Erwin Hafner: Die Verpflichtung überzeugte uns tief

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Erwin Hafner (Mitte) in frühen Jahren in der Pfadfinderkluft.

Rückblick auf 70 Jahre Georgspfadfinder in Aalen – Der Gründer Erwin Hafner erinnert sich.

Aalen. Die Aalener Georgspfadfinder feiern vom  29. April bis 1. Mai auf dem  Naturfreundehaus am Braunenberg drei Tage lang ihr 70-jähriges Bestehen. Dazu kommen auch die „Väter“ des Pfadfinderstammes. Mit Erwin Hafner, der am 1. Mai 1952 mit 14 Freunden den Stamm gegründet hatte, sprach die SchwäPo-Redaktion.

Wie war dies wenige Jahre nach dem Krieg, als die Pfadfinder gegründet wurden?

Erwin Hafner: Nach dem Krieg gab es im kirchlichen Bereich zunächst nur die katholisch Schwabenjugend. Aber mit dem Wiederaufleben vom Bund Neudeutschland (ND), der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), von Jung-Kolping und der DJK schlossen sich die restlichen zwölf Gruppen der Schwabenjugend mit rund 150 Jungen unter meiner Leitung der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) an.

Welche Ziele der Pfadfinder faszinierten junge Menschen damals?

Wir waren nicht etwa nur wegen des großen Hutes und der grünen Kluft begeistert. Nein, das Pfadfindergesetz, die Idee des Dienens und Helfens mit der Losung „Allzeit bereit“ und die Verpflichtung Pflanzen und Tiere zu schützen, überzeugte uns tief. Ganz selbstverständlich verstanden wir uns als katholische Pfadfinder. Erst recht als Jugend der Kirche und der Pfarrgemeinde, aber auch als aktive Gliedgemeinschaft des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Haben Pfadfinder eine Lebensmaxime? 

Ja, die Losung „Be prepared“ (Allzeit bereit), die der Scoutbegründer Baden Powell vor über 100 Jahren ausgegeben hat..

Verstehen sich die Pfadfinder auch als politische Bewegung?

Uns war durchaus bewusst, dass die neu gewonnene Demokratie erlernt werden musste und unser aktives Mitwirken erforderte. So hielten wir nicht nur untereinander im Ring der Pfadfinderbünde engen Kontakt zum Bund der Deutschen Pfadfinder (BdP), genauso wie zu den evangelischen Christlichen Pfadfindern (CP), sondern wir brachten uns auch im Kreisjugendring aktiv ein. Ich war drei Jahre lang dessen Vorsitzender. Nach dem 17. Juni 1953, der Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in Berlin, verteilten wir Flugblätter mit einem Panzer und einer Friedenstaube drauf und dem Slogan “Iwan kehr um, deine Taube macht bumm“. Mit Fackelzügen demonstrierten wir für ein ungeteiltes Deutschland. Auf einer Kundgebung auf dem Marktplatz, bei der ich eine Rede hielt, wurden wir von den etablierten Parteien nur milde belächelt. Wer glaubte damals an ein vereintes  Deutschland?

Welche Hürden müssen die Pfadfinder heute überwinden?

Die Scouts von heute engagieren sich meist sozial - in schwerer Konkurrenz zu Angeboten des Digitalzeitalters und zu vielfältigen andern Angeboten, die freilich meist ganz und gar unter der Zeitgeistprämisse stehen was bringt's?

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