Eventbranche in Zeiten von Corona: Wie Veranstalter kämpfen

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Stadtfeste wie die Reichsstädter Tage sind in diesem Corona-Jahr komplett ausgefallen. Veranstalter leben von solchen Festen und haben es aktuell besonders schwer. Archivfoto: Oliver Giers
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Die Eventbranche ist stark betroffen von der Pandemie und dem Lockdown. Wie es Veranstalterunternehmen im Kreis geht.

Aalen/ Schwäbisch Gmünd

Kein erster und zweiter Lockdown – die Veranstaltungsbranche hat mit einem durchgängigen Lockdown zu kämpfen.

"Unsere Branche wurde als erstes aus dem Betrieb genommen und wird als letztes wieder den Betrieb aufnehmen", sagt Christian Mathéus, Geschäftsführer der Abtsgmünder Firma ProChecked und Meister für Veranstaltungstechnik. Es sei eine ernst zu nehmende Branche, hinter der viele Menschen und damit auch viele Existenzen stehen: Künstler, Tontechniker, Sicherheitsdienste, all diejenigen, die in auch nur geringster Weise etwas mit Kultur und Veranstaltungen zu tun haben.

Mathéus: Christian Mathéus ist einer der wenigen in der Veranstaltungsbranche, die in dieser Zeit trotzdem viel Glück hatten. Während die meisten in der Kulturszene keinen einzigen Auftrag ausführen konnten, war er gerade wegen Corona gut beschäftigt: Für die Planung der Drive-in-Station auf dem Greutplatz hat sich der Krisenstab des Ostalbkreises für sein Unternehmen entschieden. Zudem ist Christian Mathéus nun bei der Stadt angestellt und kümmert sich um die Vermarktung und Betreuung des Kulturbahnhofs und der Stadthalle. Doch nicht alle Veranstaltungsmacher hatten so viel Glück.

UBS: Das Aalener Unternehmen UBS ist unter anderem für das Feuerwerk an den Reichsstädter Tagen verantwortlich. Geschäftsführer Alexander Fischer muss sich nun einen Plan B überlegen.

Allein im Juni sind ihm 35 Veranstaltungen weggebrochen. Einigen 450-Euro-Jobbern musste er kündigen, seine letzten zwei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Gut, dass er noch etwas anderes gelernt hat. Fischer will nun mit Elektroinstallation und Reparaturen einigermaßen über die Runden kommen.

Mixtown: Besonders hart ist es für freie Mitarbeiter, sagt Dominik Arnold, Geschäftsführer des Gmünder Veranstaltungstechnikers mixtown. "Für die können wir im Moment gar nichts machen."

Aus einem Künstler kann man nicht einfach einen Schreiner machen.

Christian Mathéus Meister für Veranstaltungstechnik

Viele sehen hier keine Chance mehr und werden sich in anderen Branchen umsehen. Zwar stehen er und sein Geschäftspartner hinter den Verordnungen, der zweite Lockdown sei aber für diese Branche nicht mehr nachvollziehbar. Die Veranstaltungsbranche habe coronataugliche Konzepte strikt umgesetzt.

Seiner Meinung nach hätte man die Kultur unter gewissen Regelungen weiterlaufen lassen können. "Schade, dass alles über einen Kamm geschert wird", sagt er. Zwar hatten einige Veranstaltungsunternehmen im Sommer einen kleinen Aufschwung, davon leben können aber die wenigsten.

"Es war wichtig, dass man was macht", sagt Arnold. Damit zeige man, dass man noch da ist. Zudem sei es wichtig gewesen, auch mal etwas für die Seele zu bieten. Beim Festival in Wetzgau hatte das Gmünder Unternehmen mixtown mitgewirkt.

Silverdust: Für die Abtsgmünder Firma Silverdust dreht sich eigentlich das ganze Jahr um die Planung des großen Festivals Summerbreeze in Dinkelsbühl. Man müsse mal überlegen, wie viele Menschen allein bei diesem Festival beschäftigt sind, sagt Marketingleiter Alexander Härtel. Künstler, Studenten, Freiberufler – insgesamt arbeiten fast 600 Leute rund ums Summerbreeze hinter den Kulissen.

CCS Gmünd: Anfang des Jahres war der Terminkalender im CCS Congress Centrum in Schwäbisch Gmünd noch rappelvoll. Heute sind 50 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, sagt Geschäftsführer Wolfram Hub. Die Arbeit geht nicht aus, Verwaltungsaufgaben gibt es genügend. Aber die Einnahmen fehlen.

Das einzige, was im Stadtgarten laufe seien die Sitzungen der Gremien, sonst nichts. "Es ist eine Katastrophe", sagt Hub. Hygienekonzepte wurden erarbeitet, sogar die Lüftung wurde umgestellt. Hilft alles nichts. Obwohl die Situation laut Hub "total extrem schlecht" ist, "ist der Schutz der Menschen wichtiger, als den Einnahmen hinterherzujammern."

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