Erinnern und Frieden bewahren

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"Wir müssen laut und deutlich Stopp sagen zu den Feinden unserer freiheitlichen Gesellschaft", sagte OB Thilo Rentschler am Pult. Links die Pfarrer Bernhard Richter und Wolfgang Sedlmeier.
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Bewegende Worte zu "75 Jahre Kriegsende" finden OB Thilo Rentschler und die Pfarrer Bernhard Richter und Wolfgang Sedlmeier am Mahnmal.

Aalen

Ein milder Abend, ein ernster Anlass, aber auch einer, der Grund zu Freude und Dankbarkeit gibt. Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der 2. Weltkrieg. Seither herrscht Frieden. Grund genug, den Tag der Befreiung gemeinsam zu begehen. Geschehen ist dies am Freitagabend am Mahnmal auf der Schillerhöhe.

In Zeiten von Corona war es die erste öffentliche Veranstaltung, zu der rund 100 Menschen kamen – manche mit Masken, alle mit Sicherheitsabstand voneinander. Die Pfarrer Bernhard Richter und Wolfgang Sedlmeier freuten sich über den Vorgeschmack auf Gottesdienste, die nun ja wieder möglich sind.

Das erste Wort nach Musik des Aalener Posaunenchors unter Leitung von Wolfgang Böttiger aber hatte OB Thilo Rentschler: "Das gemeinsame Erinnern an die Opfer und Gräueltaten, ausgelöst durch Krieg und Faschismus, gehört zu unseren Pflichten in einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft. Ein Verzicht wegen Corona wäre ein falsches Signal."

Rentschler erinnerte an die Opfer des Krieges, nannte Zahlen und gab diesen Gesichter. In Aalen war der Krieg bereits in der Nacht zum 23. April 1945 vorbei. Da hatten Wehrmacht und eine SS-Einheit fluchtartig die Stadt verlassen. US-Truppen besetzten die Stadt und befreiten fast 10 000 Zwangs- und Fremdarbeiter aus Lagern, während andere hastig im Garten Parteiabzeichen verscharrten. Befreit wurden auch NS-Gegner, wie Gewerkschaftsführer Karl Mikeler oder der spätere OB Otto Balluff, berichtete der OB.

Nach Scham und Trauer, die stumm machten, lernten Deutsche die Sprache der lebendigen Demokratie. Der Duden hierzu: Aussöhnung zwischen den Völkern. Bei der Verständigung mit Frankreich war die Initiative in Aalen aus der Mitte der Gesellschaft gekommen. Sportlern, Musikern, Schülern und Lehrern sei es zu verdanken, dass Aalen bis heute so viele Städtepartnerschaften pflege. Und mehr: Aalen engagiert sich für Flüchtlinge in Antakya oder Arme in Mosambik. Und Aalen selbst stehe für Vielfalt: Über 130 Nationalitäten leben hier harmonisch miteinander, sagte Rentschler.

"Schließen wir auch die ins Erinnern ein, die jetzt zu Millionen in Flüchtlingslagern leben müssen, die vertrieben wurden aus ihrer Heimat, ohne Hoffnung auf Rückkehr", bat der OB.

"Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet", zitierte Pfarrer Richter in seiner Predigt Simon Wiesenthal. Der Krieg, die Nazi-Herrschaft hätten unfassbares Leid gebracht. Gute Erinnerungskultur sei wichtiger denn je, sagte er. Frieden, auch sozialer, sei aber kein Selbstläufer, sondern müsse täglich aufs Neue verteidigt werden: "Wir haben viel erreicht, aber wir dürfen aus darauf nicht ausruhen."

Pfarrer Sedlmeier las aus der Bergpredigt und formulierte kraftvolle Fürbitten wie diese: "1933 bis 1945, Jahre der Schuld, des Terrors, der Gier, Feigheit, und des Todes. Herr, lass uns daraus lernen, und gib uns den Mut, für eine bessere Welt zu kämpfen." Mit dem Segen endete eine würdige Veranstaltung.

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