Freunde fürs Leben trotz Krieg

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Kristina Buzko und Nadja Salzseiler (l.) haben sich in die Farben der ukrainischen Flagge gehüllt. Olesja Brucker hat den Moment für die Aktion „Photographers for Peace“ – Fotografen für den Frieden – im Bild festgehalten.
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Nadja Salzseiler hat russisch-ukrainische Wurzeln, Kristina Buzko ist Russin und Igor Strelkow Ukrainer. Was die drei trotz Krieg verbindet und was das mit einem Fotoshooting zu tun hat.

Aalen

Sie wollen ein Zeichen setzen. Gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Sie wollen zeigen, dass sie Hass keine Chance geben wollen. Und sie machen sich stark für den Frieden. Was Nadja Salzseiler, Kristina Buzko und Igor Strelkow eint, sind russische und ukrainische Wurzeln. Jetzt erzählen die drei ihre eigene Geschichte und die der Aalener Aktion „Photographers for Peace – nicht in unserem Namen!“.

„Es war ein totaler Schock für mich“, sagt Nadja Salzseiler, als sie im Urlaub in der Türkei vom Beginn des Kriegs in der Ukraine erfahren hat. Die 31-Jährige ist in Kasachstan geboren, ihr Vater ist Deutscher, ihre Mutter ist halb Russin, halb Ukrainerin. Der 24. Februar ist ein Tag, der ihr Leben verändert. „Bis dahin hat es keine Rolle gespielt, welche Wurzeln ich habe“, sagt sie. Jetzt sei es kompliziert. Nicht für sie selbst. Da spiele es keine Rolle, ob sie ukrainische und oder russische Wurzeln habe. Sie verurteile den Krieg.

Russland hinter einer Wand

Ein Teil von Nadjas Familie lebt in Russland. „Die sind jetzt hinter einer Wand – und ich weiß nicht, wann ich sie wiedersehen werde.“ Indessen macht sie sich Sorgen um das, was in der Ukraine geschieht. „Ich habe anfangs nächtelang geweint und versucht, Freunde zu erreichen“, erzählt sie. Dabei betont sie, es sei nicht fair, einzelne Gruppen verantwortlich zu machen. Sie verstehe, wenn Ukrainer wütend sind. „Dass aber Menschen mit russischen Wurzeln generell verurteilt werden, das nicht“, sagt sie, die an der Hochschule in Aalen Mechatronik studiert. Von dort her kennt sie Kristina Buzko.

Die 28-Jährige ist Russin. Ihre Freundschaft zu Nadja Salzseiler hat unter dem Krieg nicht gelitten. So halten sich beide an der Hand im Foto für die Aktion „Photographers for Peace“.

Die beiden Mechatronik-Studentinnen haben gemeinsam mit den Fotografen Olesja Brucker und Michael Ankenbrand das Fotoshooting gestartet. Um Flagge zu zeigen, für den Frieden.

Fotos für den Frieden

„Vor allem aber, um jene Freundschaft zu zeigen, die durch den Krieg bedroht ist“, betont Kristina. Denn auch sie hat, wie Nadja, negative Erfahrungen gemacht. „Freunde haben sich von mir wegen des Kriegs abgewandt“, sagt Nadja und Kristina stellt die Frage: „Nur weil wir Russen sind, wollen wir Krieg?“ Um dann gleich die eindeutige Antwort zu geben: „Nein!“ Konflikten gehe sie aus dem Weg und halte sich zurück, was ihre Nationalität angeht.

Die Nationalität spielt für Igor Strelkow keine Rolle. Der Ukrainer aus Odessa lebt seit 2003 mit seinen Eltern, der Schwester und der Oma in Aalen. Die Freundschaften mit seinen russischen Freunden pflegt er weiter. „Sofern sie nicht für Putin und dessen Angriffskrieg sind“, sagt er. Doch Russen, die Putin unterstützen, gebe es durchaus. „Das sind nicht mal wenige“, meint er. Denen empfiehlt er, „Deutschland und seine Demokratie zu verlassen und nach Russland zurückzukehren.“

Nadja und Kristina hat der 27-jährige Igor beim Fotoshooting für „Photographers for Peace“ kennengelernt. Es sei ihm wichtig, für den Frieden ein Zeichen zu setzen. Zumal der gelernte Industriekaufmann gute Kontakte nach Odessa hat. „Dort leben Freunde und Familie“, sagt er. Das ukrainische Volk leide. „Aber dafür kann ich das russische Volk nicht pauschal hassen“, betont Igor und verweist zudem auf die putinsche Propaganda und eine rigoros unterdrückte Friedensbewegung. Für seine geflüchteten Landsleute fordert er in Deutschland „Respekt“ ein. Sie seien zwar Opfer, doch dürfe man sie nicht nur in dieser Rolle sehen. „Sie brauchen eine Perspektive – hier oder sobald es wieder geht in der Heimat.

Doch alle drei „Models“ sehen derzeit noch keine Chance auf Frieden. „Da müsste Putin aufgeben“, sagt Igor. Als Alternative für das Kriegsende sieht er einen Führungswechsel in der „russischen Chefetage“.

Bis dahin hat es keine Rolle gespielt, welche Wurzeln ich habe.“

Nadja Salzseiler, Studentin

Photographers for Peace

Die Aktion „Photographers for Peace“ haben die Fotografin Olesja Brucker (Lettland/D), die Studentinnen Kristina Buzkow (RUS/D), Nadja Salzseiler (UKR/KAZ/D) und der Aalener Fotograf Michael Ankenbrand ins Leben gerufen.

Ziel der Fotoserie ist es, Menschen mit Wurzeln in Ländern der früheren UDSSR die Gelegenheit zu bieten, in Bildern ihrer Freundschaft trotz des Kriegs in der Ukraine Ausdruck zu verleihen. Die Fotos findet man auf instagram: photographers.for.peace

Igor Strelkow ist Ukrainer und hat an der Aktion "Photographers for Peace - nicht in unserem Namen!" teilgenommen.

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