Er wollte den Krieg verhindern

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Vernissage Foto: HAG
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Wenn eine knappe viertel Stunde das Weltgeschehen verändert hätte: Georg Elser und das Attentat gegen Hitler als Ausstellung im KubAA eröffnet.

Aalen

Wenn 13 Minuten eine Wende hätte herbeiführen können und 30 Meter zur Freiheit gereicht hätten. Gewiss, zu viele wenn und hätte. Aber im Falle von Georg Elser würde die Geschichtsschreibung anders aussehen.

Am Mittwoch wurde bei der Ausstellungseröffnung „Ich habe den Krieg verhindern wollen“ im Aalener Kulturbahnhof deutlich, dass der Schreinergeselle aus Königsbronn ein freiheitsliebender Mensch war, der in das Rad der Geschichte eingreifen wollte. Joachim Ziller, Leiter der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn, hat in der Einführung deutlich gemacht, was für Elser wichtig war, welche Motive er für die Tat hatte und mit welcher Akribie der in Hermaringen geborene und in Königsbronn aufgewachsene Widerstandskämpfer seine Tat plante und umsetzte. Sein Drang nach Gerechtigkeit und sein handwerkliches Geschick, das er sich neben seiner Lehre zum Schreiner und einer Vielzahl an Arbeitsstellen angeeignet hatte, war für Elser die Grundlage für seinen Entschluss, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Und mit ihm, so seine Hoffnung, möglichst auch seine engsten Begleiter. Bereits 1938 fasste Georg Elser den Entschluss, so Joachim Ziller, den Führer nebst Göhring und Göbbels umzubringen. Denn durch die Beseitigung dieser drei Männer, so Georg Elser in einem Verhör bei der Gestapo, kämen andere Männer an die Regierung, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen. Doch das war nur eines der vielen Motive, die Elser später zu Protokoll gab und aus dem deutlich wurde, dass er tatsächlich als Einzelperson gehandelt hat und keine Mitwisser hatte. Ort des Attentats sollte der Münchner Bürgerbräukeller sein, denn hier hat sich die nationalsozialistische Führung bisher jedes Jahr seit der Machtübernahme 1933 getroffen. Ziller erläutert in seiner Einführung, wie Georg Elser tickte, dass er sich beispielsweise die Freiheit herausnahm, im Sommer die Arbeit niederzulegen, um im Bodensee baden zu gehen. Doch die Fehlzeiten habe er stets mehr als wieder reingearbeitet, berichtet sein damaliger Chef, wo Elser im schweizerischen Bottighofen in der Schreinerei Schönholzer arbeitet. Mit seinen Kenntnissen aus der Zeit in einer Uhrenfabrik, seinem Talent als Tüftler und Handwerker und seinem Entschluss, den Krieg abzuwenden, machte sich der Königsbronner ans Werk. Mit viel Raffinesse höhlte er die Säule hinter dem Rednerpult aus, an dem Hitler am 8. November 1939 seine Rede halten sollte. Die Bombe wurde platziert, die Zeitzünder eingestellt. Hätte alles so stattgefunden wie in den vergangenen Jahren, wäre das das Ende des Führers gewesen. Doch wegen schlechtem Wetter und dem Plan, nach Berlin mit dem Zug zurück zu fahren, weil kein Flugzeug flog, brach Hitler 13 Minuten vor der Detonation auf. Elser, der mittlerweile von Konstanz aus auf dem Weg in die Schweiz war, viel er zwei Zollbeamten 30 Meter vor der Grenze auf, wurde durchsucht und eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers, ein Abzeichen vom Roten Frontkämpferbund, Uhrwerkteile und Werkzeug entdeckt. Das war noch vor der Detonation der Bombe. Elser, immer noch in Gewahrsam, wurde nach bekanntwerden des Attentats nach München zur Gestapo gebracht. So nahm die Geschichte ihren Lauf und für die Königsbronner wurde Elser zum Feindbild. Denn alle wurden mit ihm in Verbindung gebracht, als Mitwisser beschuldigt und nicht selten gefoltert. Erst 50 Jahre später, nach vielen Gerüchten und falschen Anschuldigungen im Nachhinein, so Joachim Ziller, habe man Elser rehabilitieren und Gedenkveranstaltungen durchführen können. Doch lange noch sind auch in Königsbronn viele traumatisiert und der Ort als „Attentatshausen“ verhöhnt. „Nichts darf in Vergessenheit geraten, denn wir leben seit 78 Jahren in Frieden und das Grundgesetz gibt uns Freiheit“, so Ziller am Mittwoch am Ende seiner Ausführungen.

Die Ausstellung geht bis zum 27. Januar. An diesem Tag ist der Internationale Holocaust-Gedenktag und wird um 19 Uhr in der Stadtkirche mit einer szenischen Lesung, Musik und einer Collage aus dem Verhörprotokoll unter dem Motto „Georg Elser – Allein gegen Hitler“ sowie Liedern des Widerstands begangen.

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