Energiekrise: In den Limesthermen wird nicht gespart

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Die Limesthermen am Abend. Viele Monate musste das Bad coronabedingt ganz geschlossen bleiben. Archivfoto: Stadtwerke Aalen Foto: Archiv: Stadtwerke Aalen
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Im Lehrschwimmbecken und Hallenbad wird es kälter. Aber alle Aalener Bäder bleiben geöffnet. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Aalen

Ein umfangreiches Sparpaket hat der technische Ausschuss des Gemeinderats schon vergangene Woche einstimmig auf den Weg gebracht. Darin enthalten sind über 50 Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, diesen Winter Energie zu sparen. Zum Beispiel werden öffentliche Gebäude nur noch auf 19 Grad geheizt.

Uneinigkeit hat aber darüber geherrscht, welche Sparmaßnahmen in den Aalener Bädern umgesetzt werden sollen. Daher stand das noch einmal gesondert auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Bei einer Enthaltung (Thomas Rühl, fraktionslos) beschloss der Gemeinderat mehrheitlich, Sparmaßnahmen im Lehrschwimmbecken Ebnat und im Aalener Hallenbad umzusetzen, die Bäder aber geöffnet zu lassen. Schulschwimmen und Schwimmkurse sollen auf jeden Fall noch stattfinden können, so der Tenor. In allen Becken wird es ein oder zwei Grad kälter sein als gewohnt. Diese Temperaturen hat der Gemeinderat beschlossen: 28 Grad im Lehrschwimmbecken Ebnat, im Hallenbad 26 Grad im Sportbecken, 30 Grad im Warmwasserbecken, 32 Grad im Kinderplanschbecken. Die Sauna im Hallenbad wird geschlossen.

Vor der Beratung hatte sich ein Vertreter der Rheumaliga in der Bürgerfragestunde dafür stark gemacht, das Warmbadebecken im Hallenbad weiter zu betreiben und auch die Limesthermen geöffnet zu lassen. Um das Thermalbad, das ungefähr dreimal so viel Energie verbraucht wie das Hallenbad, entspann sich eine längere Diskussion.

Michael Fleischer (Grüne) sprach sich dafür aus, die Limesthermen für den öffentlichen Badebetrieb zu schließen, das Therapiebecken und die Physiotherapie aber weiterzubetreiben. „Wir haben Probleme bei der Vorstellung, dass die, die es sich leisten können, im Außenbecken schwimmen und in der Sauna schwitzen und die, die es sich nicht leisten können, in ihren Wohnungen frieren“, sagte er. Fünf Millionen Kilowattstunden ließen sich einsparen, wenn nur der Gesundheitsbetrieb aufrecht erhalten würde. Das sei der Jahresbedarf von 180 Haushalten.

Thomas Wagenblast (CDU) nannte es „zu kurz gedacht“, die Limesthermen als Wellnessbad zu bezeichnen, für die, die es sich leisten können. Auch für die Gesundheitsprävention sei das Bad wichtig. Wagenblast sprach sich dafür aus, die Limesthermen für alle offenzulassen, solange es die Gasversorgung zulässt.

Hermann Schludi (SPD) wollte es ebenfalls nicht gelten lassen, die Limesthermen als reines Luxus- oder Wellnessbad zu bezeichnen. Menschen würden dort auch verschreibungspflichtige Kuren absolvieren. „Es ist zu kurz gegriffen, wenn wir die ganze Situation nur auf die Gasreduzierung beziehen“, sagte er. Man müsse auch einbeziehen, dass eine Schließung weitere Konsequenzen wie Kurzarbeit für die Mitarbeitenden zur Folge hätte. Daher sei die SPD-Fraktion dafür, dass die Limesthermen geöffnet bleiben.

Claus Albrecht (Freie Wähler) sagte, Gesundheitsvorsorge sei genauso wichtig, wie Schwimmkurse für Kinder. „Ein klares Ja für die Öffnung der Limesthermen“, sagte der Fraktionsvorsitzende.

Dr. Frank Gläser (AfD) bezweifelte, dass sich mit Einsparunge etwas erreichen lässt. „Dann sind wir dafür, die Limesthermen offenzulassen.“ Als Gründe für Gas-Knappheit nannte er „unsere Sanktionen“ und „jahrelange verfehlte Energiepolitik.“ Das wollte OB Frederick Brütting so nicht stehenlassen. „Es gab kein Gas-Embargo gegen Russland“, sagte er und fügte an: „Russland hat seine Energielieferverträge nicht erfüllt.“

Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub) erinnerte an die Haushaltsrede seiner Kollegin Inge Birkhold, die sich für die Limesthermen stark gemacht hatte. „Zwischenlösungen machen aus meiner Sicht wenig Sinn.“ Das Thermalbad, so Traub, soll insgesamt für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Arian Kriesch (FDP/FW) sagte: „Corona ist noch nicht rum.“ Etwaige Einschränkungen, die es wieder geben könnte, würden auch die Bäder treffen. „Wichtig ist, dass es Basisversorgung gibt“, sagte Kriesch in Bezug auf das Hallenbad, Lehrschwimmbecken und Schwimmunterricht. Die Limesthermen aber sollten geschlossen werden, so Kriesch. „Zwischenlösungen gibt es nicht.“

Norbert Rehm (Aktive Bürger) beschwerte sich, weil es keine Sitzungsvorlage zu den Bädern gab. „Sie haben Folien an die Wand geknallt“, sagte er zur Präsentation, die Stadtwerkechef Christoph Trautmann gezeigt hatte. „Alle Vorredner waren sehr gut vorbereitet.“ Sie hätten schließlich tags zuvor an der nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke teilgenommen. Rehm ist nicht Mitglied in diesem Gremium. Auf Nachfrage vom OB sagte Rehm, er sei dafür, dass die Limesthermen offenbleiben, wolle aber nicht an der Abstimmung teilnehmen.

Zwölf Rätinnen und Räte stimmten am Ende für den Antrag der Grünen-Fraktion, das Therapiebecken und die Physiotherapie in den Limesthermen offen zu halten und das restliche Bad zu schließen. Die Mehrheit lehnte den Antrag aber ab. „Das heißt, wir lassen das Thermalbad geöffnet“, fasste Brütting zusammen.

Gasmangellage verhindern

Stadtwerkechef Christoph Trautmann sagte: „Es gibt gute und belastbare Simulationen der Bundesnetzagentur.“ Der zufolge sei es wichtig, dass bundesweit signifikant Gas eingespart wird. „Wenn uns das nicht gelingt, ist eine Gasmangellage im kommenden Winter unvermeidbar.“

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