Es geht um den Zusammenhalt

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Catherine Rommel besucht die Redaktion der Schwäbischen Post und spricht über Aalen, ihre OB-Kandidatur und über das, was in der Kommunalpolitik ihrer Ansicht nach wichtig ist.
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Catherine Rommel spricht über ihre Vorstellungen von Kommunalpolitik, teures Wohnen in Aalen, über die Zeit nach Corona und aktuelle Querelen.

Aalen

Catherine Rommel (56) ist Adoptivkind von Manfred Rommel. Mit dessen Vater Erwin wird sie oft in Verbindung gebracht – und manchmal in Sippenhaft genommen, wie sie sagt. Viel wichtiger wäre es der Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, man würde sie, wenn überhaupt, in Verbindung bringen mit ihrem politischen Ziehvater, Manfred Rommel und dessen Politik als langjähriger Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart. Wie auch immer: Der Name Rommel ist Bürde – und bringt Aufmerksamkeit. Sie arbeitet derzeit an einem Buch, in dem sie sich damit beschäftigt, wie sich ein Mann wie Erwin Rommel, der aus einem humanistischen Haus komme, sich so habe blenden und verführen lassen von den Nazis. Aktuell aber gehe es nicht um Erwin Rommel. Und auch nicht um Manfred Rommel. „Es geht in diesem Wahlkampf um Catherine Rommel“, sagt sie. Denn sie will Oberbürgermeisterin werden in Aalen.

Keine Blaupause: OB will sie werden, unterstützt von der CDU, aber als Kandidatin für alle, „weil Aalen eine ganz tolle Stadt“ sei. Ihr gefällt die Umgebung, die Natur. Sie hatte in den ersten Wochen, seit sie sich mit der Kandidatur beschäftigt hat, viele gute Begegnungen. Und sie hat familiäre Verbindungen. So war ihre Mutter Lehrerin am Schubart-Gymnasium. Und habe immer von den „frechen Buben von Wasseralfingen erzählt“, die ihr manchen Streich gespielt hätten. Sie komme nicht mit einer Blaupause für Aalen. Das Allererste, was man machen müsse, das sei genau hinzuschauen.

Fragen, die sie beschäftigen, sind: Wie sieht es denn aus mit dem Zusammenhalt in der Stadt. Wie steht es um das Vereinsleben. Welche Menschen seien herausgefallen aus diesem städtischen Zusammenhalt. Und wie kann man diese Leute zurückgewinnen. Eine Stadt, so ihre Idee, müsse immer Kümmerer sein. „Ich erarbeite Konzepte mit Menschen zusammen“, sagt sie. Die großen Themen, das seien der Zusammenhalt in der Stadt und wirtschaftliche Entwicklung, aber auch Lebensraum und Klima und wie es weitergeht mit Schule und Bildung. „Ich habe ein paar Gedanken, aber das ist die eine Sache.“ Sie möchte die Zeit jetzt im Wahlkampf nutzen, um viele Gespräche zu führen und dann schauen, ob diese Ideen zu dem passen, was sie dabei hört. Da klingt die Beraterin durch. Rommel berät Stadtverwaltungen und Landratsämter, coacht Führungskräfte. Sie war im Team, das den erfolgreichen OB-Wahlkampf von Frank Nopper in Stuttgart gemanagt hat. Gelernt hat sie Bankkauffrau, hat dann VWL und BWL studiert mit Diplom. War immer wieder zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft unterwegs, meist beratend, dann konkret in einer Bäder- und Kurverwaltung.

Zum Beispiel Amazon: Wenn Amazon in Aalen bauen wollte und bräuchte ein großes Grundstück dafür von der Stadt: Dann würde sie nicht gleich „Ja“ oder „Nein“ sagen, sondern erst einmal schauen: Was sagt die Stadtgesellschaft dazu, unabhängig von Namen der Firma. Was bedeutet das für Verkehrsanbindungen, was bedeutet es für die Anwohner, was bedeutet es für die Natur und die Umwelt. Wie kommen die Menschen zur Firma. Pendeln die? Viele Themen, über die man nachdenken sollte, bevor man sagt „Jawohl“.

