Er sorgt im Handumdrehen für Freude

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Jens Schäfer mit seiner Drehorgel samt Affe Charly auf dem Aalener Wochenmarkt. Hier spielt er jeden Samstag.
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Jede Woche steht der Lindacher Jens Schäfer mit seiner Drehorgel auf dem Aalener Markt. Wie es dazu kommt und was ihm so gut daran gefällt.

Aalen

So einfach kann es sein. "Es macht mir Spaß", erklärt Jens Schäfer, warum er jeden Samstag bei Wind und Wetter auf dem Aalener Marktplatz steht. Spielt dort mit seiner Drehorgel am frühen Morgen Märsche und am Mittag das Abschiedslied "Sierra Madre". Zwischendurch gibt's auch Modernes wie "Atemlos" von Helene Fischer. Nostalgie und Moderne gehen Hand in Hand.

Wer denkt, Schäfer erfüllt sich damit einen Kindheitstraum, liegt aber falsch. Der Lindacher, werktags Versuchsleiter bei Bosch, handelte als Student mit diesen und jenem und verdiente sich so was dazu. Und manchmal, wenn er was sieht, mittlerweile natürlich im Netz, juckt es ihn noch.

"Ich habe zu meiner Frau gesagt, ich muss mir mal eine Drehorgel kaufen." Machte er dann auch, kaufte eine günstige und verkaufte sie wieder. "Aber ich hatte so viel Freude damit, dass ich ihr immer nachgeheult habe." Diesmal kaufte Schäfer ein Deleika gebraucht, reparierte sie mithilfe des gleichnamigen Dinkelsbühler Unternehmens. Verkaufte sie wieder und erstand eine noch größere.

Zum Drehorgelspieler auf dem Wochenmarkt aber wurde Jens Schäfer erst durch eine Wette. Aus einer geselligen Laune heraus versprach er, 1000 Euro für die Kinderheime der Autorin Nicole Mtawa, die er von Lesungen kannte, zusammenzuspielen. "Dann war ich unterwegs. In Schorndorf, Schwäbisch Gmünd und Aalen." In Aalen habe es ihm am besten gefallen, deswegen spiele er nur noch dort. Nun übrigens schon wieder mit einer neuen Drehorgel. Eine solche könne man für 2000 Euro kaufen, seine Neue allerdings sei schon teurer.

Meine Frau ist schon eifersüchtig.

Jens Schäfer Drehorgelspieler

Die 1000 Euro an Nicole Mtawa hat Schäfer längst übergeben. Das Geld, das er einspielt, geht aber weiter an deren Hilfsorganisation Human Dreams. "Ich zähle es aber nicht. Es kommt in einen Sack und am Ende des Jahres übergebe ich diesen", sagt der Vater einer Tochter. "Vorher hatte ich da schon Druck", lacht er. Nun kann er auch mal zuhause bleiben, wenn er keine Lust auf sein Hobby hat. "Aber wie es so schön heißt. Man hat im Handumdrehen viel Freude."

Musikalisch muss man nicht sein, um eine Drehorgel zu spielen, sagt Schäfer. Bisher spielte er kein Instrument. Nun lernt er mit seiner Tochter Klavier, damit er neue Lieder in die Orgel, die mit Elektronik ausgerüstet ist, einspielen kann. Jens Schäfer hat sie sogar mit WLAN aufgemotzt und eine extra Text-App, damit man auch mitsingen kann. "Ich gehe mit der Orgel auch in Besenwirtschaften."

Rund zehn Stunden wöchentlich verbringt der Lindacher mit seinem Hobby, inklusive Wochenmarkt. Dort hält er auch mal ein Schwätzchen, bekommt er ein Vesper und beobachtet die anderen Menschen. "Meine Frau ist schon eifersüchtig", witzelt Schäfer. "Aber sie lässt unterstützt meine Marotte."

Mit der hat er es übrigens sogar jüngst in eine RTL-Sendung geschafft. Mit Charly, dem Orgel-Plüschaffen, der ihn stets begleitet, die Zunge rausstrecken und sogar pinkeln kann. Einzelexemplar eine Reihe, aus der es nur noch 80 gibt. Da hatte es Schäfer auch gejuckt und er musste ihn kaufen. Sowohl Schäfer als auch Charly tragen von Schäfers Mutter geschneiderte Kleidung. Und sein Schwiegervater hat ihn fürs schlechte Wetter nun mal eben einen Schirmständer an seine Orgel montiert. So einfach kann es sein.

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