Eine ehrliche Wirtin und ein scheuer Koch

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Wirtin Brigitte Forster-Skobel steht am Zapfhahn in der Gastwirtschaft "Alter Löwe".
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Im Alten Löwen in der Innenstadt steht Brigitte Forster-Skobel hinterm Tresen und Erich Kieninger in der Küche.

Aalen.

Mit Online-Bewertungen ist das ja so eine Sache. Wer hat sie geschrieben? Stimmt das wirklich? Beim Restaurant „Alter Löwe“ in Aalen steht: „ehrliche Bedienung“. Kuriose Bewertung für eine Gastwirtschaft. Wer indes Brigitte kennenlernt, weiß: Jau, der Gast hat recht.

Brigitte ist 64 Jahre alt und heißt mit Nachnamen Forster-Skobel. Wenn das Wort resolut ein Gesicht hätte, es müsste so aussehen wie ihres. Gäste, die schlecht über ihren VfB Stuttgart sprechen, bekommen schon einmal einen Spruch. Sie scherzt gerne und geizt auch nicht mit Sprüchen, verzieht dabei aber nur selten eine Miene. „Für mich bitte ein Wasser.“ Antwort Brigitte: „Wer trinkt denn heutzutage Wasser?“ Sie ist ein Original. Bis zur Corona-Pandemie trug sie immer ein Dirndl im Geschäft. Das macht sie aber jetzt nicht mehr. Wieso? Das weiß sie nicht so genau. „Die Dirndlzeit ist für mich einfach abgelaufen“, sagt sie knapp.

Der VfB Stuttgart ist für Brigitte heilig

Viele Worte macht Brigitte sowieso nicht. Mit ihren Stammtisch-Gästen versteht sie sich quasi wortlos. Sie weiß, wer wann gut drauf ist und was gerne getrunken wird. Man neckt sich. Die Gäste wissen natürlich auch, welche Knöpfe sie bei Brigitte drücken müssen. Auch wenn sie manchmal Sätze sagt wie „früher war es einfacher“, hört man selbst aus diesem Satz ihre tiefe Liebe zum Beruf raus. Brigitte ist Wirtin. Ob ihr die Ausbildung als Jugend- und Heimerzieherin im Job hilft? Brigitte zuckt mit den Schultern und lächelt. „Etwas schon.“

In die Gastronomie hat es sie schon früh verschlagen. Vor dem „Alten Löwen“ schaffte sie mit ihrem Geschäftspartner Erich Kieninger (64) in der Autobahnraststätte „Ellwanger Berge“. Dann lasen sie die Anzeige über das freie Lokal an der Löwenstraße 8, mitten im Herzen von Aalens Innenstadt. Seit November 2000 steht sie im Löwen hinter dem Tresen und Erich Kieninger hinter dem Herd. Ob sie auch privat ein Paar sind? Brigitte lacht erneut. „Noi!“ Das ginge auch gar nicht. Schließlich werde sich auch mal gefetzt, da sei es besser, wenn am Abend jeder in seine Wohnung gehen kann. Brigitte entspannt am besten bei der Familie und ihrem Enkelkind. Erich verlässt nur selten die Küche. Auch für das Interview konzentriert er sich lieber auf seine vorwiegend schwäbischen Gerichte. Zeit für ein Foto? Nein, nicht der Erich. „Und bei den Stammgästen jammert er dann, ich würde ihn ja nie aus der Küche lassen“, sagt Brigitte und zwinkert. Die Beiden sind ein eingespieltes Team.

Eine Wirtsstube wie in den 70er Jahren

Wer den Löwen betritt, wird in die gute alte Zeit der 70er Jahre zurückgeworfen. Stabile Holzmöbel, Bleiglasfenster, kleine Sitzecken in dunklen Farben – so muss eine Gastwirtschaft aussehen. Es gibt kein Schnickschnack, dafür eine Einrichtung, die zu Brigitte passt: ehrlich eben. Das Bier kommt schnell, wer ausgetrunken hat muss nicht lange auf die Frage warten, ob es noch eins sein darf.

Bis auf sonntags ist der Löwe täglich geöffnet. Die Gäste schätzen Erichs Mittagskarte. Schwabenpfännle und Wurstsalat, wer’s mag bekommt auch Saure Nierle oder Kutteln. Das günstigste Gericht für 8,50 Euro. Auch ehrlich.

Es gibt nicht mehr viele Restaurants in der Innenstadt, die schwäbische Küche anbieten. Brigitte und Erich fahren damit ganz gut, auch wenn Corona sie schon arg gebeutelt hat. Wie fast alle Gastronomen.

Es ist spät. Ein Gast schmeißt eine letzte Runde Schnaps. Ein anderer Gast winkt ab, er vertrage keinen Schnaps. Brigitte bringt ihm keinen und der Besteller zieht ein enttäuschtes Gesicht. „Er verträgt keinen Schnaps, hat er doch gesagt“, sagt Brigitte. Erneut: einfach ehrlich.

  • Was die Gäste wissen müssen
  • Besonders beliebt: das Wiener Schnitzel.
  • Das Schmankerl: Saure Nierle oder öfter auch mal Matjes.
  • Das teuerste Gericht: 19,50 Euro zahlt man für den zarten Rostbraten.
  • Das günstigste Gericht: 8,50 Euro kostet das günstigste Mittagsgericht (immer wechselnd) und abends bekommt man für den Preis einen Wurstsalat.
  • Sitzplätze: innen 60, im Nebenzimmer 30; außen 36.
  • Öffnungszeiten: montags bis samstags von 11.30 bis 14 Uhr. Montags, donnerstag, freitags und samstags auch von 18 bis 22 Uhr. Sonntags ist Ruhetag.
Blick durch die Bleiglasscheibe in die Gastwirtschaft.
Das Lieblingsgericht der meisten Gäste: Schnitzel.
Das Schwabenpfännle ist bei den Gästen ebenfalls beliebt.
Blick auf die Wirtschaft Alter Löwe in der Aalener Innenstadt.

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