Eine Glocke für die Kirche im Hüttfeld

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Glockengießen

Die katholische Heilig-Kreuz-Kirche in Aalen hat die drei Glocken der evangelischen Markuskirche erhalten. Jetzt kommt eine vierte, neue Glocke hinzu. Wo und wie diese gegossen wird.

Aalen

Die Heilig-Kreuz-Kirche im Hüttfeld erhält eine neue Glocke. Der Guss einer Glocke ist heute ein sehr seltenes Ereignis. Deshalb haben sich 30 Interessierte auf den Weg nach Sinn bei Wetzlar gemacht, um dort den  Guss der neuen, vierten Glocke für die Kirche mitzuerleben.

In wochenlanger Arbeit hat die Gießerei Rincker die Form der Glocke hergestellt. Firmenchef Martin  Rincker heißt nun die Gäste aus Aalen in der Gießerei mit ihrem speziellen Geruch herzlich willkommen. An diesem Tag gießt der Chef insgesamt drei Glocken. Die größte Glocke wiegt 564 Kilogramm und ist für die Heilig-Kreuz-Kirche in Aalen bestimmt.

Noch ist die Schmelze nicht fertig. Die Arbeiter entfernen die an der Oberfläche schwimmende Schlacke. Noch werden einige Barren Zinn in den Schmelzofen gegeben. Nun sind alle Vorbereitungen  zum Guss getroffen. Der Ventilator für die Ofenbefeuerung wird abgeschaltet. Es wird still. Man spürt, wie alle den Atem anhalten und dem Werk ein gutes Gelingen wünschen.

Pfarrer Wolfgang Sedlmeier spricht, auch für die anderen Gemeinden, deren Glocken gegossen werden,  ein Gebet und bittet um Frieden. Dem folgt das Vaterunser aller. Der Gießerei-Meister gibt leise, kaum hörbar, seine Kommandos.

Der Guss beginnt. Mit einem Motor wird der schwere Ofen langsam gekippt und die Schmelze aus Kupfer und Zinn fließt mit 1100 Grad in die vorbereiteten Öffnungen in der Erde, in der sich die Glockenform befindet. Es spritzt. Die Funken  werden von den Mitarbeitern abgedeckt. Flammen an den Öffnungen lodern auf. Die  Mitarbeiter sind alle in Schutzanzügen und Helmen mit Visier gegen die Hitze geschützt. Es blubbert. Aus der Tiefe der Grube sind seltsame Geräusche zu hören.  Ein Kommando des Meisters und der Kanal zur nächsten Glocke wird geöffnet. Am Ende sind so alle drei Glocken mit Schmelze gefüllt.  

Langsam löst sich in der Reisegruppe die Anspannung. Ist der Guss gelungen?  Das lässt sich erst beurteilen, nachdem die Glocke ausgegraben, der Mantel zerschlagen ist und die Glocke gereinigt wurde.

Die Aalener sind sich einig: Dies war wohl ein sehr besonderes Ereignis, das sie in Sinn erlebt haben. Martin  Rincker erklärt anschließend mit spürbarer Freude und Hingabe zu diesem Handwerk, wie sich die Töne in der Glocke bilden. „Der Ton einer Glocke ist in der Glocke nicht vorhanden. Er entsteht erst im menschlichen  Gehirn“, erläutert er.

 Nach dem Glockenguss ging's für die Gruppe weiter nach Wetzlar in die Altstadt und in den Dom, wo Pfarrer Wolfgang Sedlmeier fachkundig  das Innere erläutert hat.

 Die neue Glocke wird am Sonntag, 10. Juli, vor der Heilig-Kreuz-Kirche mit einem festlichen Gottesdienst geweiht. Das feierliche Einläuten ist am Tag des Patroziniums der Kirche, am Sonntag, 18. September.

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