Festival im Stadtgarten wird eine Corona-Feuerprobe

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So sieht der Plan aus fürs Festival. SDZ-Grafik: Bettina Opferkuch

Das Festival "Aalen live – we will survive" startet am kommenden Wochenende. Wie für die Sicherheit aller gesorgt wird, erklärt Christian Mathéus.

Aalen

Es wird die Aalener Feuerprobe. Bis zu 500 Menschen dürfen am kommenden Wochenende beim zweitägigen Festival "We will survive" im Aalener Stadtgarten dabei sein. Die erste Veranstaltung in der Stadt, die die geltende Corona-Verordnung nach den aktuellen Regeln für den Kulturbereich zumindest theoretisch voll ausreizen wird. Ein logistischer Kraftakt. Wie steuert man das Publikum, wer kann wo sitzen, wie läuft der Einlass, die Versorgung im gastronomischen, dem damit logisch zusammenhängenden sanitären Bereich? Fragen, die Christian Mathéus, der hinter allem stehende Meister für Veranstaltungstechnik, im Interview mit Redakteurin Dagmar Oltersdorf beantwortet.

Herr Mathéus, Sie sind für die Sicherheit beim Festival zuständig. Wie schwierig ist diese Aufgabe?

Christian Mathéus: Es gibt unter den aktuellen Bedingungen ja keine Veranstaltungsroutine. Außer, dass man die aktuell geltenden Corona-Hygieneregeln natürlich einhalten muss. Die Besucher werden eine Situation vorfinden, die sie eigentlich nicht kennen. Wegen dieser Regeln, aber auch wegen des Ortes. Wo und mit wem darf ich zusammensitzen, das ist eine der wichtigsten Fragen.

Welche Antwort geben Sie darauf?

Wir dürfen im öffentlichen Bereich 20 Personen zusammenbringen. Ohne Abstandsregel. Das ist uns aber zu eng. Wir haben uns also viele Gedanken gemacht. Was ist, wenn nur zwei zusammen kommen, was wenn sechs? Unsere Lösung sind drei nebeneinandergestellte Biertische und vier Bänke drumherum. So schaffen wir überall mindestens 1,50 Meter Abstand zum Gegenüber. Eigentlich finden fünf Menschen auf einer Bank Platz, aber das finden wir zu eng. Nun werden drei Personen auf einer Bank sitzen, also zwölf an einem großen Tischensemble. Insgesamt haben wir aber 552 Plätze, also immer noch einen Puffer für Menschen, die lieber alleine sitzen.

Von denen die Daten dann wie erfasst werden?

Nicht am Eingang. Es wird zwei Besucherzugänge geben. Einen an der Curfeßstraße, einen auf der gegenüberliegenden Seite bei der Uhlandrealschule. Der Zugang erfolgt kontaktlos, die Besucher zeigen ihr Ticket und dürfen dann rein. Die Abstände sind dabei natürlich einzuhalten, zudem muss man bis zum Platz eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Die Platzwahl ist frei, die Daten werden an den Tischen auf Listen erfasst. Das machen auch die Mitglieder beider Vereine, die die Listen zudem kontrollieren. Mickey Mouse und Goofy als Name, das funktioniert nicht. Wer Probleme hat, dass seine Daten auf einer Liste mit anderen erfasst werden, bekommt eine leere Liste. Wer dann aber an einem Tisch sitzt, ist an diesen auch gebunden.

Und wenn ich Durst und Hunger bekomme?

Dann die Maske wieder aufsetzen und den Wegen folgen, die wir überall aufzeichnen. Zahlreiche Piktogramme werden zudem zeigen, wie's funktioniert. Und damit wir so wenig wie möglich Bargeldverkehr haben, kauft man Bons für einen bestimmten Betrag. Was übrig bleibt, gibt's zurück. Man darf das Geld aber natürlich auch spenden.

Im Stadtgarten gibt es ja keine Toilette. Wie wird denn das geregelt?

Wir haben moderne Toilettenwagen. So viele, dass wir immer einen sperren können. Sie werden stündlich gereinigt, das übernimmt ein gewerbliches Unternehmen. Ansonsten gilt das übliche Procedere. Vorher desinfizieren, Hände waschen.

Wie macht man denn all das richtig?

Ich habe Schulungen besucht, mich also diesbezüglich weitergebildet. Die genaue Bezeichnung ist nun zertifizierter Hygiene- und Infektionsschutzbeauftragter für Veranstaltungen und Versammlungsstätten. Das ist auch sinnvoll, denn wenn man so etwas plant, sollte diese Planung als Basis nicht ein gefährliches Halbwissen haben. Ich bin jetzt kein Virologe, aber es muss schon so sein, dass etwas praktikabel und auch wirklich durchführbar sein kann. Deshalb eben auch diese Art der Bestuhlung.

Wie wird die Einhaltung der geltenden Regeln kontrolliert?

Zunächst einmal – es geht ja auch um die Eigenverantwortung des Einzelnen. Wir appellieren hart an die Vernunft. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter von den Vereinen sind vor Ort, aber auch ausreichend Sicherheitspersonal. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss das Gelände dann leider verlassen. Es gibt da wenig Toleranzen, auch angesichts dessen, welchen Aufwand wir im Vorfeld hatten. Und angesichts dessen, welche Bedeutung dieses Festival hat.

Was heißt das konkret?

Das ist die erste Veranstaltung in Aalen, die in dieser Größe so stattfindet. Wenn die floppt, dann war es das erst mal wieder. Das Festival ist aber nicht nur deshalb ein Leuchtturmprojekt. Es ziehen erstmals die beiden örtlichen Kulturvereine, die zwar befreundet sind, auch an einem Strang. Und es ist der Stadtgarten, wo es so etwas meines Wissens noch nie gab. Es ist schön dort und gut kontrollierbar und wir sind überzeugt, dass es auch trotz der Einschränkungen ein tolles Festival wird.

Das Festival "Aalen live – we will survive"

Am Freitag, 28. und Samstag, 29. August, steigt im Stadtgarten ein zweitägiges Open-Air-Festival unter dem Titel "Aalen live – we will survive" – präsentiert von der Schwäbischen Post. Gemeinsam holen die Vereine "kunterbunt" und "Kulturfreunde Galgenberg" dabei am Freitag "I am Korny", "Tightrope" und die "Stumpfes" auf die Bühne. Beginn 18 Uhr, Einlass 17 Uhr. Am Samstag stehen ab 15 Uhr (Einlass 14 Uhr) "Stefan Frank Guitar Power," das Svend Renkenberger Duo, Edler Giebelmaier (Martin Giebel, Christoph Dangelmaier, Eddy Cichosz), Honky Phonq und als Topact Cosmo Klein auf der Bühne. Das zunächst für Samstag angekündigte Simon-Fürst-Trio hat abgesagt, dafür spielt Honky Phonq.

Tickets gibt's nur online unter www.aalener-jazzfest.de. Kosten pro Abend 20 Euro, dazu Versandgebühr.

Spenden an Kunterbunt KSK-Ostalb DE87 6145 0050 0110 6961 77 oder an Kulturfreunde Galgenberg KSK Ostalb DE12 6145 0050 0805 4254 95.

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