Film ab für Pelzwasen und Petticoats

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Winterlicher Wochenmarkt, Modenschau im Spritzenhaussaal, Badefreuden im Hirschbachbad und OVA Ausfahrt zum großen Glockner.

Stadtarchiv und Kino am Kocher zeigen einen Aalener Filmschatz aus den 1950er-Jahren, die „Aalener Wochenschau“, Filmberichte aus Aalen, die vor den Hauptfilmen gezeigt wurden.

Aalen

Filmaufnahmen von fröhlichem Faschingstreiben, rasanten Radrennen durch Aalen, der Schubart-Literaturpreis-Verleihung und ausgelassenen Tänzen beim Abschlussball: Was in Zeiten von YouTube und TikTok die meisten mit einem „Na und?“ kommentieren würden, war im Aalen der 1950er-Jahre ein Höhepunkt des Kinobesuchs. Die „Aalener Wochenschau“ des Fotografen und Kameramanns Emil Sperle wurde im Vorprogramm des Union-Theaters gezeigt und stieß auf Begeisterung, nicht zuletzt deshalb, weil sich viele Aalenerinnen und Aalener auf der Leinwand wiederentdeckten.

Die Schwarz-Weiß-Filme, heute im Besitz des Stadtarchivs und seit Kurzem aufwendig digitalisiert, zeichnen ein lebendiges Bild von Aalen zwischen 1950 und 1957. Da es sich um Stummfilme handelt, offenbaren oft erst Recherchen die Geschichten hinter den Aufnahmen. Etwa bei einer Filmsequenz, in der sich Aalenerinnen und Aalener 1951 bei Temperaturen um die 40° im Hirschbachbad abkühlen. Dass sie zu diesem Zeitpunkt buchstäblich badeten, bis die Polizei kam, verrät erst der Blick in die Zeitung. Tatsächlich wollten sie nicht mehr drei Tage bis zur offiziellen Eröffnung warten und brachen in das Bad ein. Der SchwäPo-Kommentator stellte sich übrigens damals auf die Seite der Badefreudigen und urteilte, schuld sei allein die Sonne.

Aufbruch und Aufbau

Das Hirschbachbad war eben vielgeliebt und gut besucht. 1953 musste es erweitert werden – eines von vielen Aalener Bauprojekten der 1950er-Jahre. Neben dem Kreiskrankenhaus und der Stadthalle entstanden neue Wohnsiedlungen. Mithilfe der Heimstättengenossenschaft bauten sich Heimatvertriebene und Alt-Aalener auf dem Pelzwasen ein eigenes Zuhause. Sperles Wochenschau begleitete das die Siedlung über Jahre, fing das Richtfest ebenso ein wie die schweißtreibende Arbeit der zukünftigen Bewohner auf dem Bau und zu guter Letzt den Einzug in die liebevoll eingerichteten Eigenheime.

Freizeit und „Glamour“

Auch das Freizeitvergnügen und andere schöne Dinge des Lebens kamen in der Wochenschau nicht zu kurz. Regelmäßig berichtete sie über die Modenschauen der Aalener Boutiquen, die nicht nur ein zahlreiches Publikum anlockten, sondern auch das Lob der Presse ernteten. „Es ist nicht nötig, in die Großstadt zu fahren“, befand die SchwäPo 1952 und bezeichnete Aalen gar als „Klein-Paris“. 1953 wurde die Wochenschau international: Das Kamerateam begleitete eine vom OVA organisierte Österreich-Reise. Das Ergebnis: malerische Aufnahmen vom schneebedeckten Großglockner, vom Oldtimer-Reisebus und von glücklichen Reisenden.

Diesen Filmschatz will das Stadtarchiv dem Aalener Publikum nicht vorenthalten: Die Wochenschau kommt ins Kino am Kocher, musikalisch begleitet von einem Ensemble der Musikschule. Stadtarchivar Dr. Georg Wendt und Carola Moser erzählen die Geschichten hinter den Filmen. „Dabei“, so verrät Stadtarchivar Dr. Wendt, „sind Sequenzen, die seit 70 Jahren niemand mehr gesehen hat.“

Premiere ist am 23. März, zwei weitere Aufführungen finden am 27. und 30. März statt.

Achtung: Wenige Restkarten gibt es direkt beim Kino am Kocher. Einen Vorgeschmack auf die Filme findet man unter www.aalen.de/sperle sowie auf dem YouTube-Kanal der Stadt Aalen Ausschnitte der Wochenschau.

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