Elisabeth Manz und ihr persönliches Jahrhundert

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Ihren 100. Geburtstag hat die Künstlerin in dieser Woche mit ihren Enkeln, Urenkeln und Freunden gefeiert.
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100 Jahre alt ist die Aalener Künstlerin nun. Ein Geburtstagsgespräch über ihr Leben, das Alter und die große Liebe.

Aalen

Eine klare Stimme meldet sich nach kurzem Klingeln am Telefon. "Manz", schallt es aus dem Hörer. Auf die Frage, ob man ihr einen Besuch abstatten darf, antwortet Elisabeth Manz mit einem überzeugten "Ja". Schließlich gibt es etwas zu feiern: Am Montag, 1. Juni, wurde die Künstlerin 100 Jahre alt.

Im Rollstuhl sitzend wartet Elisabeth Manz, die bis zum 89. Lebensjahr daheim gewohnt hat, im Besuchsraum des Seniorenzentrums "Im Heimatwinkel" in Hoffherrnweiler – mit Maske. "Es ist ganz komisch, die Maske zu tragen", sagt die Jubilarin und zeigt ihrem Gegenüber danach einige Radierungen aus ihrem Buch. Bilder von Frauen, Landschaften und Bäumen erscheinen.

In ihrem Leben sei sie immer von "schönen Künsten" umgeben gewesen. "Ich hatte zuhause den Zugang zu Büchern, Gedichten und es gab Hausmusik", erinnert sich die gebürtige Duisburgerin. Gemalt habe sie gerne. Also studierte sie nach dem Arbeitsdienst zu Nazizeiten Grafik in Essen und später an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt. Und: Die Künstlerin heiratete, und bekam einen Sohn, der 2009 starb.

Liebe auf den ersten Blick

Bis 1974 hielt die Ehe. Dann lernte sie im Schwarzwald Eugen Manz kennen, ihren zweiten Mann. "Ich durfte im Leben die ganz große Liebe finden", sagt die 100-Jährige und die Lachfalten in ihrem Gesicht kommen stärker zum Vorschein. Im Kurpark in Bad Herrenalb kamen die beiden ins Gespräch. "Dann war's passiert, es war Liebe auf den ersten Blick." Nach einem halben Jahr heirateten die beiden, Elisabeth Manz zog zu ihrem Liebsten nach Aalen. Nach zwölf Jahren Ehe starb Eugen Manz. "Es war eine große aber kurze Liebe", sagt die 100-Jährige.

"Darf ich noch zwei wichtige Sachen aus meinem Leben erzählen?", fragt die Künstlerin, deren Lebensspruch "Ihr glücklichen Augen, Was je ihr gesehn, Es sei wie es wolle, Es war doch so schön!" von Goethe ist. "Gerne", antwortet die Gesprächspartnerin, und die Jubilarin blättert in ihrem Notizbuch. "Die schlimmste Nacht meines Lebens war ein Bombenangriff am 13. Mai 1943. Ich saß mit meiner Familie im Keller und die Bomben schlugen in den Garten ein", erzählt sie und lässt den Blick in Richtung Garten schweifen. "Das Haus stürzte zusammen. Nur die Kellerdecke hat gehalten. Da hat man Todesangst." Befreien konnte sich die Familie, in dem sie einige Ziegel zum Nachbarhaus hin entfernte.

Ich durfte die ganz große Liebe finden.

Elisabeth Manz Künstlerin

"Jetzt muss ich noch was Schönes erzählen, dazu will ich aber Bilder zeigen", sagt die Künstlerin, die einige Ausstellungen im Aalener Torhaus hatte. Karl Rebhahn, ein Jugendfreund, habe sie in einem Deckengemälde in einer Kirche bei Passau als guten Engel dargestellt. "Es ist schön, dass ich dort zu sehen bin."

Elisabeth Manz hat viel durchgemacht, die Geschichte eines Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Krieg. Naziregime. Die Gründung der BRD. Den Bau der Berliner Mauer und und und. Wäre sie noch mal gerne jung? "Nein, ich habe viel erlebt", sagt die Jubilarin. Und im Übrigen: Das Alter habe Vorteile. "Man kann sich seine Zeit einteilen", erklärt Elisabeth Manz.

Zum Schreiben benötigt die 100 Jahre alte Frau inzwischen eine Lupe; zum Lesen einen Kindle. "So kann ich die Schrift größer machen." Waschen und anziehen kann die Seniorin sich alleine "Gott sei Dank", sagt Elisabeth Manz.

Gibt's ein Rezept fürs Altwerden? Nach kurzem Überlegen antwortet Elisabeth Manz mit einem klaren "Ja". "Auch in schlimmen Zeiten darf man Humor und Heiterkeit nicht verlieren", sagt die Künstlerin, die eine 86-jährige Schwester, drei Enkeltöchter und acht Urenkel hat.

Zur Seite gelegt hat die Künstlerin den Pinsel mit 100 Jahren noch nicht. Elisabeth Manz malt nun Aquarelle. Meist auf Postkarten. Eigentlich will sie große Bilder malen. "Aber das strengt meine Augen zu sehr an", erzählt die 100-Jährige. "Ich habe noch so viele Ideen, was ich malen könnte", sagt Elisabeth Manz und schenkt ihrer Gesprächspartnerin zum Abschied eine selbstgestaltete Postkarte. Darauf zu sehen: Felder und Wiesen.

Dieses Bild hat Manz erst vor Kurzem gemalt.

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