Feuer in Greutschule - Polizei vermutet Zusammenhänge zu anderen Bränden

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Aalener Greutschule.
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Rund 40 000 Euro Schaden - Schulbetrieb im Hauptgebäude vorerst nicht möglich. Polizei geht von Brandstiftung aus.

Aalen

Halb sechs am Dienstagfrüh: Wieder Feueralarm. Wieder kommt eine Aalener Schule zu Schaden. Diesmal müssen Feuerwehr und Polizei zu einem Brand in der Aalener Greutschule ausrücken. Vor Ort treffen sie auf ein stark verrauchtes Hauptgebäude.

Gegen Mittag liegt eine erste Schadensschätzung vor: rund 40 000 Euro. „Das ist nach dem Brand im Waldorfkindergarten Anfang Dezember mit mehreren hunderttausend Euro die zweithöchste Schadenssumme“, sagt am Nachmittag Polizeisprecher Bernd Märkle auf Nachfrage.

Das Wort „Feuerteufel“ will er zwar nicht in den Mund nehmen. Dennoch: Ja, man müsse schon davon ausgehen, dass es zwischen den in jüngster Zeit vermehrt auftretenden Bränden in und an Schulen sowie Kindergärten Zusammenhänge gibt, sagt er. Momentan sei es nur ein vermuteter Zusammenhang. Die Ermittlung all dieser Fälle liegt bereits seit einigen Wochen beim Kriminalkommissariat.

Doch zurück zur Greutschule: „Nach ersten Ermittlungen stammt die Rauchentwicklung von einem Brand auf einem Lehrerpult eines Klassenzimmers“, teilt die Polizei am Dienstagmittag mit. Bereits zu diesem Zeitpunkt gehen die Ermittler von einer Brandstiftung aus; also davon, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Denn im Erdgeschoss hatten sie an Türen und Fenster entsprechende Beschädigungen festgestellt.

Ja, man muss schon davon ausgehen, dass es zwischen den Bränden Zusammenhänge gibt.“

Bernd Märkle, Polizeisprecher

Raum komplett zerstört

Dieser Raum, der für die Ganztagesbetreuung genutzt wurde, liegt im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. „Der Raum ist komplett zerstört“, berichtet Feuerwehrkommandant Kai Niedziella auf Nachfrage. „Mobiliar, Elektrik, Wände, Fenster ... durch Ruß und Hitzeentwicklung ist alles kaputt. Totalschaden.“

Niedziella war frühmorgens selbst vor Ort. Ein erweiterter Löschzug mit drei Löschfahrzeugen, Drehleiter, Gerätewagen, Atemschutz, Kommandowagen und Einsatzleitwagen wurde angefordert. Eineinhalb Stunden lang sind insgesamt 21 Mann zur Brandbekämpfung im Einsatz. Glück im Unglück: „Zu einem Vollbrand ist es glücklicherweise nicht gekommen. Als wir kamen, war das Feuer schon wieder am Abklingen“, berichtet der Feuerwehrkommandant weiter.

Jedoch: Durch die starke Rauchentwicklung wurde das gesamte Hauptgebäude der Greutschule in Mitleidenschaft gezogen.

Hauptgebäude nicht nutzbar

„Das Hauptgebäude mit zehn Klassenzimmern, sieben Betreuungsräumen und der Schulküche ist aktuell nicht nutzbar“, sagt Schulleiter Matthias Thaler am Dienstagnachmittag. Beißender Brandgeruch liege in der Luft, lagere sich an Wänden und Decken ab. „Solange noch kein Ergebnis der Raumluftmessungen vorliegt, können wir keine Kinder ins Hauptgebäude lassen.“

Laut der städtischen Pressesprecherin Karin Haisch waren Mitarbeiter der städtischen Gebäudewirtschaft und eine Spezialfirma am Dienstagnachmittag vor Ort; für Reinigungs- und Aufräumarbeiten. Aber auch, um die Raumluft zu messen. Die Ergebnisse seien aber erst Ende dieser Woche zu erwarten. Solange werde auch kein Unterricht im Hauptgebäude stattfinden.

Am Dienstagmorgen hatte der Schulleiter über die Schulinfo-App kurzfristig den kompletten Präsenzunterricht für Dienstag absagen müssen. „Das Nebengebäude ist nicht betroffen. Da wird der Unterricht für die Klassen 1 und 2 ab diesem Mittwoch wieder stattfinden können“, so Thaler. Allerdings nur mit eingeschränktem Betreuungsangebot, da sich die Betreuungszimmer im Hauptgebäude befinden.

Thaler: „Wir würden auch das Hauptgebäude gerne so schnell wie möglich wieder öffnen. Aber dafür muss sich die Qualität der Luft noch um einiges verbessern.“ Jetzt heiße es erst einmal: Fenster auf und lüften, lüften, lüften.

Wer kann Hinweise geben?

Indessen bittet das Kriminalkommissariat Aalen Personen, die in der Nacht von Montag auf Dienstag verdächtige Wahrnehmungen im Bereich der Greutschule gemacht haben, sich mit der Kriminalpolizei Aalen unter (07361) 5800 in Verbindung zu setzen.

  • Vermuteter Zusammenhang zwischen Feuer in Greutschule und anderen Bränden
  • Bewiesen ist noch nichts. Aber laut Polizeisprecher Bernd Märkle vermutet die Polizei einen Zusammenhang zwischen dem jüngsten Feuer in der Greutschule und weiteren Bränden. Märkle etwa weist auf Parallelen hin zwischen dem Feuer am 4. Januar in einem Schulgebäude auf dem Galgenberg und dem aktuellen Brand in der Greutschule. Auch am Galgenberg sei der Brand von auf dem Lehrerpult eines Klassenzimmers entzündetem Papier ausgegangen. Und auch dort verschafften sich der oder die Täter zuvor Zutritt durch ein eingeworfenes Fenster. In derselben Nacht, am 4. Januar, hatten Unbekannte auf der Terrasse eines betreuten Wohnheims im Hirschbach die Schutzfolie der Gartenstühle abgefackelt. Eine Mitarbeiterin hatte gegen 1.20 Uhr den Brand bemerkt. Somit konnte rechtzeitig Schlimmeres verhindert werden. Aber auch kleinere Brände, wie etwa brennende Altpapiertonnen, fügt die Polizei in diese Reihe. Sowie auch den am Freitag, 17. Dezember, bei der Realschule am Galgenberg lichterloh in Flammen stehenden Papiercontainer. Dadurch war an der Außenfassade der Sporthalle ein Schaden von 10 000 Euro entstanden.
  • Der größte Schaden in diesem vermuteten Zusammenhang entstand am 1. Dezember beim Brand im Waldorfkindergarten. Der Alarm ging ebenfalls in den frühen Morgenstunden ein und forderte rund 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr. Das Feuer war von einem Mülleimer ausgegangen und griff auf Fassade und Dach über. Schaden: mehrere hunderttausend Euro, so Bernd Märkle.
Dieser Betreuungsraum im Erdgeschoss des Greutschul-Hauptgebäudes ist durch den Brand komplett zerstört.
Am frühen Dienstagmorgen wurden Feuerwehr und Polizei alarmiert, weil es in einem Betreuungsraum im Hauptgebäude der Greutschule brannte. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Symbolbild

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