Evakuierung: Der logistische Aufwand ist enorm

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Koordinieren Warnung, Transport und Betreuung, v.r: Bernd Schiele (Malteser), Jürgen Scherer, Leiter des Führungsstabs Katastrophenschutz, Thomas Köninger (THW), Deniz Saglam (DRK) und Markus Taglieber (Johanniter)
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Jürgen Scherer, Leiter des Führungsstabs Katastrophenschutz, hält die Fäden in der Hand.

Aalen. Die Dimension ist groß, der logistische Aufwand enorm: Rund 500 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Hilfsorganisationen werden nach Schätzungen von Jürgen Scherer am Samstag, 5. März, in einem minutiös durchorganisierten Evakuierungseinsatz zusammenarbeiten. Jürgen Scherer ist stellvertretender Kreisbrandmeister und Leiter des Führungsstabs Katastrophenschutz, der bei der Landkreisverwaltung angesiedelt ist. Auch Scherer versieht diese Aufgaben ehrenamtlich. Er trägt die Verantwortung dafür, dass am Evakuierungstag viele Rädchen ineinanderlaufen, damit Warnung, Räumung, und gegebenenfalls Transport und Betreuung der Menschen aus dem Bomben-Evakuierungsgebiet reibungslos funktionieren.

„Eine vergleichbar große Lage, die eine Evakuierung von rund 3300 Menschen notwendig werden lässt, hatten wir hier in Aalen in den vergangenen Jahrzehnten noch nie“, macht Scherer das Ausmaß des zu organisierenden Katastrophenschutz-Einsatzes deutlich.

Diese Rettungsdienste sind im Einsatz: Helferinnen und Helfer von Feuerwehr (74) und THW (220) sind wie die Polizei am Samstag für die Warnung der Bewohnerinnen und Bewohner im Evakuierungsgebiet zuständig. Daneben tragen sie dafür Sorge, dass alle Menschen ab etwa 7 Uhr Samstagfrüh die Evakuierungszone verlassen. Malteser (68 ehrenamtliche Helfer), DRK (46) und Johanniter (40) konzentrieren sich auf den Einsatzabschnitt „Transport und Betreuung“ von Bewohnern, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.

Auf Hilfe Dritter angewiesen sind rund 110 Personen, weiß die städtische Pressesprecherin Karin Haisch. Darunter sind Menschen, deren Mobilität so eingeschränkt ist, dass sie entweder sitzend in einem normalen Fahrzeug befördert werden müssen oder in einem Rollstuhltransport oder auch liegend in einem Krankentransport- oder Rettungswagen.

Die Transporte beginnen am Samstag gegen 7 Uhr früh, „zum Teil auch schon früher“, sagt Scherer. Die Transporte der drei Hilfsorganisationen Malteser, DRK und Johanniter werden im Voraus disponiert, das benötigte Fahrzeugkontingent bereit gehalten. Die Leitung der Transportorganisation liegt bei den Maltesern. „Sie sorgen dafür, dass die Personen wohlbehalten am Ausweichquartier für diesen Tag, also am Schubart Gymnasium ankommen“, so Scherer. Für kurzfristige Transporte und Notfälle seien freie Reserven eingeplant, ergänzt Bernd Schiele, Abschnittsleiter „Transport“.

Für schwer pflegebedürftige Bewohner ist ein Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung für diesen einen Tag organisiert. Haisch: „Eine Senioreneinrichtung in Aalen, die freie Kapazitäten gemeldet hatte.“

Betreuung im Ausweichquartier Schubart-Gymnasium: Hier werden Bewohner, die für den Samstag keine andere Unterkunft haben - Stand Dienstag waren es knapp 80 - umfassend betreut, sagt Deniz Saglam (DRK), ein Sprecher des Einsatzabschnitts „Betreuung“. DRK und Johanniter sorgen für ein Rundum-Gesamtpaket mit Beschäftigungsmöglichkeiten und Gesprächspartnern zur Ablenkung, damit die Betroffenen die Zeit bis zum Abend in angenehmer Atmosphäre erleben. „Die Verpflegung mit Frühstück, Mittagessen und Getränken hat die Stadtverwaltung organisiert.“

Wer sich in Corona-Quarantäne befindet und wer bis einschließlich Samstagmorgen positiv auf das Corona-Virus getestet wird, dem bietet die Stadt Aalen separate Unterkünfte, die sie extra für diese Fälle organisiert hat. Getestet werden automatisch auch alle Personen, die ins Ausweichquartier im SG kommen.

Wer sich bis zum Morgen, 5. März, positiv testet, den bittet die Stadtsprecherin, sich via Bürgertelefon mit der Stadtverwaltung in Verbindung zu setzen, Tel. (07361) 521025. Das Bürgertelefon ist am Samstag ab 6 Uhr geschaltet, am Freitag von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr.

Für die Verpflegung der rund 500 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie der Polizei sorgt das THW. „Das Essen wird bei uns im Ortsverband in mobilen Küchen zubereitet, verpackt und an die Einsatzkräfte ausgeliefert“, sagt Thomas Köninger vom THW Ortsverband Aalen.

⋌Ulrike Wilpert

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Jürgen Scherer, Leiter des Führungsstabs Katastrophenschutz in der Leitstelle im Landratsamt Aalen.

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