Freude und Frust nach der OB-Wahl

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71,22 Prozent gleich im ersten Wahlgang: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürgergratulieren Frederick Brütting zur Wahl zum Aalener Oberbürgermeister. Sein neues Amt tritt er am 1. Oktober an.
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Die einen freuen sich für Frederick Brütting, andere sind enttäuscht über das Ergebnis von Catherine Rommel. Norbert Rehm rechnet mit personellen Konsequenzen bei der Aalener CDU.

Aalen

Damit, dass Frederick Brütting (SPD) die Nase vorne haben wird, haben viele gerechnet. Doch davon, dass er den ersten Wahlgang der Aalener Oberbürgermeisterwahl so deutlich für sich entscheiden kann, waren viele überrascht. Zur Erinnerung: 71,22 Prozent der Stimmen entfielen auf den 37-Jährigen, der Bürgermeister in Heubach ist und sein neues Amt in Aalen am 1. Oktober antreten wird. So reagieren die Mitwerberinnen und Mitbewerber und die Fraktionssprecher im Gemeinderat:

Thomas Wagenblast (CDU): Der Stadtverbandsvorsitzende und Fraktionssprecher im Gemeinderat dankt Catherine Rommel und ihrem Team für einen engagierten Wahlkampf. 20,08 Prozent der Stimmen hat die CDU-Kandidatin bekommen. „Wir sind enttäuscht“, sagt Wagenblast, der sich einen zweiten Wahlgang erhofft hatte. Im Moment sei es schwierig zu sagen, an was es lag. Man müsse das Ergebnis zuerst gemeinsam analysieren. Sieht er Verantwortung für das schlechte Ergebnis auch bei sich selbst? „Das Ergebnis ist so wie es ist“, sagt er dazu. Trägt er Verantwortung in den Querelen rund um die verhinderte Kandidatur Inge Birkholds? „Wenn, dann tragen die Verantwortung, die agiert haben“, sagt Wagenblast. Wäre es mit Inge Birkhold als Kandidatin anders ausgegangen? „Kann ich nicht sagen“, so Wagenblast. Aber so viel sagt er dann doch: „Sicherlich gibt es glücklichere Verläufe von Wahlkämpfen.“

Catherine Rommel (CDU): „Ich bin natürlich traurig“, sagt die Kandidatin am Montag. Sie hätte sich mehr erhofft, weil sie in den letzten Wochen unheimlich viel Zuspruch von vielen bekommen habe. Aber sie sei zu spät in den Wahlkampf eingestiegen. Sie bedankt sich bei ihrem Team. „Das war eine riesen Leistung aus dem Nichts heraus.“ Woran hat es gelegen, dass sie nicht mehr erreichen konnte? „Der andere Kandidat hat überzeugt“, sagt Rommel. „Ein Bürgermeister aus einer kleineren Stadt mit Verwaltungserfahrung wird gerne genommen.“ Sie arbeitet nun weiter als Kommunalberaterin. „Und ich habe ein Buchprojekt, das ich dingend beenden muss. Von daher hat es auch sein Gutes“, sagt sie und lacht.

Norbert Rehm (FDI): Der Fraktionssprecher ist überzeugt, dass Inge Birkhold gewonnen hätte, wäre sie angetreten. „Es muss in der CDU jetzt spältern“, sagt er. Alles andere würde ihn überraschen. „Wenn eine CDU-Kandidatin in einer CDU-Hochburg nur 20 Prozent holt, muss es Konsequenzen geben.“ Die Verantwortlichen sollten seiner Meinung nach zurücktreten. Namen möchte Norbert Rehm aber nicht nennen.

