Eine Fassade erzählt Stadtgeschichten

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Die Mitglieder des Kollektivs K vor der Hauswand der Rittergasse 1, auf der sie in den vergangenen Monaten Teile der Aalener Stadtgeschichte aufgezeichnet haben.

Das Kunstprojekt des "Kollektiv K" an der Hauswand der Rittergasse 1 ist enthüllt. Warum OB Thilo Rentschler appelliert, dass dieses Projekt kein Unikat bleiben soll.

Aalen

Der Aal schlängelt sich durch den Säulengang, seine wendige Form ziert die Wappen der Stadteile Aalens. Oberbürgermeister Thilo Rentschler steht vor dem Motiv, das auf der Wand eines 150 Jahre alten Gebäudes mitten in Aalen abgebildet ist. Über Rentschlers Kopf zieht sich die Malerei weiter. In der Rittergasse ist innerhalb von zweieinhalb Monaten ein Kunstwerk entstanden, gestaltet von jungen Kreativen, dem sogenannten Kollektiv K.

Als die Uhr zwölf Mal schlägt, wird das Kunstwerk enthüllt. Doch für ein Tuch ist das Gebäude in der Rittergasse neben dem Café Wunderlich zu groß. Eine Menschenmenge hat sich gebildet und beobachtet erstaunt und begeistert Malerei, Büsten und Mosaikwerke, die auf der Hauswand prangen.

"So schön war es hier noch nie", ruft Rentschler. Der östliche Stadtgraben sei schon länger eine Baustelle, bekennt er. Das Gebäude der Familie Kayser sollte eigentlich abgerissen werden, aber: "Abreißen war gestern – es ist ein Kunstwerk entstanden", sagt Rentschler euphorisch. "Wenn man unsere Stadtgeschichte studieren möchte, muss man alte Broschüren wälzen oder sich dieses Haus anschauen", sagt er und hebt die Hand in Richtung Fassade. Auch nach mehrmaligem Betrachten würden sich einem immer neue facettenreiche, geschichtsträchtige Seiten der Stadtgeschichte offenbaren.

Der OB überreicht dem Projektleiter Tobias Kerger einen Scheck der Stadt Aalen über 4000 Euro und verspricht: "Das ist erst der Anfang." Denn die Realisierung des Projekts, das die rund 15 jungen Menschen umgesetzt haben, wurde über Spenden finanziert. "Ich lade jeden ein, ein paar Euro drauf zu packen", motiviert Rentschler. Und fügt hinzu: "Wir brauchen diese Formen der Begegnung, eine Stadt muss sich stets neu erfinden." Das gestaltete Gebäude sehe er als Zeichen, einen Beginn zu setzen. "Helft mit, dass dieses Projekt kein Unikat bleibt!"

So schön war es hier noch nie!

Thilo Rentschler Oberbürgermeister

"Ein Monat war geplant, wir haben zweieinhalb benötigt," gesteht Mark Keller, der gemeinsam mit Luka Keresmann und Marie Kubitzka den Zuschauern etwas über das Kollektiv K erzählt. "Es waren so viele Arbeitsschritte, wir hätten uns das selbst nicht vorstellen können."

Spontaner Jubel brandet im Publikum auf, unter das sich zahlreiche Künstler der Ostalbszene gemischt haben. Tobias Kerger, der im April im Zug nach Aalen die ersten Skizzen von den Bemalungen angefertigt und in Folge die Projektleitung übernommen hat, bedankt sich bei all den helfenden Händen, ohne die es nicht gegangen wäre.

Im Anschluss gibt es Führungen um das Haus, bei denen die Betrachter die Geschichte Aalens von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart begutachten können. Die historische Abbildung der Stadt, geformt aus 15 000 Mosaiksteinen, der Spion, gemalt mit der Asche vom damaligen Stadtbrand oder ein Tavernen-Motiv, als Hommage an den Nachbar, das Café Wunderlich – hier gibt es viel zu entdecken.

Die Mitglieder des Kollektivs K vor der Hauswand der Rittergasse 1, auf der sie in den vergangenen Monaten Teile der Aalener Stadtgeschichte aufgezeichnet haben.
Oben das alte Aalen, geformt aus 15 000 Mosaiksteinen.

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