 10 45 oder beim Touristik Service Tel. (07361) 522 358.

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