Es trifft die Falschen

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Die Aalener Friseurmeisterinnen und Geschäftsinhaberinnen Nicole Utz-Görücü (l.) und Carmen Crespo wehren sich mit vielen Argumenten gegen die drohende Schließung der Friseursalons im Ostalbkreis.

Ab einem Inzidenzwert von 200 sollen auch Friseure im Ostalbkreis schließen müssen. Das seien die falschen Schlüsse, finden Aalener Friseure.

Aalen

Die Coronapandemie hält die Welt in Atem – und auch den Ostalbkreis. Die Infiziertenzahlen steigen stetig. Während es bereits andere Landkreise erwischt hat, kratzt der Ostalbkreis gefährlich nahe an der Marke der 200 Infizierten pro 100 000 Einwohner.

Der springende Punkt: Sobald dieser Wert drei Tage in Folge überschritten wird, droht ein engeres Maßnahmenkorsett, drohen weitere Beschränkungen. Und dann sollen auch Friseure schließen müssen. Wieder. Und das gerade im Monat aller Monate, dem Dezember. Das Weihnachtsgeschäft geht mit großer Wahrscheinlichkeit flöten. "Der Dezember rettet uns über den schlechten November und den Januar", erklärt Nicole Utz-Görücü von Kat&more in Aalen.

Nicht allein deshalb wehren sich nun die Friseure aus dem Ostalbkreis. Hinter ihnen liegt ein schwieriges Jahr mit eingeschränkten Umsätzen, dafür hatten sie umso mehr Ausgaben. "Wir Friseure haben viel Zeit, Arbeit und Geld investiert", sagt Utz-Görücü. "Unser Hamam ist komplett geschlossen und auch die Kosmetikabteilung mit mehreren Mitarbeitern musste wegen des Lockdown-Light wieder geschlossen werden." Im Obergeschoss des Ladens werden beispielsweise Kunden empfangen, die einer Risikogruppe angehören, um deren Risiko weiter zu verringern.

Auch Carmen Crespo von Style In Artists hat investiert. 3000 Euro haben die Luftfilter gekostet, die nun bei ihr im Laden stehen. Dazu werden Abstände eingehalten, Masken aufgesetzt, regelmäßig desinfiziert, Spuckschutze an den Waschbecken sorgen für mehr Sicherheit.

Und trotzdem soll es nun auch wieder sie treffen. Genau da sehen die Friseurinnen, die der Friseurvereinigung Intercoiffure angehören, die Gefahr: "Die Leute werden irgendjemanden finden, der ihnen zu Hause die Haare macht", so Crespo. Und das sei viel schlimmer. Denn Schutzmaßnahmen wie in den Salons sind zu Hause nicht gegeben. "Auch im ersten Lockdown gab es das und es wird wieder vorkommen." Utz-Görücü stimmt zu: "An Weihnachten wollen sich die Leute wohlfühlen."

Der Dezember rettet uns über die schlechten Monate.

Nicole Utz-Görücü, Friseurmeisterin bei KAT&more

Verärgert sind die beiden Aalener Friseurinnen besonders, weil im Ostalbkreis kein Coronafall auf die Friseure zurückfällt.

In anderen Landkreisen in Baden-Württemberg sehe die Lage der Friseure nicht viel anders aus. Überall sei man verärgert, schließlich habe man viel investiert. In ersten Landkreisen, wie in Lörrach, dürfen Friseure trotz Hotspot öffnen. Im Ostalbkreis sollen sie ab der Inzidenz von 200 aber schließen. "Es trifft die Falschen", findet Utz-Görücü.

Beide Friseurinnen erzählen, dass am Freitag das Telefon nicht mehr stillstand. "Die Verunsicherung ist groß", teilt Utz-Görücü mit. Einige Termine werden nun vorgezogen, die Öffnungszeiten ausgedehnt.

Die Krux an der Schließung: Hilfen vom Staat gibt es dann keine. Sollte der harte Lockdown kommen, können Friseure die finanziellen Hilfen in Anspruch nehmen. Bis dahin hoffen sie, das Weihnachtsgeschäft noch wenigstens bis Heiligabend fortführen zu können.

Die Schließung für Friseure rückt näher

Liegt der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 200, gilt der Ostalbkreis als Hotspot. Und das zieht Verschärfungen nach sich. Bei einer Entwicklung wie in den vergangenen Tagen erwartet die Landkreisverwaltung das Erreichen der 200er-Marke im Laufe der nächsten Woche.

Für Friseure im Ostalbkreis steht bei der Überschreitung die Schließung auf dem Plan – und zwar über die landesweit ab Samstag ohnehin geltenden Ausgangsbeschränkungen hinaus. Friseurbetriebe sowie Barbershops und Sonnenstudios werden geschlossen. Medizinische Behandlungen bleiben möglich, sofern medizinisch notwendig. Arztbesuche bleiben generell erlaubt; gegebenenfalls ist der Arzt vorab telefonisch zu kontaktieren, heißt es im Schreiben des Landratsamtes. Mehr dazu auf Seite 26.

Das Land Baden-Württemberg verschärft ab diesem Samstag die Ausgangsbeschränkungen. Konkrete Schließungen waren hier kein Thema, werden es aber bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Sonntag sein. "Das hat für Verunsicherung gesorgt", weiß Friseurmeisterin Nicole Utz-Görücü. Die Folge: Friseure ziehen Termine auf Samstag vor, weil nicht klar ist, wie lange sie noch geöffnet haben dürfen.sas

Sara Schwellinger

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