Nach Corona: Um Einzelhandel und Gastronomie wieder auf die Beine zu helfen, müsse die Stadtverwaltung „unterstützen, verflüssigen, beschleunigen“. Plätze gestalten. Künstler und Kulturschaffende einbeziehen. Flächen zur Verfügung stellen, vielleicht für einen Sandstrand, vielleicht für eine Cocktailparty. „Die Leute brauchen wieder Spaß und Freude am Leben“, die Stadt könne dafür der Rahmen sein.

Der Gemeinderat: Rommel berichtet von ihren Erfahrungen, als sie in der Diskussion, ob die Aalener Erwin-Rommel-Straße umbenannt werden soll, vor dem Aalener Gemeinderat gesprochen habe. Dies hat sie in guter Erinnerung. Zu Querelen in der Vergangenheit könne sie nichts sagen. Ihr Credo sei: „Man muss die Leute ernst nehmen.“ Sie könne gut vereinen und sie gerate selten aus der Ruhe. Das sei oft hilfreich in verfahrenen Situationen.

Querelen: Zu den aktuellen Diskussionen innerhalb der Aalener CDU-Fraktion könne sie „von der Sache her nichts sagen“. Wenn Manfred Traub die Fraktion verlasse, dann werde er seine Gründe haben. Wenn sie ihn treffe, dann freue sie sich trotzdem auf ein Gespräch mit ihm. Sie habe im Übrigen mit Inge Birkhold, die auch als Kandidatin der CDU gehandelt worden war, ein gutes Gespräch gehabt. „Und wir haben gesagt, wir gehen mal essen - nach der Wahl.“

Wohnen in Aalen: Erschreckend sei, wie Wohnraum in Aalen in den vergangenen Jahren teurer geworden sei. Das sei ein großes Thema. Und es gebe Stellschrauben. „Wir haben Dächer, die man ausbauen kann, wir haben Leerstände.“ Die Stadt müsse mehr Beratungsleistung anbieten, damit Eigentümer darin unterstützt werden, Wohnraum auf den Markt zu bringen. In erster Linie gehe es darum, zu nutzen, was da ist. Man werde zwar „die eine oder andere Fläche freigeben müssen“. Aber zunächst: „Nutzen, was da ist.“ Modulare Systeme fürs Wohnen seien eine Idee. Es gebe interessante neue Wohnformen und Lebensformen, wo man mit Quartiersmanagement und Stadtentwicklung viel leisten könne.

Das große Thema: Das herausragendste, alles überstrahlende Thema aber sei das Thema Klima. Landwirtschaft, Wald, Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Bauen: Alles müsse unter dem Thema Klima angeschaut werden, um zu bewahren. Es gebe da viel Gutes, vieles aber müsse noch viel besser vernetzt werden.

Wahlkampf in Corona-Zeiten: Es sei nicht so leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber es werde „etwas besser, weil ja die Inzidenzen runtergehen“. Sie gehe jetzt auf eine zweiwöchige „Zuhörertour“, zu Vereinen, zu Institutionen, sie besuche Menschen und Märkte, sei unterwegs.

Das Geschlecht: Nur acht Prozent der OB in Baden-Württemberg sind Frauen. Ist das Geschlecht wichtig bei einer Bewerbung? Rommel fragt sich eher: „Warum treten so wenig an?“ Grundsätzlich denke sie, es gehe um andere Fragen als das Geschlecht. „Wenn man überzeugen kann, wenn man eine Ausstrahlung hat und gute Ideen, dann wählen einen die Menschen“. Kommunalpolitik sei zudem in erster Linie „zuhören, zuhören, zuhören.“ Und das könne sie.

Die Wahl ist am 4. Juli, noch bis 7. Juni kann man sich bewerben.
Weitere Kandidaten sind Frederick Brütting (37), Bürgermeister in Heubach und Mitglied der SPD. Marcus Waidmann (54), Stadtrat der AfD-Fraktion in Aalen und selbstständig, Ronny Enßlin (46) arbeitet bei der Caritas und kümmert sich um Haushaltsauflösungen, Matthias Müller (54) ist Angestellter beim Gemeindevollzugsdienst in Aalen, Stefan Schmidt (54) ist Gastronom und bekannt als Kritiker der Corona-Maßnahmen, Albert Seitzer (67), pensionierter Schulrat. Die Bewerbungsfrist endet am 7. Juni. Der erste Wahlgang ist am 4. Juli.

Ein Video mit Catherine Rommel gibt's unter www.schwaepo.de.

Zuhören, zuhören, zuhören.“

Catherine Rommel, OB-Kandidatin

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