Erste Chorprobe nach Corona-Pause

  • Weitere
    schließen
+
Dirigent Hans-Peter Haas probt zum ersten Mal nach der Corona-Pause wieder mit dem Chor der Salvatorkirche. Auf Abstand zu singen, ist für die Sängerinnen und Sänger eine Umstellung.

Seit März sind sie nicht mehr zum gemeinsamen Singen zusammengekommen. Wie der Chor der Salvatorkirche und andere Aalener Kirchenchöre die Proben nun wieder aufnehmen.

Aalen

Wir sind gespannt, wie viele sich zur ersten Probe trauen unter diesen Umständen, schließlich sind die meisten über 60 Jahre alt", hatten der Vorsitzende des Chors der Salvatorkirche, Helmut Erhardt, und der Dirigent, Hans-Peter Haas überlegt. 20 Sängerinnen und Sänger hätten im 200 Quadratmeter großen Saal des Salvatorheims Platz gefunden, bei den vorgeschriebenen Abstandsregeln. 18 haben sich dann am Dienstagabend zur ersten Probe seit dem 10. März eingefunden.

Im Vorfeld hatten Erhardt und Haas alles nach den Vorschriften der Diözese Rottenburg-Stuttgart vorbereitet. Drei Meter Abstand zwischen den Sängern, mindestens 3,50 Meter Saalhöhe sind gegeben, Desinfektionsmittel, betreten des Saals nur mit Maske – alles erledigt. "Wenn mehr Sänger als vorhandene Plätze erscheinen, singen wir im Freien oder in der Kirche", hatte der Vorsitzende angekündigt, "wir sind da flexibel". Zweimal 30 Minuten mit Pause sind erlaubt. "Ich freue mich auf die Probe, erstmals können wir wieder Chorklang erzeugen", sagt Solistin Christine Mairle-Zirbs. Auch Haas freut sich, aber: "Die Stimmen könnten etwas gelitten haben, es ist auch anders, mit so großem Abstand zu singen", erklärt er. So wird er heute nur einfachere Stücke singen lassen. In der Pause habe man im Chor versucht, Kontakt zu halten. So hat Haas mit seiner Familie bei jedem Chormitglied zu Hause ein Ständchen gespielt.

Kurz vor Beginn der Probe um 20 Uhr finden sich die Sängerinnen und Sänger auf dem Hof ein. Sie freuen sich, einander zu sehen, begrüßen sich herzlich. Die Stimmung ist gemischt. "Einerseits freut man sich aufs Singen, andererseits ist halt noch Pandemie", sagt Anneliese Schmied, eine der ältesten Sängerinnen. Gertrud Fürst ergänzt: "Man freut sich auf die Abwechslung, aber bedauert die Bedingungen." Ihr Mann Josef sagt: " Ich hab ein gutes Gefühl, es beginnt etwas Neues."

Zu Beginn begrüßt Erhardt alle und weist auf die Hygienevorschriften hin. So musste jeder seine eigenen Noten mitbringen. Dann es geht es los: Zuerst verschiedene Tonübungen einstimmig, dann mehrstimmig. Danach singt man Kirchenlieder aus dem "Gotteslob". Erst einstimmig, dann mehrstimmig, auch Kanons. Man merkt den Sängern die Freude an.

Einerseits freut man sich aufs Singen, andererseits ist halt noch Pandemie.

Anneliese Schmied Sängerin im Chor der Salvatorkirche

Nach genau 30 Minuten ist Pause. "Es läuft erstaunlich gut", sagt Haas, seit 30 Jahren der Dirigent des Chors. "Es ist schön, wenigstens einen Teil des Chors wieder zusammen zu haben", freut sich Helmut Erhardt. Man habe sich zwar als Schola – eine Kleingruppe Sänger – an Gottesdiensten beteiligt, "aber viele eben nicht".

Er hofft auf steigende Beteiligung in den nächsten Wochen. Im zweiten Teil werden die Stücke langsam anspruchsvoller, unter anderem werden kleine Choräle von Mozart und Bruckner gesungen. Nach der Probe unterhält man sich auf dem Hof – ohne Maske, mit Abstand – dann geht es mit Vorfreude auf die nächste Probe nach Hause.

Wie andere Kirchenchöre proben

Neue Erfahrungen sammeln

"Wir haben am Dienstagabend erstmals wieder mit 16 Damen im evangelischen Gemeindehaus geprobt", erzählt der Kantor der Stadtkirche Thomas Haller. "Und wir haben dabei – nach Einhaltung aller Hygieneauflagen – gemerkt, dass dies eine neue Art des Singens ist." Die Sängerinnen saßen in einem Kreis von acht Metern Durchmesser weit voneinander entfernt, erzählt Haller.

Das Verhältnis von hören und singen, die Wahrnehmung des Anderen müsse deshalb neu gelernt werden. "Das ist sehr anspruchsvoll", sagt der Kirchenmusiker. "Jeder ist auf sich selbst gestellt und kann sich nicht mehr an den anderen anlehnen." Aber vielleicht könne man diese neue Art der Wahrnehmung ja lernen, ist der Chorleiter gespannt. Nächste Woche will Thomas Haller mit zwei anderen Gruppen nacheinander proben, natürlich mit einer Lüftungspause. So könne man vor den Sommerferien jedem Chormitglied die Gelegenheit geben, einmal zu singen. "Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut, dass das überhaupt möglich ist", sagt er dazu.

Der Chor der Marienkirche hat die erste Chorprobe noch vor sich. An diesem Donnerstag, 2. Juli, wird unter Corona-Bedingungen in der Marienkirche wieder gesungen. Die strengen Auflagen der Diözese gelten auch hier. Fünf Seiten umfasst das Hygienekonzept, das dem Chorleiter Ralph Häcker vorliegt. 919 Quadratmeter stehen in der Kirche demnach an Fläche zur Verfügung. Neun Quadratmeter pro Sänger sind notwendig. 102 Sängerinnen und Sänger könnten so rechnerisch an der Chorprobe teilnehmen, erklärt Häcker.

Aber es gibt Kirchenbänke, den Altarraum, die Empore. "Wir haben jetzt 46 Plätze geschaffen", so Häcker. Er rechnet mit 35 bis 40 Chormitgliedern von rund 50. Trotzdem sei es "ein Privileg, singen zu dürfen", sagt Häcker. "Das wird sicher eine völlig neue Erfahrung. Aber ich glaube, es wird gut", so der Chorleiter. Es werde nichts Neues geprobt, sondern Bekanntes, vor allem Homophones. "Das ist im wahrsten Sinne einen Singstunde", sagt Häcker. Und hofft, dass sich in dieser das Gefühl von Geborgenheit und Heimat einstellt. Dagmar Oltersdorf

Jürgen Eschenhorn

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL