Es gibt noch 320 freie Lehrstellen

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Verbleib der Bewerber
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Trotz Corona waren ausreichend Ausbildungsplätze vorhanden. Doch die Pandemie sorgte trotzdem für Probleme, wie Arbeitsagentur, Handwerkskammer und IHK berichten.

Aalen

wir haben ein Jahr hinter uns, dass schon sehr stark von der Corona-Pandemie beeinflusst war“, sagt Claudia Prusik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit Aalen. In einigen Bereichen zeigten das auch die Zahlen, die bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg und der Handwerkskammer Ulm zum Ausbildungsmarkt in Ostwürttemberg vorgestellt wurden. Die Sorge im Sommer sei groß gewesen, was die Pandemie mit den Ausbildungsstellen mache.

Weniger Stellen, aber immer noch mehr als Bewerber

Doch rein rechnerisch waren auch 2021 ausreichend Stellen vorhanden, so Prusik weiter. Auch wenn die Zahl gesunken sei. So gibt es im September

3607 Ausbildungsstellen (856 weniger als 2020) für

2447 bei der Agentur und den Jobcentern gemeldeten Bewerber.

1294 davon (52,9 Prozent) streben eine betriebliche Ausbildung an.

931 gehen weiter zur Schule oder studieren

222 bleiben gemeldet, von denen 205 vorläufig eine Alternative gewählt haben.

Jugendliche hätten auch 2021 eine Auswahl, so Prusik. Und die beste im Bezirk Aalen. Hier kommen auf einen Bewerber 2,3 Stellen, in Ellwangen sind es 1,6 und in Gmünd 1. Bessere Auswahlmöglichkeiten gibt es in ganz Ostwürttemberg mit 1,5 Stellen pro Bewerber gegenüber dem Bund. Dort gibt es gerade mal 1,2 Stellen für ausbildungswillige Jugendliche.

Trotzdem: Mit 198 Jugendlichen, die erst mal in einen Job statt in die Lehre gegangen sind, sind das 50 mehr als noch 2020. Abwarten, was wegen der Pandemie noch alles kommt, Studium in Home Office vermeiden, das seien unter anderem die Gründe für den Zuwachs von Erwerbstätigkeit unter den meldeten Bewerberinnen und Bewerbern, so Claudia Prusik. An denen müsse man dranbleiben; ohne Ausbildung oder Studium steige die Gefahr, einmal arbeitslos zu werden. Der Fachkräftemangel werden die Region zukünftig immer mehr beschäftigten. „Wir dürfen keinen einzigen Jugendlichen verlieren“, so Claudia Prusik.

Pandemie-Einfluss: Home-Schooling und fehlende Praktika

Für die Berufsberatung und die Jobcenter war das Jahr 2021 nicht einfach. Eigentlich habe man verstärkt in die Schulen gehen wollen, um dort vor Ort zu beraten. Das sei aber schwierig gewesen, durch den Wechsel zwischen Präsenz- und Heimunterricht und kompletten Schulschließungen, erklärt Claudia Prusik. Zum anderen seien die Berufsberater abgezogen worden, um die Anträge auf Kurzarbeitergeld zu bewilligen. Seit Mai seien aber wieder alle an Bord.

Was aber oft ebenso fehlte, war der Praxisbezug vor der eigentlichen Wahl eines Ausbildungsberufes. Ein Erfolgsfaktor der Berufsorientierung im Handwerk sei das „greifen“- und „begreifen“, erklärten Dr. Stefan Rössler und Dominik Maier von der Handwerkskammer Ulm, die 20 000 Betriebe in ihrem Bereich zählt. Nun würden solche Angebote wieder und aktuell noch angeboten, ebenso wie Berufsorientierungsmessen wie die in Ellwangen am vergangenen Wochenende mit rund 1300 interessierte Eltern und Jugendlichen.

Zwar gebe es digitale Angebote wie den „Lehrstellenradar“ oder „MeisterPower“, aber diese seien Mosaikbausteine, so Rössler: „Präsenz geht über alles.“ Dass auch durch die Pandemie bedingte Betriebsschließungen ein Grund dafür seien, dass ein Minus an Ausbildungsplätzen zu verzeichnen sei, wisse man nicht immer, ergänzte Dominik Maier. Es könne auch sein, dass Corona am Ende nur der Auslöser gewesen sei. Das Angebot an Ausbildungsplätzen schwanke auch von Jahr zu Jahr, weil Betriebe mit nur fünf bis sechs Beschäftigten oft nur alle drei Jahre einen neuen Azubi nehmen würden.

Weniger eingetragene Ausbildungsverhältnisse verzeichnet auch die IHK Ostwürttemberg. „87 weniger als 2020, das kann uns nicht zufriedenstellen“, so André Louis, Leiter des Geschäftsbereiches Ausbildung. Noch gebe es genügend Lehrstellen. Aber die Entwicklung dürfe nicht andauern. Zudem müsse man die Ausbildung attraktiver gestalten, etwa durch Seminare. Bekannter werden müssten auch neue Ausbildungsberufe, die entstanden sei, wie etwa der dualen Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce.

Ausbildungsberufe der Zukunft

Durch die E-Mobilität werde sich beispielsweise auch das Berufsbild des KFZ-Mechatronikers verändern, prognostiziert Dominik Maier. Generell würden immer mehr Berufe mittels digitaler Technik ausgeübt und diese zunehmend auch für Abiturienten attraktiv werden. „Diejenigen, die sich darauf einstellen, haben klasse Berufsperspektiven“, so Maier.

Wir dürfen keinen einzigen Jugendlichen verlieren.“

Claudia Prusik, Agentur für Arbeit
  • Für welche Berufe es noch Lehrstellen gibt
  • Unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es in Ostwürttemberg noch insgesamt 320.
  • Allein 30 für den Beruf des Kaufmanns/-frau im Einzelhandel, 27 als Verkäufer/-in, 15 als Handelsfachwirt/in (Ausbildung) und 11 Fachkraft Lagerlogistik, jeweils 9 für Fachverkaufer/-in im Lebensmittelhandwerk- Fleischerei und Kaufmann-/Kauffrau Büromanagement.
  • Wer einen Ausbildungsplatz sucht, kann sich beim Jobcenter, der Bundesagentur und der IHK Ostwürttemberg melden. Check-U ist ein Online-Test, das zeigt welche Ausbildung oder welches Studium zu den eigenen Stärken und Interessen passt. Bei der IHK gibt es Infos und Ansprechpartner unter http://azubi.ihk.de/

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