Eine junge Frau, die nicht einfach zusehen kann

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Aya Krkoutli ist Sprecherin der Grünen Jugend.
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Aya Krkoutli ist seit Kurzem Co-Sprecherin der Grünen Jugend im Land. Wieso sie auch aus negativer Resonanz Positives gewinnen kann.

Aalen

Aya Krkoutli aus Aalen ist seit Kurzem Co-Sprecherin der Grünen Jugend in Baden-Württemberg. Die Studentin kann schon auf eine kleine politische Karriere zurückblicken. Und auf positive und negative Resonanz, die sie dafür erhält. Ziele hat die 20-Jährige nichtsdestotrotz jede Menge.

Als 16-Jährige trat sie der Grünen Jugend bei. „Das politische Interesse gab es schon eine Weile“, erinnert sie sich. Besonders gestört habe sie sich an sozialen Ungerechtigkeiten sowie Sexismus in der Gesellschaft. „Ich konnte das alles nicht mehr stumm ertragen“, sagt sie. „Ich bin ein Mensch, der nicht einfach zusehen kann“. Sie traf auf die Grüne Jugend. Und entschied sich Mitglied zu werden. „Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt sie.

Sie habe sich zwar auch mit anderen Parteien in gewissen Punkten identifizieren können, „aber eine progressive Klimapolitik hat mir da gefehlt“, erklärt sie. Doch Klimapolitik ist nicht alles, worauf die 20-Jährige, die erneuerbare Energien in Stuttgart studiert, Wert legt. „Ein aktuelles wichtiges Thema ist natürlich Corona. Die Pandemie kam als Warnung an und so müssen wir sie auch wahrnehmen.“ Denn der Ausbruch des Coronavirus habe gezeigt, dass unsere Lebensweise und unsere Art zu haushalten nicht nachhaltig gewesen sei.

Auch abseits der Pandemie nennt Aya Krkoutli viele Themen, für die sie sich starkmacht. Sie freue sich zum Beispiel, dass Pflegeberufe ab dem Jahr 2022 besser bezahlt werden sollen. „Aber da geht noch mehr. Besonders in Berufen, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, wie beispielsweise lehrende und erziehende Berufe“.

Außerdem setzt sie sich für den Ausbau von Frauenhäusern ein. Diese seien momentan größtenteils belegt, ausgebaut werde kaum. „Die Nachfrage ist groß, aber es fehlt an Platz und Personal.“ Auch dort möchte sie sich einbringen. Ebenso, wenn es darum geht, Anlaufstellen für Frauen und Mädchen zu schaffen, die von Genitalverstümmelungen betroffen sind.

Nach dem Beitritt zur Grünen Jugend habe sie zunächst zurückgesteckt, um ihr Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium zu machen. „Nach dem schriftlichen Abi wurde ich motiviert, für den Landesvorstand zu kandidieren. Und wenn man erst einmal drin ist, bekommt man Lust auf mehr“, sagt sie.

Generell sei die Stimmung innerhalb der Organisation sehr positiv und geprägt von gegenseitiger Motivation. Für ihre weitere politische Karriere möchte sie sich noch nicht festlegen. „Ich weiß nicht, wie es sich weiterentwickelt“, sagt Aya Krkoutli, „aber ich bin da relativ offen“. Sie wolle sich noch auf kein Parlament festlegen, könne sich vorstellen, einmal im Bundes- oder Landtag zu sitzen, allerdings sei auch Kommunalpolitik e denkbar.

Für ihren politischen Weg erntet die Studierende nicht nur Lob und Zuspruch. „Ich bekomme nicht den Hate, den andere bekommen“, sagt sie. Als junge Geflüchtete, die Kopftuch trägt, stehe sie mit ihrer Situation relativ allein da. Andere, mit denen sie sich austauschen könnte, gebe es kaum. Vor allem direkte Nachrichten und Angriffe, etwa per Direktnachricht oder Mail, seien nichts, was für die Öffentlichkeit sichtbar sei. „Aber man lernt, damit umzugehen“, sagt Aya Krkoutli, „ich verbringe nicht viel Zeit damit, diese Kommentare zu lesen. Ich nutze die Zeit lieber für sinnvollere Sachen“.

Ein Stück weit könne sie auch Motivation aus derartigen Rückmeldungen ziehen. „Wenn ich für meine Meinung angegriffen werde, dann mache ich etwas richtig.“ Sie wolle keine Politik machen, die ausnahmslos jeden zufriedenstellt. Denn mache sie das, stelle sie etwa auch Rechtsextreme zufrieden.

Beleidigungen auf offener Straße seien etwas anderes. „Vor allem, wenn meine Familie dabei angegriffen wird. Da koche ich innerlich.“ Sie scheue sich nicht, sich dann verbal zu wehren. „Dabei bin ich nicht respektlos“, sagt sie. „Aber das 'Hey, was soll das? ist mir wichtig“. Für diese Art erhalte sie in letzter Zeit viele Nachrichten von anderen jungen geflüchteten Frauen. „Sie sehen das als Inspiration. Das ist genau das, was ich bewirken möchte.“ Es sei nicht schwer, „einfach mal laut zu sein und seine Meinung zu sagen“.

„Wenn ich für meine Meinung angegriffen werde, dann mache ich etwas richtig.“

Aya Krkoutli, Co-Sprecherin der Grünen Jugend in Baden-Württemberg

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