Eine neue Heimat für Obelix

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Es regnet, doch es wird trotzdem weiter gesprüht.
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Kinder und Jugendliche aus Aalen lernen bei einem Profi, wie man Graffitis sprüht. Wo sie zu sehen sind.

Aalen

Es klackert laut. Ein paar Mal kräftig geschüttelt. Nicht gerührt. Sondern gesprüht. Zwei Mädchen in roten Regenjacken stehen auf einem Gerüst vor der Wand an der Rampe der Unterführung in der Fackelbrückenstraße und drücken auf die durchgeschüttelten Farbdosen. Die 16-jährige Leonie und ihre 13-jährige Cousine Emira sind zwei von zehn Kindern und Jugendlichen, die die Wand der Unterführung mit Graffitikunst aufpeppen.

Zusammen mit den anderen hatten die zwei noch kurz zuvor aufmerksam zugehört, was ihnen Christoph Keck für den Nachmittag auf den Weg gab. Keck ist professioneller Graffitikünstler aus Stuttgart. Er leitet den Workshop, den die Stadt Aalen mit dem mobilen Jugendarbeiter Jan Grau anbietet. Ein Workshop, der auch den Verlust wettmachen soll, den die Bevölkerung erlitten hat, als das Asterix-&- Obelix-Graffiti in der Hirschbachunterführung 2019 weichen musste. "Ein Thema, mit dem sich Jung und Alt identifizieren kann", erklärt Grau, warum diese beiden Comicfiguren nun in der Fackelbrückenunterführung eine neue Heimat bekommen.

Und nicht nur sie. Leonie und Emira arbeiten an einem berühmten Senior aus dem gallischen Dorf. Miraculix, erkennbar an dem Kessel, in dem er wieder mal irgendein Gebräu fabriziert. Die Dose erneut kräftig geschüttelt, um die Farbpigmente zu verteilen – dann zieht Leonie die Konturen des Kesselfeuers mit einem grellroten Farbstrahl vorsichtig nach. "Das ist ganz schön anstrengend", sagt die Schülerin, die gerne malt, hinter ihrer Maske. Die trägt sie vor allem auch wegen des Sprühnebels. Aber nicht deswegen, und auch nicht, weil sie an diesem Tag unter dem Regenschirm arbeiten muss, ist es anstrengend. "Der Finger tut weh, weil man die ganze Zeit die Dose drücken muss", erklärt sie.

Fast nebenbei bekommen die angehenden Graffitikünstler noch ein wenig Aalener Stadtgeschichte mit auf den Weg. Der Stadtbrand, Schloss Fachsenfeld, der Spion, das Römerkastell – all das findet sich dezent angedeutet in den Bildern. Die Vorgabe dazu kam von Grau, wie er erklärt. Aber umgesetzt wird sie von Keck, der die Konturen der Figuren und Motive bereits vorbereitet hat. "Es hätte sonst zu viel Zeit gekostet", sagt er. Denn mal so eben gesprüht, das geht nicht.

Das ist ganz schön anstrengend.

Leonie (13) angehende Graffitikünstlerin

"Es ist Übungssache, und man muss es trainieren, wie man etwa einen Sport trainiert", sagt er. Man müsse konzentriert arbeiten, um den Überblick zu behalten und penibel darauf achten, dass man die Sprühdose nicht zu lange drückt. Sonst läuft überschüssige Farbe nach unten.

"Ich wollte wissen, wie das geht", erklärt Leonie, warum sie bei dem zweitägigen Workshop dabei ist. Wie Malen gehe es definitiv nicht. "Aber es macht einfach Spaß", ergänzt Emira. Und dann klackert es wieder laut.

Ein zweiter Workshop findet am Dienstag, 8., und Mittwoch, 9. September, statt. Anmeldung unter Tel: (07361) 5249716, E-Mail: mobilejugendarbeit@aalen.de

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Leonie (v.) zieht mit der Spraydose die Konturen des Kesselfeuers nach. Emira konzentriert sich auf den nächsten Schritt.
Schon fertig. Asterix an einer anderen Wand.

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