Energiekrise: 19 Grad im Rathaus, 20 Grad in Schulen

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Warm anziehen heißt es diesen Winter im Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden. Wo überwiegend im Sitzen gearbeitet wird, soll nur auf 19 Grad geheizt werden. Foto: opo/Montage: rico
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Die Verwaltung hat ein siebenseitiges Papier ausgearbeitet, wie in Aalen in der kalten Jahreszeit Energie eingespart werden soll.

Aalen

Es ist eine lange Liste, die die Stadtverwaltung am Donnerstag im technischen Ausschuss des Gemeinderats vorgestellt hat. Auf sieben DIN-A4-Seiten sind die Vorschläge aufgeführt, die im kommenden Winter Energie einsparen sollen. „Die Maßnahmen werden mit Einschnitten und Verzicht verbunden sein“, sagt Oberbürgermeister Frederick Brütting dazu. Je nachdem, wie sich die Situation weiter entwickelt, hält er es auch für vorstellbar, noch drastischere Maßnahmen zu ergreifen. Das sind die wichtigsten Vorschläge:

Öffentliche Gebäude: In öffentlichen Gebäuden, in denen nicht gewohnt, sondern gearbeitet wird, soll die Raumtemperatur gewissen Werte nicht überschreiten. Das gilt zum Beispiel für das Rathaus. In Räumen, in denen körperlich leichte Arbeiten überwiegend im Sitzen verrichtet werden, also in den meisten Büros, soll bis maximal auf 19 Grad geheizt werden. Das schreibt eine Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums vor. Durchlauferhitzer, die Wasser zum Händewaschen erwärmen, sollen abgeschaltet werden. Hände werden dann kalt gewaschen. Nachts werden die Heizungen abgesenkt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus sollen sich eine ganze Reihe von Verhaltensregeln halten, um Strom und Heizkosten zu sparen. Zum Beispiel nur Stoßlüften und Computer und Drucker nachts ausschalten.

Schulen: In Klassenzimmern und Lehrerzimmern soll bis maximal 20 Grad geheizt werden. Damit folgt die Stadt Aalen der Empfehlung des Kultusministeriums. Eine Ausnahme bilden Technik- und Werkräume. Hier soll die maximale Temperatur 19 Grad betragen. Weitere Ausnahmen gelten für Pausenräume, Sanitärräume und Mensen. Dort darf bis auf 21 Grad geheizt werden.

Kitas: Kindertagesstätten sollen auf 21 Grad beheizt werden. Eine Ausnahme gilt für Wickelräume. Dort dürfen es laut Vorschlag der Verwaltung 24 Grad sein.

Sporthallen: Für den Schulsport darf die Halle auf 19 Grad geheizt werden. Bei Vereinssport sind 17 Grad die obere Grenze.

Bäder: Die Temperatur im Hallenbad soll auf 24 Grad abgesenkt werden. Das Warmbadebecken, Kinderbecken und die Sauna sollen geschlossen werden. Auch ist vorgeschlagen, die Temperatur im Lehrschwimmbecken Ebnat zu reduzieren. In den Limesthermen soll Beleuchtung, die nicht sicherheitsrelevant ist, außerhalb der Öffnungszeiten abgeschaltet werden.

Stadtwerkekunden: Wer zehn Prozent Gas einspart, soll eine Prämie von 100 Euro bekommen.

Strom sparen: Die Verwaltung schlägt außerdem eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen vor, um Strom zu sparen. Zum Beispiel soll die nächtliche Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern nachts weitgehend abgeschaltet werden. Es soll außerdem geprüft werden, ob die Straßenbeleuchtung reduziert werden kann.

Eisbahn: Eine mobile Eisbahn soll es 2022 nicht geben.

Grüne fordern mehr Einsparungen im Thermalbad

Michael Fleischer (Grüne) ist mit Vorschlägen zum Bäderbetrieb nicht einverstanden. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Kinder nicht wieder die Verlierer sind“, sagt er. Die hätten schon während Corona auf viel verzichten müssen. Fleischer sieht es daher kritisch, dass im Lehrschwimmbecken in Ebnat die Temperatur abgesenkt wird, während in den Limesthermen alles weitergeht wie bisher. Fleischer schlug vor, das Thema Energiesparen in den Bädern im Aufsichtsrat der Stadtwerke und dann im Gemeinderat zu besprechen.

Thomas Wagenblast (CDU) sieht den Bund in der Pflicht, für einen Schutzschirm für die Stadtwerke zu sorgen.

Karl-Heinz Vandrey (SPD) sieht das ebenso. Ein Schutzschirm sei wichtig „für die Menschen, die nicht so viel Geld haben.“ Unverständnis äußerte er darüber, warum Hallen für Schulsport auf 19 Grad geheizt werden sollen und für Vereinssport nur auf 17 Grad. Der OB antworte, dass man mit der Nachtabsenkung schon früher beginnen wolle, nämlich abends, wenn Vereine Sport machen. Andernfalls könne man keine Energie in den Hallen einsparen.

Jürgen Opferkuch (Freie Wähler) begrüßt den Maßnahmenkatalog. „Denn wenn wir etwas tun, können wir etwas bewirken.“

Emil Pöltl (AfD) findet: „Mit 19 Grad kann man leben.“

Christa Klink (die Linke) fordert eine Beratung für Bürgerinnen und Bürger in Härtefällen.

Dr. Philipp Frank (FDP/FW) findet, dass man die Abhängigkeit vom russischen Gas zu lange ignoriert habe.

Manfred Traub (Zählgemeinschaft) meint, dass man Maßnahmen, die das Schwimmenlernen und den Vereinssport betreffen, gut abwägen müsse.

Norbert Rehm (Aktive Bürger) ist der Meinung, dass es die Kinder trifft, wenn es keine Eisbahn in Aalen gibt. „Zu sagen, wir machen das nicht, ist zu kurz gedacht.“

Abstimmung: Der OB klammerte vor der Abstimmung die Bäderfrage aus. Die soll noch besprochen werden. Den anderen Punkten stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat.

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