Eine fast unglaubliche Räuberpistole

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Wie Ganoven mit Ortskenntnissen in Aalen an den Falschen geraten sind.

Aalen. Kaum zu glauben. Eine international tätige Betrügerbande lässt sich von ihrem Callcenter aus immer wieder neue Tricks einfallen, mit denen hauptsächlich ältere Leute aufs Kreuz gelegt werden sollen. Jetzt sind sie aber an den Falschen geraten. Erwin Hafner, langjähriger SchwäPo-Chef, berichtet, was ihm selbst passiert ist – und wie die Sache ausgegangen ist.

"Die Bande schreckt auch nicht vor alten Journalisten zurück. Jüngstes Beispiel: Am Donnerstagmittag kurz nach Zwölf. Anruf bei Erwin Hafner, der gerade vom Einkaufen in der Stadt heimgekommen war. Der berichtet. Weil mich etliche Polizeibeamte immer noch als Zeitungsmann kennen, bin ich gewohnt, unbefangen mit ihnen zu reden. Auch mit dem Anrufer, der sich in vertraulichem Ton als Kripokommissar Heinz Schmid meldet. Herr Hafner, haben sie nicht mitbekommen, dass wir vor einer halben Stunde in der parallel zur Eisenbahnstraße führenden Fahrbachstraße einen Polizei-Großeinsatz hatten?

Hanebüchene Story

Drei Rumänen hätten kurz zuvor eine Frau in der Heidestraße überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt. Die werde mittlerweile im Krankenhaus operiert. Die alarmierte Polizei habe zwei der Ganoven in der Fahrbachstraße festnehmen können. Aber ein weiterer sei entkommen und zudem bewaffnet.

Jetzt regte sich bei mir die Reporterseele. Ich ärgerte mich: Da geht quasi vor meinem Haus ein Polizeieinsatz ab – und ich bin gerade beim Einkaufen. Das darf doch nicht wahr sein", schreibt Erwin Hafner.

Aber es kam noch schlimmer. Der Kripomann habe ihm bedeutet, dass bei den Festgenommenen eine Namensliste gefunden worden sei – mit meinem vollen Namen, Adresse und Alter. "Jetzt war ich vollends ganz von den Socken. Und begann endlich – zu zweifeln. Zumal der Kommissar mich fragte, ob ich nicht mitbekommen hätte, dass Unbekannte mich seit Tagen beschattet und mit besten Ortskenntnissen meine Lebensgewohnheiten erkundet hätten?

Wüste Beschimpfungen

"Endlich fiel bei mir vollends der Groschen, als er plötzlich von Geld sprach, das von meiner Bank ins Ausland transferiert werden solle", schreibt Erwin Hafner. Über einen ehemaligen Angestellten der Kreissparkasse, der schon seit längerem im Visier der Staatsanwaltschaft stehe, der aber noch stichhaltige Beweise fehlten ...

So sollte das laufen, wenn es nach "Kommissar Schmid" gegangen wäre. "Jetzt überlegte ich scharf, wie ich am besten das Gespräch weiterführen könnte, ohne dass mein Gegenüber Verdacht schöpfte", berichtet Hafner und weiter: "Da trat gerade mein Sohn ins Zimmer, den ich zum Mittagessen eingeladen hatte. Der schnallte schnell, als er den Hörer übernahm und versuchte, den Ganoven hinzuhalten, während ich im andern Zimmer die Polizei anrief.

Aber dies musste "Kommissar Schmid" dann irgendwie doch mitbekommen haben. Nach wüsten Beschimpfungen legte er den Hörer auf." Ende einer fast unglaublichen Räuberpistole!"

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