Emil Sperle - der Mann mit der Arriflex

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Emil Sperle bei der Arbeit mit seiner Arriflex Filmkamera.
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Erster Aalener Berufsfotograf und Filmer war auch SchwäPo-Reporter - Erinnerungen.

Aalen. Am 23., 27. und 30. März wird die legendäre „Aalener Wochenschau“ mit einzigartigen Filmdokumenten aus den 50er- und 60er-Jahren im Kino am Kocher (KubAA) gezeigt. Das Interesse hält unvermindert an: Alle drei neuen Termine sind längst ausverkauft. Aber Stadtarchivar Dr. Georg Wendt will im Herbst weitere Termine ansetzen.

Wem verdanken wir diese Filmdokumente, der die Älteren in Erinnerungen schwelgen lässt und bei Jüngeren Neugierde weckt? Es war Emil Sperle – Fotograf und Kameramann aus Passion. 1917 in Aalen geboren, wurde er im Krieg zur Luftwaffe eingezogen.

Nach dem Krieg war Emil Sperle noch vor Foto-Sonntag und Foto v. Querfurth fotografischer Mitarbeiter der Schwäbischen Post.  Ich kann mich noch gut an Begegungen mit Emil erinnern. Wenn es nachts brannte oder ein Foto von einem schweren Unfall noch in die Zeitung musste, dann war dies mit Schwierigkeiten verbunden: Zunächst musste unter Flehen ein Fotograf dazu überredet werden, aus dem Bett zu steigen, um zur Kamera zu greifen. Glückte dies, ging's nach dem Vor-Ort-Temin in die Dunkelkammer. Emil Sperle hatte die in der Waschküche seines elterlichen Hauses in der heutigen Bischof-Fischer-Straße eingerichtet, wo auch ich viele nächtliche Stunden verbrachte.

Damit war's aber noch lange nicht getan. Der Stereotypeur musste gleichfalls geweckt werden, weil der eine Autotypie als Druckstock machen musste. Es waren ja noch Bleisatzzeiten.

Später eröffnete Emil Sperle gegenüber dem heutigen Samocca ein eigenes Fotogeschäft. Seine Leidenschaft gehörte aber dem Filmen. Mit seiner mehrere Kilo schweren Arriflex-Kamera bannte er das kommunale. kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Leben auf Zelluloid. Nicht nur in Aalen, sondern in der ganzen Region. Zum Beispiel auch in der Nachbarstadt mit dem „Ellwanger Filmspiegel“.

Das Filmen für Kinos war in den 50er-Jahren in mehrerlei Hinsicht schwierig. Erst musste von der US-Militärverwaltung eine Genehmigung eingeholt werden. Dann stellte sich als Problem, den Ton zum Film zu bringen. Immer dann, wenn ein Originalton erforderlich war, musste Sperle ein Tonbandgerät mitlaufen lasssen. Das gleiche galt dann bei der Wiedergabe im Kino. Dabei waren Pannen vorprogrammiert. In einer Szene war mal ein kleiner Affe zu sehen und in der nächsten Sequenz zog ein Brautpaar freudestrahlend aus der Kirche. Kommentar des hinterherhinkenden Filmsprechers: Mich laust ein Affe.

Emil Sperle starb 81-jährig im August 1998. Seine Frau lebt im hohen Alter von 98 Jahren noch selbstständig auf dem Galgenberg. Auch seine beiden Söhne und die Tochter leben noch in Aalen. ⋌ Erwin Hafner

Emil Sperle bei der Arbeit mit seiner Arriflex Filmkamera.

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