Hermann Schludi (SPD): Der Fraktionssprecher hat mit Freunden gewettet und gewonnen. Voraussagte er ein Ergebnis von 63 Prozent für Brütting und 23 Prozent für Rommel. Damit lag Schludi am nächsten dran. Dass Brütting sogar ein noch besseres Ergebnis eingefahren hat, hat Schludi positiv überrascht. „Bei der Wahl hat auch der Wähler gewonnen“, sagt Schludi. Weil die AfD nicht punkten konnte, zeige das, dass die Leute intelligent seien. Erste große Aufgabe von OB und Gemeinderat im Herbst sei es, einen Haushalt aufzustellen.

Michael Fleischer (Grüne): Er gratuliert Brütting zum „hervorragenden Wahlergebnis.“ Das sei eine gute Basis, um eine erfolgreiche Politik für Aalen zu machen. Dass er im ersten Wahlgang gewinnt, hat sich der Grünen-Fraktionssprecher gedacht. Dass es so eindeutig wird, hat ihn aber überrascht. Als Erstes will Brütting laut Fleischer im Herbst einen Kassensturz machen. Das unterstützen die Grünen.

Roland Hamm (Linke): „Mit diesem sensationellen Ergebnis im ersten Wahlgang habe ich nicht gerechnet“, sagt der Stadtrat von der Linken zur Wahl Brüttings. Zu Rommel sagt er: „Ich fand sie nicht besonders überzeugend“. Trotzdem hätte er gedacht, dass sie rund 30 Prozent holt. „Aber nicht einmal in den Teilorten, wo die Stammwählerschaft der CDU sitzt, hat sie es geschafft zu überzeugen“, sagt Hamm.

Thomas Rühl (Freie Wähler): „Brütting ist der einzige Kandidat, der mit dem nötigen Rüstzeug angetreten ist“, sagt der Fraktionssprecher. „Er ist Verwaltungsmann und Jurist, das passt wunderbar.“ Im Gemeinderat rechnet er damit, dass Brütting zu Beginn nicht so viel Gegenwind von den Grünen und der FDI bekommen wird. „Das ist auch für sie ein Neuanfang.“

Marcus Waidmann (AfD): „Wir wussten, dass Brütting stark ist, wir haben ihn aber nicht bei über 70 Prozent gesehen“, sagt der AfD-Kandidat. Für sich hat er um die sechs Prozent erhofft. Tatsächlich waren es 2,47 Prozent. „Unsere Wähler lassen sich für kommunalpolitische Themen nicht so begeistern wie für bundespolitische“, sagt er.

Dr. Frank Gläser(AfD): Der Fraktionssprecher lobt Marcus Waidmann für den engagierten Wahlkampf. „Das Votum für Herrn Brütting ist ein klarer Wählerauftrag, den alle zu respektieren haben“, sagt er und fügt an: „Wir hoffen auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit für unsere Stadt.“

Stefan Schmidt (die Basis): Zwei Prozent hat sich der Kandidat erhofft und ein Prozent bekommen. „Das ist Demokratie“, sagt er. Für seine Partei „die Basis“ sei es aber eine gute Möglichkeit gewesen, sich bekannt zu machen. Schmidt kandidiert für den Bundestag im Wahlkreis Gmünd-Backnang. „Da geht es nun nahtlos weiter mit Infoständen im Gmünder Raum“, sagt er.

Bei der Wahl hat auch der Wähler gewonnen.“

Hermann Schludi, SPD-Fraktionsvorsitzender

30 Stimmen für Inge Birkhold in der freien Zeile

In der freien Zeile auf dem Stimmzettel konnten Aalenerinnen und Aalener auch selbst einen Namen schreiben. 30 Stimmen bekam so Inge Birkhold. Es wären 34 gewesen, doch bei vier Stimmen fehlte der Beruf oder die Adresse, sodass der Name nicht eindeutig zugeordnet werden konnte, erläuterte Sabine Olbrich von der Geschäftsstelle für Gemeinderat und Wahlen in der Sitzung des Gemeindewahlausschusses, der am Montag das Ergebnis offiziell feststellte. Eine Stimme bekamen zum Beispiel auch Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, Pfarrer Ulrich Marstaller und Baubürgermeister Wolfgang Steidle. ks

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