Frauen kritisieren offene Bordelle

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Plakataktion: Das Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und (Zwangs-)Prostitution protestiert gegen die Öffnung der Bordelle.

Das Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und (Zwangs-) Prostitution protestiert im Rahmen einer bundesweiten Kampagne gegen die Wiedereröffnung der Bordelle in Corona-Zeiten.

Aalen

Zwanzig Stunden Sex am Stück oder Ivana sieht ihre Kinder nie wieder" steht auf dem Banner an der Bohlschule. Das Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und (Zwangs-) Prostitution protestiert damit im Rahmen einer bundesweiten Kampagne gegen die Wiedereröffnung der Bordelle in Corona-Zeiten.

Seit dem 12. Oktober haben die Bordelle in Baden-Württemberg wieder geöffnet. Es sei absurd, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Abstand zu halten und Maske zu tragen, während Freier weiterhin Frauen kaufen können, sagt Marietta Hageney, Geschäftsführerin des Ostalb-Bündnisses und Leiterin der Beratungsstelle SOLWODI. "Der Staat hat die Aufgabe, Bürgerinnen und Bürger zu schützen", so Hageney. Dass die Umsetzung der Hygieneregeln in Bordellen fragwürdig ist, zeige ein Blick in die Internetforen, in denen sich die Freier austauschen. Das sei alles möglich. "Prostitution ist Gewalt und macht krank", sagt Hageney. Sie fordert, die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Mann und Frau umzusetzen: "Solange man in Deutschland eine Frau für 30 Euro kaufen kann und mit der machen, was man will, sind wir weit entfernt von Geschlechtergerechtigkeit."

Vorbild "Nordisches Modell"

Hageney setzt auf das sogenannte Nordische Modell, das in Schweden eingeführt wurde. Dort besteht ein generelles Sexkaufverbot und die Freier werden bestraft. "In Schweden ist es für junge Männer inzwischen ein No-Go, ins Bordell zu gehen." Ein Perspektivwechsel, der 20 Jahre gedauert habe.

Prostitution ist Gewalt und macht krank.

Marietta Hageney Ostalb-Bündnis

"Alles wird heruntergefahren, aber die Bordelle dürfen öffnen", kritisiert auch Felicitas Vogt-Herr, die ehrenamtlich beim Ostalb-Bündnis mitarbeitet. "Wie sollen denn die Abstände im Bordell eingehalten werden und welcher Freier gibt schon seinen richtigen Namen bekannt", fragt Claudia Köditz-Habermann. Die Soroptimistin betont, wie wichtig es ist, das Thema Prostitution immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Der Serviceclub Soroptimist engagiert sich in Rumänien, um junge Frauen aufzuklären, damit sie sich nicht mit falschen Versprechungen nach Deutschland locken lassen.

Eine Woche lang soll das Banner an der Bohlschule hängen. Nicht wegschauen, sondern den Blickwinkel erweitern, das erhofft sich Uta-Maria Steybe von der Aktion. "Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen diesen Satz lesen und aufmerksam werden auf die Auswirkungen von Prostitution und Menschenhandel", sagt die Beauftragte für Chancengleichheit bei der Stadt Aalen.

Eine weitere Protestaktion des Ostalb-Bündnisses ist für Freitag, 30. Oktober, von 12 bis 14 Uhr auf dem Bauernmarkt in Ellwangen geplant.

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